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Eichenrindenpräparat 505

Das Eichenrindenpräparat (505) ist ein Kompostpräparat aus geraspelter Eichenborke, die in einem Haustierschädel im Wasser reift. Sein Calcium soll prophylaktisch gegen Pflanzenkrankheiten wirken.

Was ist das Eichenrindenpräparat (505)?

Das Eichenrindenpräparat (505) ist das vierte der sechs Kompostpräparate. Hergestellt aus der zerkleinerten Borke der Stieleiche (Quercus robur), die in der Schädelhöhle eines Haustieres im fließenden Wasser reift, wird es dem Kompost in kleinster Menge zugesetzt. Es ist das „Calcium-Präparat" der Reihe: Nach biodynamischem Verständnis soll es die Düngermasse befähigen, Pflanzenkrankheiten prophylaktisch entgegenzuwirken, indem es eine zu starke, wuchernde Lebendigkeit in geordnete Bahnen lenkt.

Während die Kamille (503) das Calcium auf die eine, „aufbauende" Weise verarbeitet, bringt die Eichenrinde das Calcium in einer besonders idealen Struktur ein, die nach Steiner ordnend und dämpfend wirkt — gerade dann, wenn Krankheiten auftreten.

Die Eiche als Pflanze

Die Eiche gilt als Symbol des Lebenskampfes und der Kraft, und ihre Gestalt zeigt diesen Kampf an: Schon der junge Keimling muss Pilzkrankheiten (etwa Mehltau) und Insektenfraß überwinden; das zarte, gelblich-rötliche Jungblatt wird oft befallen, worauf die Eiche über neue Seitentriebe weiterwächst und knorrig wird. Dem zarten Jungblatt steht das feste, harte, widerstandsfähige Holz gegenüber. Die Rinde reißt mit zunehmendem Alter borkig auf und bildet einen Schutz nach außen.

Diese Rinde birgt selbst Gegensätze: einerseits sehr viel Calcium (rund 75 % der Asche als Calciumoxid), andererseits Gerbsäure, die früher in der Lederherstellung verwendet wurde. Die Gerbsäure wirkt insektizid, das Calcium hemmt Pilzwachstum. Biodynamisch wird die Rinde als „Zwischenprodukt zwischen dem Pflanzlichen und dem lebendigen Erdigen" gedeutet.

Steiners Charakterisierung im Landwirtschaftlichen Kurs

Im fünften Vortrag des Landwirtschaftlichen Kurses führte Steiner das Eichenrindenpräparat als Mittel gegen Pflanzenkrankheiten ein. Eine „große Anzahl gerade von Pflanzenkrankheiten" lasse sich „durch eine rationelle Gestaltung der Düngung wirklich beheben". Dazu müsse man dem Boden Calcium zuführen — aber „innerhalb des Bereiches des Lebendigen", nicht als gewöhnlichen Kalk. Die Eiche enthalte reichlich Calcium „in feiner Verbindung", und „insbesondere ist es die Rinde der Eiche", in der die Calciumstruktur „das alleridealste" sei.

Steiners Wirkungsbild: Calcium „schafft Ordnung, wenn der Ätherleib zu stark wirkt", es dämpfe den Ätherleib und mache so die Wirkungen des Astralleibes frei. In der Eichenrinde sei das Calcium so strukturiert, dass „ein wucherndes Ätherisches sich zusammenzieht" — und zwar „recht regelmäßig", ohne „Schocks" im Organischen. Aus der gereiften Masse werde dem Dünger dasjenige zugesetzt, „was ihnen wirklich die Kräfte verleiht, schädliche Pflanzenkrankheiten prophylaktisch zu bekämpfen, aufzuhalten".

Warum ein Schädel — und welcher?

Als Hülle dient die knöcherne Schädelhöhle eines Haustieres. Steiner: „Dann nehmen wir — es ist fast einerlei, von welchem unserer Haustiere — einen Schädel, eine Schädeldecke." Damit ist die wichtige Abgrenzung gesetzt: Es geht um einen Haustierschädel (Rind, Schaf, Ziege, Schwein oder Pferd), nicht um ein Wildtier. Die Kalkschale der Schädelwölbung umschließt — im Bild der biodynamischen Tradition — einen Raum starker Gegensätze: intensivste Lebensvorgänge bei zugleich fehlender Regenerationsfähigkeit der Gehirnzellen. Die zerkleinerte Eichenrinde wird unter dem Schutz dieser Kalkdecke in einen kontrollierten Faulprozess gebracht.

Herstellung Schritt für Schritt

Rinde gewinnen. Mitte August bis September wird von über 30-jährigen, möglichst noch lebenden Stieleichen (Stammdurchmesser 30–50 cm) die äußere Borke und Rinde abgenommen — Steiner meinte „die äußerste Rindenschichte, die zerfällt, wenn man sie ablöst", also die Borke. In der Praxis nimmt man Borke und Rinde bis zum Bast (aber ohne diesen). Mit Ziehmesser, Beil oder Raspel wird gelöst und auf einem ausgebreiteten Tuch gesammelt; bei größerem Bedarf spricht man sich mit dem Förster über zu schlagende Bäume ab.

