Demeter
Demeter ist der älteste und strengste Bio-Anbauverband und das Markenzeichen für biodynamisch erzeugte Produkte – mit verpflichtender Präparatearbeit und Regeln, die weit über EU-Bio hinausgehen.
Was ist Demeter?
Demeter ist zugleich dreierlei: ein Markenzeichen für biodynamisch erzeugte Lebensmittel, der Name des ältesten ökologischen Anbauverbands und — im weiteren Sinn — ein Synonym für die gesamte biodynamische Wirtschaftsweise. Der Name leitet sich von Demeter ab, der griechischen Göttin des Ackerbaus und der Fruchtbarkeit.
Demeter gilt als der strengste der ökologischen Standards. Wer das Zeichen führen will, erfüllt nicht nur die gesetzlichen Bio-Vorgaben, sondern eine ganze Reihe darüber hinausgehender Anforderungen — allen voran die verpflichtende Arbeit mit den biodynamischen Präparaten und die Entwicklung des Betriebs als Hoforganismus. Über 90 Prozent der deutschsprachigen Demeter-Kundschaft sitzt in Deutschland; international ist der Verband in vielen Ländern vertreten.
Marke, Verband und Methode — drei Ebenen
Im Alltag werden diese drei Bedeutungen oft vermischt, was zu Missverständnissen führt. Als Marke kennzeichnet Demeter ein Produkt. Als Verband organisiert Demeter die Erzeuger, Verarbeiter und die Zertifizierung. Als Methode steht der Name für die biodynamische Landwirtschaft nach Rudolf Steiner. Wer „Demeter" sagt, meint je nach Zusammenhang das eine oder andere.
Herkunft und Geschichte
Den Ausgangspunkt bildete Rudolf Steiners Landwirtschaftlicher Kurs zu Pfingsten 1924 auf Gut Koberwitz. Aus der Bewegung, die daraus entstand, ging die Organisation in mehreren Schritten hervor:
Bereits 1927 wurde die Verwertungsgesellschaft Demeter gegründet. 1928 kamen das Demeter-Zeichen und die ersten Demeter-Richtlinien hinzu. 1932 wurde der Begriff Demeter als Markenzeichen beim Patentamt München angemeldet; 1954 erhielt der Demeter-Bund die Warenzeichenrechte. Damit ist Demeter der älteste ökologische Anbauverband überhaupt — Jahrzehnte vor der EU-Bio-Verordnung und den meisten anderen Verbänden.
Demeter als Drauflage, nicht als Ersatz
Ein zentraler Punkt zum Verständnis: Der Demeter-Standard steht zusätzlich auf der EU-Öko-Verordnung. Ein Demeter-Betrieb ist immer auch EU-Bio-zertifiziert und erfüllt obendrein die weitergehenden Demeter-Anforderungen. Bei Abweichungen zwischen beiden gilt vorrangig die EU-Verordnung; Demeter verschärft sie, ersetzt sie aber nicht.
Hinzu kommt die Logik der Positivliste: Was in der Richtlinie nicht ausdrücklich erlaubt ist, ist nicht zulässig. Das betrifft Produktionsverfahren, Rohstoffe, Zutaten, Futter- und Betriebsmittel. Diese Logik macht Demeter enger als EU-Bio — nicht weiter.
Was unterscheidet Demeter von EU-Bio und anderen Verbänden?
Mehrere Punkte gehen über den allgemeinen Bio-Standard und über Verbände wie Bioland oder Naturland hinaus:
Verpflichtende Präparatearbeit. Die biodynamischen Präparate sind Pflicht — Hornmist 500 mindestens einmal jährlich auf allen Flächen, Hornkiesel 501 kulturartgerecht, die Kompostpräparate in allen organischen Wirtschaftsdüngern. Kein anderer Verband schreibt das vor.
Hoforganismus und Tierhaltung. Leitbild ist der weitgehend geschlossene Betriebskreislauf; Tiere, vor allem Wiederkäuer, sind zentraler Bestandteil. Für Gartenbaubetriebe gibt es ab bestimmten Größen einen Mindesttierbesatz.
Saatgut. Hybridsorten beim Getreide sind ausgeschlossen, samenfeste Sorten werden bevorzugt; im Gartenbau sind CMS-Sorten (Zellfusion) verboten.
