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Löwenzahnpräparat 506

Das Löwenzahnpräparat (506) ist ein Kompostpräparat aus Löwenzahnblüten, die im Gekröse eines Rindes über Winter reifen. Es vermittelt nach Steiner die Kieselsäure und macht die Pflanze „empfindsam".

Was ist das Löwenzahnpräparat (506)?

Das Löwenzahnpräparat (506) ist das fünfte der sechs Kompostpräparate. Hergestellt aus den Blütenköpfen des Löwenzahns (Taraxacum officinale), die im Gekröse (Mesenterium) eines Rindes über Winter reifen, wird es dem Kompost in kleinster Menge zugesetzt. Es ist das „Kieselsäure-Präparat" der Reihe: Nach biodynamischem Verständnis vermittelt es die fein im Kosmos verteilte Kieselsäure und macht die Pflanze „empfindsam" für ihre Umgebung, so dass sie über einen weiten Umkreis die Stoffe heranzieht, die sie braucht.

Während der Hornkiesel 501 das Kiesel-Licht-Prinzip oberirdisch über die Pflanze wirken lässt, arbeitet der Löwenzahn von der Düngerseite her: Er soll dem Boden die Fähigkeit geben, Kieselsäure aus Atmosphäre und Kosmos in der nötigen Menge aufzunehmen.

Der Löwenzahn als Pflanze

Der Löwenzahn ist sehr anpassungsfähig: Im Schatten bildet er große, breite Blätter und lange Blütenstängel, in der Sonne und im Gebirge feine, schmale Blätter und kurze Stängel. Er bildet eine milchsaftführende Pfahlwurzel; aus der bodendeckenden Rosette schießen hohle Stängel mit fest geschlossenen Knospen empor, die sich erst öffnen, wenn der Tau weg ist und die Sonne wärmt. Nach der Blüte tritt auf dem sich wölbenden Blütenboden die „Pusteblume" hervor — feine, federleichte Schirmchen (Pappus) aus kieselhaltigem Zellgewebe.

Gerade dieser Kiesel in der Schirmchenkugel macht den Löwenzahn biodynamisch zu einem besonderen „Sinnesorgan für das Licht": So wie Kiesel in Haut und Auge eine Sinnesfunktion übernimmt, treten im Löwenzahn Kiesel und Kalium in Wechselwirkung. Der Löwenzahn stellt an den Boden keine besonderen Ansprüche und erobert gern Fehlstellen im Grasland.

Steiners Charakterisierung im Landwirtschaftlichen Kurs

Im fünften Vortrag des Landwirtschaftlichen Kurses nannte Steiner den Löwenzahn eine „außerordentliche Wohltat" und „eine Art von Himmelsbote": Er sei „der Vermittler zwischen der im Kosmos fein homöopathisch verteilten Kieselsäure und demjenigen, was als Kieselsäure eigentlich gebraucht wird über die ganze Gegend hin". Entscheidend sei die Wechselwirkung zwischen Kalium und Kieselsäure (nicht Calcium), die der Löwenzahn in sich trage.

Das fertige Präparat gebe dem Erdboden „die Fähigkeit, soviel Kieselsäure gerade aus der Atmosphäre und aus dem Kosmos heranzuziehen, als für die Pflanzen notwendig ist". Dadurch würden die Pflanzen „empfindsam … gegen alles das, was in ihrer Umgebung wirkt", und zögen selbst heran, was sie brauchen — bis aus dem Boden der Nachbarwiese oder des nahen Waldes. Steiners Bild: Eine „stumpfe" Pflanze nehme ihre Umgebung nicht wahr; die mit Kieselsäure durchzogene Pflanze dagegen werde empfindsam und ziehe „im weiten Umkreis die Dinge heran".

Warum das Rindergekröse?

Als Hülle dient das Gekröse (Mesenterium) — die fächerartige Bauchfellfalte, an der die Darmschlingen aufgehängt sind — oder das große Netz (Omentum majus) des Rindes. Steiner formulierte knapp: Die gelben Köpfchen „näht man ein in Rindsgekröse". Das Bauchfell ist anatomisch Träger des Nervensystems im Stoffwechselbereich; biodynamisch gilt es als die zum mineralisch-kosmischen Kieselsäureprozess passende Hülle. Wichtig in der Praxis: Beide Bauchfellorgane neigen zur Verfettung; verfettetes, beim Abkühlen steif werdendes Gewebe ist als Hülle ungeeignet, mageres Netz (etwa von Milchkühen ohne Maisfütterung) dagegen geeignet.

Herstellung Schritt für Schritt

Blüten sammeln. Die aufblühenden Blütenkörbchen werden zeitig im Frühjahr an einem sonnigen Morgen gepflückt — die inneren Blütenblätter sollen noch ein hochstehendes „Krönchen" bilden. Vollständig aufgeblühte Stände reifen beim Trocknen bis zur Samenbildung nach und werden nicht verwendet. Die Blüten dürfen nicht lange im Sammelbehälter bleiben (sie erhitzen schnell), welken in der Sonne einige Stunden an und trocknen dann dünn ausgebreitet im luftigen Schatten; die Droge soll gelb aussehen, mit möglichst wenig weißen Köpfchen.