Zerkleinern. Die Rinde wird mit Muser, Hammermühle, Hackmesser oder Mörser und Sieb in eine bröselige Struktur gebracht, sodass die gröbsten Teile etwa Weizen- bis Erbsenkorngröße haben.

Schädel vorbereiten und füllen. Die vom Hirn entleerten, gereinigten Schädel werden Ende August bis Ende September mit der trockenen oder leicht angefeuchteten Eichenrinde durch das Hinterhauptloch vollgestopft. Gespaltene Schädel werden in beiden Hälften gefüllt, die Ränder mit geknetetem Ton verklebt und mit Draht zusammengebunden; alle Ritzen werden mit Knochensplittern und Ton abgedichtet.

Im Wasser reifen lassen. Der Schädel wird dort gelagert, wo periodisch frisches Regen- oder Schneewasser durch eine Schlammschicht aus rottender Pflanzenmasse fließt — etwa in einem Holz- oder Tonfass unter dem Dachrinnenablauf, in dem über den Sommer Pflanzenmasse zu „Pflanzenschlamm" verschlammt ist. Steiner verlangte ausdrücklich fließendes Schnee- und Regenwasser; das früher übliche Eingraben in öffentlichen Gewässern (Teich-, Bachschlamm) entspricht dem nicht und ist auch wasserrechtlich problematisch. Der Schädel überwintert so durch Herbst und Winter.

Bergen. Ende April / Anfang Mai werden die Schädel aus dem Schlamm geholt, die Eichenrinde vorsichtig herausgekratzt und wie die anderen Präparate aufbewahrt. Die Schädel werden in der Regel nur einmal genutzt.

Mengen und Bedarf

Pro Hektar rechnet Wistinghausen mit rund 50 g frischen bzw. 25–50 g getrockneten Eichenrinde-Anteilen. Für einen Betrieb von 20–30 ha genügen etwa 1–2 kg frische oder ½–1 kg getrocknete Rinde und rund drei Schädel. Eine fertige Portion misst nur 1–2 cm³. Wie bei allen Kompostpräparaten geht es um einen Kräfteimpuls, nicht um eine Stoffmenge.

Wirkung im Kompost

Nach Steiner verleiht das Eichenrindenpräparat dem Dünger die Kraft, Pflanzenkrankheiten „prophylaktisch zu bekämpfen, aufzuhalten" — es wirkt also vorbeugend und ordnend, nicht abtötend. In der biodynamischen Tradition gilt 505 als das Präparat, das überschießende, krankheitsanfällige Lebendigkeit dämpft und den Calciumhaushalt strukturiert. Ehrenfried Pfeiffer ordnete die Kompostpräparate insgesamt der Wuchskräftigung zu. Die funktionale Zuordnung (Calcium, Krankheitsvorbeugung) ist biodynamische Sichtweise, keine pharmakologische Wirkungsanalyse.

Anwendung

Das Eichenrindenpräparat wird gemeinsam mit den übrigen Kompostpräparaten als Klümpchen in den Komposthaufen oder die Mistmiete eingebracht. Die fünf festen Präparate (502–506) und der flüssige Baldrian (507) bilden eine zusammenwirkende Serie; eine Portion reicht für rund zehn Kubikmeter Dünger.

Einordnung

Steiners Begründung — Calcium „im Lebendigen", die Wirkung auf den „Ätherleib", die Schädelhülle — entstammt seinem geisteswissenschaftlichen Weltbild und wird hier als Ursprungskonzept referiert, nicht als naturwissenschaftliche Wirkungsbeschreibung. Die funktionale Zuordnung (Krankheitsvorbeugung) ist biodynamische Tradition. Wichtig für die Faktenlage: Es ist ein Haustierschädel, nicht ein „Nutztier"-Schädel im engeren Sinne und kein Wildtier — Steiner sagte ausdrücklich „von welchem unserer Haustiere". Für Demeter-Betriebe ist die Anwendung der Kompostpräparate verpflichtend (siehe Demeter-Zertifizierung).

Häufige Fragen zum Eichenrindenpräparat

Woraus besteht das Präparat 505?

Aus zerkleinerter Borke der Stieleiche, gereift in der Schädelhöhle eines Haustieres unter fließendem Regen- oder Schneewasser über Herbst und Winter.

Welcher Schädel wird verwendet?

Der eines Haustieres — Rind, Schaf, Ziege, Schwein oder Pferd. Steiner: „fast einerlei, von welchem unserer Haustiere". Kein Wildtier.

Was bewirkt 505 im Kompost?

Es soll dem Dünger nach biodynamischem Verständnis die Kraft geben, Pflanzenkrankheiten vorbeugend entgegenzuwirken, indem es eine wuchernde Lebendigkeit ordnet — über das Calcium der Eichenrinde.

Warum gerade Eichenrinde und nicht gewöhnlicher Kalk?

Weil das Calcium nach Steiner „innerhalb des Bereiches des Lebendigen" bleiben muss. Die Calciumstruktur der Eichenrinde gilt ihm als „das alleridealste"; toter Kalk wirke nicht in gleicher Weise.

Warum fließendes Wasser?

Steiner verlangte fließendes Schnee- und Regenwasser durch einen Pflanzenschlamm. Das früher übliche Eingraben in stehenden Gewässern entspricht dem nicht.

Biodynamisches Lexikon