Weiter
Dyynavon PräparatekistePraxisDyyna von PräparatekistePraxis

Mist und Dung in der Biodynamik

Mist und Dung sind die zentralen Wirtschaftsdünger des biodynamischen Hofes. Kuh-, Pferde-, Ziegen- und Hühnermist haben eigene Eigenschaften, Stallmist, Festmist und Gülle sind die grundlegenden Lagerformen.

Was ist gemeint?

Mist und Dung sind in der biodynamischen Praxis zentrale Wirtschaftsdünger — die organischen Ausscheidungen der Hoftiere, vermischt mit Einstreu, kompostiert und auf die Flächen zurückgegeben. Sie sind nach biodynamischer Auffassung das stoffliche Bindeglied zwischen Tier, Boden und Pflanze und damit Grundpfeiler des Hoforganismus.

In der praktischen Sprache überlappen sich „Mist" und „Dung" (Dung ist die ältere Form, in Mitteleuropa regional verbreitet); fachsprachlich werden sie meist gleichbedeutend verwendet. Unterschieden wird vor allem nach Tierart und Lagerform.

Mistarten nach Tierart

Kuhmist ist im biodynamischen Kanon die wichtigste Mistart. Steiner gibt ihm im Landwirtschaftlichen Kurs eine besondere Stellung — die Kuh als Trägerin der typisch biodynamischen Verdauungs- und Verarbeitungskraft. Kuhmist ist relativ stickstoffarm, faserreich, mit ausgewogenem Mineralgehalt und gilt als „warm, ruhig" — gut geeignet als Kompostbasis, in der die Kompostpräparate ihre Wirkung entfalten. Aus Kuhmist wird auch das Präparat Hornmist 500 hergestellt.

Pferdemist ist heißer und intensiver — höherer Stickstoffgehalt, schnellere Rotte, klassisches Material für Frühbeete und Mistbeete. In der biodynamischen Hofpraxis ist er auf Höfen mit Pferdehaltung üblich, aber kein Pflichtbestandteil.

Ziegenmist und Schafmist sind kleinkörnig, trocken, mit hohem Kalium- und Stickstoffgehalt. Sie werden traditionell für Beeren-, Wein- und Obstkulturen geschätzt; viele süd- und alpenländische biodynamische Höfe arbeiten vor allem mit kleinen Wiederkäuern.

Hühnermist und Geflügelmist sind sehr nährstoffreich und müssen vor der Anwendung kompostiert oder stark verdünnt werden, weil sie frisch Pflanzen schädigen können. In der biodynamischen Praxis spielen sie eine untergeordnete Rolle, vor allem auf Höfen mit Hühnerhaltung als Beimischung zum Hauptmist.

Schweinemist ist wenig verbreitet — Schweine werden in der biodynamischen Tradition seltener gehalten als Wiederkäuer. Wenn er anfällt, wird er meist mit Stroh stark verdünnt und in den Hauptkompost eingearbeitet.

Lagerformen

Stallmist ist die klassische Form: Tierausscheidungen plus Einstreu (Stroh, Heu, Holzspäne), im Stall festgetreten und feucht gehalten, dann auf der Miststätte als Festmist gelagert.

Festmist ist verdichteter, gelagerter Mist — fester als beim Anfall, mit fortgeschrittener Rotte. In der biodynamischen Praxis wird Festmist üblicherweise zu Kompost weiterverarbeitet, mit den Kompostpräparaten versetzt und über Monate gereift, bevor er aufs Feld kommt.

Gülle ist die flüssige Variante — Tierausscheidungen ohne oder mit wenig Einstreu, in Tanks oder Gruben gesammelt. Gülle wird in der biodynamischen Praxis kritisch betrachtet, weil sie zu einseitiger Stickstoffwirkung und beim Ausbringen zu Bodenverdichtung führen kann. Demeter-Höfe arbeiten möglichst güllearm und bevorzugen Festmistkompost. Wenn Gülle anfällt, wird sie mit dem Fladenpräparat oder mit den Kompostpräparaten behandelt, bevor sie ausgebracht wird.

Mistkompost ist das Endprodukt — der mit den Kompostpräparaten beimpfte, gereifte Festmist, der auf das Feld kommt. Er ist die zentrale Düngerquelle des biodynamischen Hofes und der Punkt, an dem die Wirkung der Präparate in den Stoffkreislauf des Bodens eingeht.

Was die Biodynamik anders sieht

Die biodynamische Methode unterscheidet sich vom übrigen Biolandbau in der Bewertung des Mistes nicht vor allem quantitativ (Stickstoff, Phosphor, Kalium), sondern qualitativ. Wesentlich ist nicht die Nährstoffrechnung, sondern wie der Mist behandelt wurde — wie lange er gelagert ist, ob er mit den Präparaten beimpft wurde, ob er aus dem eigenen Stall stammt oder zugekauft ist.

Eigener Mist aus eigener Tierhaltung gilt im klassischen Hoforganismus als das Beste. Zugekaufter Mist ist möglich, aber weniger geschätzt — er bringt eine fremde „Hof-Information" mit. Die Demeter-Richtlinie begrenzt den Anteil zugekaufter organischer Dünger; die Einzelheiten regelt sie selbst.

Praktische Anwendung

Auf einem klassischen biodynamischen Hof läuft der Mistkreislauf so: Tiere im Stall, Mist plus Einstreu auf die Miststätte, Festmistkompost mit den sechs Kompostpräparaten beimpfen, sechs bis zwölf Monate reifen lassen, ausgereiften Kompost vor der Vegetationsperiode auf die Flächen ausbringen. Die Mengen hängen vom Hofsystem ab; genannt werden Größenordnungen von 15 bis 25 Tonnen pro Hektar und Jahr.

Biodynamisches Lexikon