Saatbad: Saatgut biodynamisch behandeln
Beim Saatbad wird das Saatgut vor der Aussaat eine Zeit lang in einer gerührten Präparatelösung oder einem Pflanzentee eingeweicht, danach getrocknet oder gleich gesät. Belegt sind Baldrian, Hornmist, die Kompostpräparate und Meerrettichtee.
Was ist ein Saatbad?
Ein Saatbad ist die älteste Form, die Präparate direkt an die Pflanze zu bringen: über das Saatkorn selbst. Das Saatgut liegt vor der Aussaat eine Weile in einer gerührten Präparatelösung oder einem Tee und wird dann getrocknet oder gleich gesät. In der biodynamischen Literatur heißt das auch Saatgutbehandlung oder Beizen.
Die Demeter-Richtlinie schließt für die Saatgutbehandlung die Elektronenbeizung aus; andere technische Verfahren brauchen eine Zulassung (Kapitel II.2.2).
Kompostpräparate im Saatbad (Stegemann, 1927)
Die Idee stammt aus den ersten Jahren nach dem Landwirtschaftlichen Kurs. Kompost mit dem Gespann auszufahren, war für viele Höfe eine Last. Ernst Stegemann schlug 1927 deshalb einen Notbehelf vor: Er nahm „als Übermittler der Kraftstoffe das Saatkorn selbst“. Er rührte alle Präparate außer dem Hornmist eine Stunde lang in sechs Litern Wasser, legte das Saatgut eine Stunde hinein, trocknete es und säte. Nach Ernst Bluhme und Almar von Wistinghausen bestand diese Mischung aus den sechs Kompostpräparaten (Stappung, Kap. 18).
In Stegemanns Topfversuch wuchsen Sommerweizen, Hafer und Rüben besser, bei Bluhme liefen Gemüse rascher und reichlicher auf. Almar von Wistinghausen berichtete 1928 von deutlichen Erfolgen.
Hornmist im Saatbad
In der Präparate-Anwendung im Jahreslauf, die Elstrup Rasmussen 1942 in Dänemark vorschlug und Stappung wiedergibt, steht der Hornmist als Saatbad für Wintergetreide, im Frühjahr wie im Herbst, mit dem Zusatz: nicht für Lein.
Baldrian im Saatbad
Für den Garten beschreibt die Zeitschrift „biodynamisch gärtnern“ (Januar/Februar 2024) ein Saatbad mit Baldrian: einen Tropfen Präparat auf einen Liter Wasser, 10 bis 20 Minuten gerührt, oder einen lauwarm abgekühlten Tee aus Baldrianblüten. Die Samen liegen am Vorabend der Aussaat etwa eine Stunde darin. Genannt werden Sellerie, Porree, Paprika und Peperoni, deren Keimung und Jungpflanzen das stärken soll.
Meerrettichtee und Fladenpräparat
Pierre Masson nennt Meerrettichtee, der Samen im Saatbad vor Auflösung schützt: 300 Gramm Blätter und Wurzeln auf zehn Liter Wasser, unverdünnt verwendet. In Indien und Neuseeland wird das Fladenpräparat (Cow Pat Pit) neben Boden- und Blattspritzung auch als Saatbad eingesetzt.
So geht ein Saatbad im Garten
1. Präparat in lauwarmem Regenwasser rühren, Baldrian 10 bis 20 Minuten, Kompostpräparate oder Hornmist eine Stunde (Dynamisieren). 2. Saatgut in ein Tuchsäckchen oder Sieb geben und etwa eine Stunde einlegen, am Vorabend der Aussaat. 3. Herausnehmen, auf Küchenpapier abtropfen und antrocknen lassen, dann säen. Feines Saatgut zum Säen mit trockenem Sand mischen.
Den Tag der Aussaat wählt man wie sonst nach dem Tagestyp der Pflanze.
Häufige Fragen zum Saatbad
Welches Präparat eignet sich für ein Saatbad?
Belegt sind Baldrian 507, Hornmist, die sechs Kompostpräparate gemeinsam und Meerrettichtee. Für Lein wird Hornmist ausdrücklich nicht genannt.
Wie lange bleibt das Saatgut im Saatbad?
Bei Stegemann und in „biodynamisch gärtnern“ etwa eine Stunde, danach wird es getrocknet oder gleich gesät.
Wie viel Baldrian kommt ins Saatbad?
Ein Tropfen Baldrianpräparat auf einen Liter Wasser, 10 bis 20 Minuten gerührt.