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Kompostpräparate

Die sechs Kompostpräparate (502–507) aus Schafgarbe, Kamille, Brennnessel, Eichenrinde, Löwenzahn und Baldrian steuern als Ensemble die Rotte des Komposts. Sie wirken zusammen, nicht einzeln.

Was sind Kompostpräparate?

Die Kompostpräparate sind sechs biodynamische Präparate mit den Nummern 502 bis 507. Anders als die beiden Feldspritzpräparate werden sie nicht auf Boden oder Pflanze gesprüht, sondern in Kompost, Mist, Gülle und andere Wirtschaftsdünger eingebracht. Dort lenken sie nach biodynamischem Verständnis den Rotteprozess und prägen die Qualität des fertigen Komposts. Man nennt sie deshalb auch Düngerzusatz- oder Düngerpräparate.

Der entscheidende Punkt: Die sechs Präparate wirken als ein zusammengehöriges Ensemble. Rudolf Steiner führte sie im Landwirtschaftlichen Kurs (5. Vortrag, GA 327) gemeinsam ein, mit einem durchgehenden Gedanken — der Dünger solle nicht mit mineralischen Zusätzen „verbessert", sondern mit lebendigen Kräften versehen werden, die ihn befähigen, „der Erde die entsprechende Lebendigkeit zuzuführen". Deshalb werden die Kompostpräparate in der Regel immer zusammen angewendet; eine Ausnahme bildet allein der flüssige Baldrian, der zuletzt über die Oberfläche kommt.

Die sechs Präparate im Überblick

Jedes Präparat ist einem Heilkraut, einer tierischen Hülle (außer Brennnessel und Baldrian) und nach Steiner einem bestimmten Stoffprozess zugeordnet:

Nr.PflanzeHülleZugeordneter Prozess
502Schafgarbe (Achillea millefolium)HirschblaseSchwefel, Kalium
503Kamille (Matricaria chamomilla)RinderdarmCalcium, Stickstoff
504Brennnessel (Urtica dioica)ohne HülleEisen, „Herz" des Komposts
505Eichenrinde (Quercus robur)HaustierschädelCalcium, Pflanzengesundheit
506Löwenzahn (Taraxacum officinale)RindergekröseKiesel, Kalium
507Baldrian (Valeriana officinalis)flüssiger AuszugWärme, Phosphor

Diese Zuordnung folgt Steiners Charakterisierung im 5. Vortrag und ist biodynamische Tradition, keine chemische Wirkungsanalyse.

Warum sechs Präparate — und warum gerade diese Pflanzen?

Steiner wählte fünf Heilpflanzen (Schafgarbe, Kamille, Brennnessel, Eichenrinde, Löwenzahn) und ergänzte sie mit dem Baldrian zum Abschluss. Jede Pflanze steht für die Fähigkeit, einen bestimmten Stoff „im Lebendigen" zu führen: die Schafgarbe den Schwefel im Verbund mit Kalium, die Kamille das Calcium, die Brennnessel zusätzlich Eisen, die Eichenrinde das Calcium in besonders „idealer" Struktur gegen wuchernde Krankheitsneigung, der Löwenzahn die Kieselsäure, der Baldrian schließlich die Wärme über den Phosphorbezug. So decken die sechs Präparate ein Spektrum ab, das die wesentlichen Prozesse von Rotte, Stickstoffbindung, Pflanzengesundheit und Kieselsäure-Aufnahme berührt.

Steiner sah die fünf festen Pflanzen als kaum ersetzbar an — die Brennnessel nannte er ausdrücklich den Fall, für den sich „kaum in einer anderen Pflanzenart" ein Ersatz finde. Notfalls ließen sich die Pflanzen auch als Droge verwenden.

Steiners durchgehender Gedanke

Bei allen sechs Präparaten verfolgte Steiner dasselbe Prinzip: „innerhalb des Lebendigen bleiben" und nicht „in die unorganische Chemie hineingehen". Die Schafgarbe ordnet den Schwefel mit dem Kalium, die Kamille verarbeitet das Calcium und macht den Dünger „stickstoffbeständiger", die Brennnessel macht ihn „innerlich empfindlich" und „vernünftig", die Eichenrinde wirkt mit ihrem Calcium gegen Pflanzenkrankheiten, der Löwenzahn vermittelt die Kieselsäure, der Baldrian die Wärme.