Engere Grenzen. Bei der Stickstoffdüngung gelten Obergrenzen (etwa 112 kg N/ha im landwirtschaftlichen Schnitt), die unter den EU-Vorgaben liegen.
Gentechnik und soziale Verantwortung. GVO sind in der gesamten Kette ausgeschlossen, einschließlich der „neuen Gentechnik". Jeder Demeter-Betrieb veröffentlicht zudem eine Erklärung zur sozialen Verantwortung.
Die biodynamische Grundlage
Hinter all dem steht ein anderes Naturverständnis. Die Demeter-Richtlinie formuliert es im ersten Kapitel: Die biodynamische Landwirtschaft strebe einen „weitestgehend geschlossenen Betriebskreislauf" an und wolle die Höfe „als individuelle Hoforganismen entwickeln" — unter Berücksichtigung des Zusammenwirkens von Mensch, Tier, Pflanze und Boden „bis hin zu kosmischen Einflüssen". Eines der Hauptziele sei, „die Lebendigkeit des Bodens zu fördern". Die Präparate sind dabei die ausgewiesene Kulturtechnik, die diesen Ansatz trägt.
Demeter-Saatgut und Pflanzenzüchtung
Demeter geht beim Saatgut weiter als andere: Es gibt eine eigene biologisch-dynamische Pflanzenzüchtung mit prüfbaren Kriterien. Sorten „aus biologisch-dynamischer Züchtung" durchlaufen mindestens vier Jahre Selektion unter biodynamischen Bedingungen, Hybridzüchtung ist ausgeschlossen, und der Werdegang einer Sorte muss öffentlich nachvollziehbar sein. Für die Kundschaft heißt das: Demeter-Saatgut hebt sich nicht nur durch das Logo ab, sondern durch dokumentierte Transparenz über Herkunft und Züchtungsweg.
Demeter international
Demeter ist heute international organisiert. Den Rahmen setzt die Biodynamic Federation Demeter International, der Dachverband, dem die nationalen Organisationen folgen — darunter Demeter e. V. in Deutschland (mit Regionalverbänden) und Demeter Schweiz. Nationale Bestimmungen dürfen strenger sein als die internationale Dachrichtlinie, aber nicht von ihr abweichen.
Wie wird man Demeter-Betrieb?
Die Anerkennung läuft über ein Zertifizierungsverfahren mit mehrjähriger Umstellung und jährlicher Kontrolle. Die Einzelheiten — Umstellungszeit, Anmeldefristen, was geprüft wird — sind im Eintrag Demeter-Zertifizierung beschrieben.
Einordnung
Demeter ist als Bio-Standard unbestritten der mit den weitestgehenden Anforderungen. Seine biodynamische Grundlage hat anthroposophische Wurzeln, was Teil der öffentlichen Debatte um den Verband ist — von Kritik an esoterischen Elementen bis zu Studien, die dem System Vorteile bei Bodenfruchtbarkeit und Produktqualität bescheinigen (siehe Biodynamik und Wissenschaft). Wer Demeter einordnet, sollte Marke, Methode und Weltanschauung auseinanderhalten.
Häufige Fragen zu Demeter
Was bedeutet Demeter?
Demeter ist das Markenzeichen für biodynamisch erzeugte Produkte und der Name des zugehörigen Anbauverbands, benannt nach der griechischen Göttin des Ackerbaus.
Was ist der Unterschied zwischen Demeter und Bio?
Demeter erfüllt alle EU-Bio-Anforderungen und legt strengere darauf: verpflichtende Präparatearbeit, Hoforganismus mit Tierhaltung, Hybridverbot beim Getreide, engere Düngegrenzen. Bio ist der gesetzliche Mindeststandard, Demeter geht deutlich weiter.
Seit wann gibt es Demeter?
Die Bewegung beginnt 1924 mit Steiners Landwirtschaftlichem Kurs. Die Verwertungsgesellschaft Demeter entstand 1927, das Demeter-Zeichen 1928, die Markenanmeldung 1932.
Ist Demeter strenger als Bioland und Naturland?
In Bezug auf die biodynamische Methode ja: Demeter ist der einzige der großen Verbände mit verpflichtenden Präparaten und Hoforganismus-Leitbild.
Woher kommt der Name Demeter?
Von der griechischen Göttin Demeter, der Göttin des Ackerbaus, des Getreides und der Fruchtbarkeit.