Gekröse vorbereiten. Mageres Netz oder Gekröse wird nach der Schlachtung in Lappen geschnitten, 3–4 Tage in der Sonne getrocknet und kühl aufbewahrt; in warmem Wasser oder Löwenzahntee eingeweicht ist es sofort verwendbar. Schlachtfrisches Netz wird bevorzugt.

Kugeln bilden. Im Herbst — etwa um Michaeli bis Mitte Oktober — werden die getrockneten Blüten mit Tee oder Presssaft aus der ganzen oberirdischen Pflanze leicht befeuchtet. Auf ein zugeschnittenes Gekrösestück (ca. 20×20 bis 35×35 cm) presst man zwei bis drei Hände voll Blüten, schlägt die Ecken darüber und bindet eine bis kindskopfgroße Kugel ab, die ein bis zwei Tage abtrocknet.

Eingraben über Winter. Mit der Verschlussseite nach unten (damit kein Stauwasser in der Hülle steht und siliert) werden die Kugeln wie die anderen Präparate eingegraben. Gegen Füchse, Hunde und Mäuse, die dem Fett nachstellen, helfen Holunderreisig und ein aufgelegter Lattenrost.

Bergen. Ende April / Anfang Mai werden die Kugeln ausgegraben, der Inhalt als Präparat entnommen und bei Bedarf getrocknet. Die Hüllenreste gehören zum Präparat und finden in Jauche-, Gülle- oder Birkengruben Verwendung (bzw. werden bei geltenden Vorgaben entsorgt).

Mengen und Bedarf

Pro Hektar rechnet Wistinghausen mit rund 350 g frischen bzw. 25–50 g getrockneten Löwenzahnblüten. Für einen Betrieb von 20–30 ha genügen etwa 5–7 kg frische oder ½–1 kg getrocknete Blüten und rund drei Gekröselappen (ca. 30×30 cm). Eine fertige Portion misst 1–2 cm³.

Wirkung im Kompost

Nach Steiner gibt das Löwenzahnpräparat dem Boden die Fähigkeit, Kieselsäure aus Atmosphäre und Kosmos heranzuziehen und macht die Pflanzen „empfindsam" für ihre Umgebung. In der biodynamischen Tradition gilt 506 als das Präparat, das den Kiesel-Kalium-Haushalt und die „Aufnahmebereitschaft" der Pflanze ordnet. Ehrenfried Pfeiffer ordnete die Kompostpräparate insgesamt der Wuchskräftigung zu. Die funktionale Zuordnung (Kieselsäure, Empfindsamkeit) ist biodynamische Sichtweise, keine chemische Wirkungsanalyse.

Anwendung

Das Löwenzahnpräparat wird gemeinsam mit den übrigen Kompostpräparaten als Klümpchen in den Komposthaufen oder die Mistmiete eingebracht. Die fünf festen Präparate (502–506) und der flüssige Baldrian (507) bilden eine zusammenwirkende Serie; eine Portion reicht für rund zehn Kubikmeter Dünger.

Einordnung

Steiners Bilder — der Löwenzahn als „Himmelsbote", Vermittler kosmischer Kieselsäure, die Pflanze als „empfindsames" Wesen — entstammen seinem geisteswissenschaftlichen Weltbild und werden hier als Ursprungskonzept referiert, nicht als naturwissenschaftliche Wirkungsbeschreibung. Die funktionale Zuordnung (Kieselsäure) ist biodynamische Tradition. Für Demeter-Betriebe ist die Anwendung der Kompostpräparate verpflichtend (siehe Demeter-Zertifizierung).

Häufige Fragen zum Löwenzahnpräparat

Woraus besteht das Präparat 506?

Aus Löwenzahnblüten, eingenäht im Gekröse (oder Netz) eines Rindes, über Winter eingegraben.

Was bewirkt 506 im Kompost?

Es soll dem Boden nach biodynamischem Verständnis die Fähigkeit geben, Kieselsäure aus Atmosphäre und Kosmos heranzuziehen, und die Pflanze „empfindsam" für ihre Umgebung machen.

Warum nennt Steiner den Löwenzahn „Himmelsbote"?

Weil er ihn als Vermittler zwischen der im Kosmos fein verteilten Kieselsäure und dem Bedarf der ganzen Gegend verstand — eine Pflanze, die das Kiesel-Licht-Prinzip in den Boden hineinträgt.

Welches Organ dient als Hülle?

Das Gekröse (Mesenterium) oder das große Netz des Rindes — möglichst mager, da verfettetes Gewebe als Hülle ungeeignet ist.

Wann werden die Blüten gepflückt?

Zeitig im Frühjahr an sonnigen Morgen, solange die inneren Blütenblätter noch ein „Krönchen" bilden — vollständig aufgeblühte Stände werden nicht verwendet.

Biodynamisches Lexikon