Steiner sprach von einer „geheimen Alchimie" im organischen Prozess, die etwa Kali und Kalk unter dem Einfluss des Wasserstoffs in Stickstoff umwandeln könne — ein Bild für die lebendigen Umsetzungen, die die Präparate anstoßen sollen. Sein Fazit im 5. Vortrag: „Ein Düngemittel muß in der Zukunft, statt mit den chemischen Kinkerlitzchen behandelt zu werden, behandelt werden mit Schafgarbe, mit Kamille, mit Brennessel, mit Eichenrinde und mit Löwenzahn" — und mit dem Baldrian als sechstem Bestandteil. Ehrenfried Pfeiffer fasste die Gesamtwirkung der Reihe 502–507 später als allgemeine Kräftigung der Pflanzen im Wuchs zusammen.

Herstellung im Überblick

Die festen Präparate folgen einem gemeinsamen Grundmuster: Heilpflanzenblüten (bzw. bei der Eichenrinde die Borke, bei der Brennnessel das ganze Kraut) werden gesammelt, in die jeweilige tierische Hülle gefüllt und über eine Jahreszeit der Erde anvertraut — Schafgarbe über Sommer und Winter, Kamille und Löwenzahn über Winter, Eichenrinde über Herbst/Winter im fließenden Wasser, Brennnessel ein ganzes Jahr ohne Hülle nur von Torf umgeben. Im Frühjahr werden sie geborgen, getrocknet und getrennt gelagert. Der Baldrian wird als vergorener Blütensaft hergestellt. Details in den Einzelartikeln; die Herstellung ist verbindlich in der Demeter-Richtlinie geregelt.

Anwendung

Die fünf festen Präparate (502–506) werden als kleine Klümpchen in Bohrlöcher des Komposthaufens oder der Mistmiete gesteckt; der flüssige Baldrian (507) wird verdünnt darüber gesprüht oder gegossen. Eine Serie besteht aus je einer Portion (etwa ein Kubikzentimeter, beim Baldrian zwei bis drei) und reicht für rund zehn Kubikmeter festen Dünger bzw. bis 20 m³ Gülle oder Jauche. Eingesetzt werden sie, sobald organische Substanz anfällt — so früh wie möglich und nach dem Umsetzen oder Umpumpen wiederholt. Aufbewahrt werden die Präparate getrennt voneinander, jeweils von Torf oder unbehandelter Kokosfaser umgeben, kühl und frostfrei (siehe Lagern der Präparate).

Für Betriebe, denen die Einzelpräparate fehlen, gibt es das Sammelpräparat — eine aus den Kompostpräparaten mit Kuhmist hergestellte, getrocknete Mischung. Das Fladenpräparat nach Maria Thun und der „Mäusdorfer Rottelenker" intensivieren die Wirkung der Kompostpräparate über die Fläche bzw. lenken die Rotte.

Wirkung

Nach biodynamischem Verständnis steuern die Kompostpräparate die Rotte, stabilisieren den Stickstoffhaushalt, verbessern die Humusbildung und tragen zur Pflanzengesundheit bei. Im Darmstädter Langzeit-Düngungsversuch förderten Präparat und Rottemist Humusgehalt und biologische Aktivität des Bodens. Die Wirkung zeigt sich vor allem auf der Ebene des Gesamtsystems und ist von Standort und Betriebsführung abhängig (siehe Biodynamik und Wissenschaft). Die einzelnen Prozess-Zuordnungen (Schwefel, Calcium, Eisen, Kiesel, Wärme) sind biodynamische Sichtweise.

Häufige Fragen zu den Kompostpräparaten

Welche Kompostpräparate gibt es?

Sechs: Schafgarbe (502), Kamille (503), Brennnessel (504), Eichenrinde (505), Löwenzahn (506) und Baldrian (507).

Wie werden Kompostpräparate angewendet?

Die festen Präparate (502–506) kommen als Klümpchen in Bohrlöcher des Komposts, der flüssige Baldrian (507) wird übergossen. In der Regel werden alle zusammen eingesetzt, eine Serie auf rund zehn Kubikmeter Dünger.

Warum werden sie zusammen angewendet?

Weil sie nach Steiner ein zusammenwirkendes Ganzes bilden, das den Rotteprozess als Einheit lenkt — jedes Präparat ordnet einen anderen Stoffprozess.

Was ist der Unterschied zu den Feldspritzpräparaten?

Die Kompostpräparate (502–507) kommen in den Dünger; die Feldspritzpräparate Hornmist 500 und Hornkiesel 501 werden gerührt und auf Boden bzw. Pflanze gespritzt.

Sind die Kompostpräparate für Demeter Pflicht?

Ja. Die Anwendung der Präparate gehört zu den verbindlichen Vorgaben der Demeter-Richtlinie (siehe Demeter-Zertifizierung).

Biodynamisches Lexikon