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Kamillenpräparat 503

Das Kamillenpräparat (503) ist ein Kompostpräparat aus Kamillenblüten, die in einem Rinderdarm über Winter reifen. Es verarbeitet nach Steiner das Calcium und hält den Dünger stickstoffbeständig.

Was ist das Kamillenpräparat (503)?

Das Kamillenpräparat (503) ist das zweite der sechs Kompostpräparate. Hergestellt aus den Blütenköpfen der Echten Kamille (Matricaria chamomilla), in einem Rinderdarm gereift, wird es dem Kompost in kleinster Menge zugesetzt. Nach biodynamischem Verständnis verarbeitet es das Calcium und reguliert den Stickstoff — es soll den Dünger „stickstoffbeständiger" machen und vor allem gesündere Pflanzen erzeugen.

Während das Schafgarbenpräparat (502) nach Steiner vorzugsweise im Kaliumprozess wirkt, ist die Kamille auf das Calcium spezialisiert. Beide gehören zum selben Ensemble der Düngerzusätze und werden gemeinsam angewendet. Innerhalb der Reihe ist 503 das Präparat, das den Calciumhaushalt ordnen und „schädliche Fruktifizierungswirkungen" von der Pflanze fernhalten soll.

Die Kamille als Pflanze

Die Echte Kamille ist ein Lichtkeimer und in der Regel einjährig. Verdichtete, verschlämmte Böden bieten ihr beste Keimbedingungen, weil dort Kapillarwasser bis an die Oberfläche steigt. Aus den Keimlingen wächst ein dichter Busch mit gefiederten Blättern und stark verzweigten Trieben, die an den Enden ein gelbes Köpfchen mit weißem Strahlenkranz und dem charakteristischen Duft hervorbringen. Sie blüht vom Frühsommer bis in den Spätsommer und kann massenhaft auftreten. Mit ihrem feinen, ausgebreiteten Wurzelwerk löst sie Verdichtungen auf und bringt Struktur in den Oberboden.

Wichtig ist die Artbestimmung: Verwendet wird die echte Kamille, erkennbar am hohlen Blütenboden und am speziellen, starken Duft — nicht die ähnlich aussehende Gartenkamille, die nach Steiner „nicht zu brauchen" ist. Die an Wegrändern und Bahngeleisen wild wachsende Kamille, die man auch zu Kamillentee verwendet, ist die richtige.

Steiners Charakterisierung im Landwirtschaftlichen Kurs

Im fünften Vortrag des Landwirtschaftlichen Kurses stellte Steiner die Kamille unmittelbar neben die Schafgarbe. Auch sie enthalte Schwefel „in homöopathischer Dosis verteilt", aber „in anderer Quantität, weil sie Kalzium mit verarbeiten muß". Der Unterschied liege im Prozess: „Die Schafgarbe entwickelt vorzugsweise im Kalibildungsprozeß ihre Schwefelkraft … Die Kamille aber verarbeitet das Kalzium dazu", und damit gerade dasjenige, „was im wesentlichen dazu beitragen kann, jene schädlichen Fruktifizierungswirkungen von der Pflanze auszuschließen, die Pflanze gesund zu erhalten".

Anders als bei der Schafgarbe sei für die Kamille „die Blase ziemlich ohne Bedeutung", dagegen „von größerer Bedeutung die Substanz der Darmwände". Daraus leitet sich die Hülle ab: Statt einer Blase verwendet man Därme des Rindviehs. Steiner war überzeugt, dass man damit „einen Dünger bekommt, der erstens wiederum stickstoffbeständiger ist als anderer Dünger", der außerdem „die Erde so [belebt], daß sie in außerordentlich anregender Weise auf das Pflanzenwachstum wirken kann" — und „vor allen Dingen gesündere Pflanzen" hervorbringt.

Warum der Rinderdarm?

Der zwischen Niere und Blase ablaufende Prozess, der beim Schafgarbenpräparat zählt, spielt bei der Kamille keine Rolle. Maßgeblich ist hier die Substanz der Darmwand — das Organ, in dem der Verdauungsprozess am intensivsten mit der aufgenommenen Pflanze in Berührung kommt. Verwendet wird der Dünndarm (Jejunum und Ileum) der Kuh; nach Hinweisen aus der Praxis (Jörg Spranger) eignet sich auch der erste, schneckenförmige Teil des Dickdarms („Grimm-" oder „Kranzdarm"). Das fertige Präparat überwintert im Darm im Boden, rottet an, behält aber seinen charakteristischen Duft.

Herstellung Schritt für Schritt

Därme beschaffen und vorbereiten. Die Därme sollten möglichst aus hofeigener Schlachtung stammen. Da der Schlachttermin selten mit der Verarbeitung zusammenfällt, werden sie ausgedrückt, ungewaschen und nicht gewendet mit der Luftpumpe aufgeblasen, abgebunden, unter Dach oder in der Sonne getrocknet und insektensicher (starker Beutel oder Aluminiumkiste, etwas ätherisches Öl gegen Motten) aufbewahrt. Gefrostet wird nicht.

Kamillenblüten sammeln. Die Blütenköpfe werden im aufblühenden Zustand bei sonnigem Wetter morgens gepflückt, bei größeren Mengen schon zu Blühbeginn (etwa Ende Mai). Bewährt hat sich ein kleiner Pflückrechen („Kamillenkamm"). Die Blüten werden auf einem mit Gaze bespannten Rahmen oder auf Papier im luftigen Schatten getrocknet und in Säckchen bis zum Herbst aufbewahrt.

Stopfen zu „Würsten". Ende September bis Mitte Oktober werden die getrockneten Blüten mit einem Tee aus frischen Kamillenpflanzen oder Blütendroge angefeuchtet und stramm in 20–50 cm lange Darmstücke gestopft — wie bei einer Wurstfüllung, über einen Trichter und ein Stopfrohr. Ein Ende wird vorher abgebunden, am Schluss das andere mit einer Aufhängeschlaufe verschlossen. Die Würste werden einige Tage getrocknet, damit sich die Darmhaut fest schließt; frisch eingegraben verrottet die Hülle zu schnell und lockt Tiere an.

Eingraben über Winter. Auch das Kamillenpräparat wird im Herbst eingegraben und bleibt über Winter im Boden. Steiner legte besonderen Wert auf den Platz: möglichst humusreiche Erde, an einer Stelle, „wo der Schnee liegen bleibt längere Zeit" und die Sonne ihn bescheint — damit „möglichst die kosmisch-astralischen Wirkungen" einwirken. Gegen Mäuse und Füchse dienen Holunder, ein Lattenrost oder zwei mit der Öffnung gegeneinander gelegte Tontöpfe als Schutzhülle.

Bergen im Frühjahr. Um Ostern bis Ende April werden die Würste vorsichtig ausgegraben, die Hülle aufgeschlitzt, der Inhalt herausgeholt, zerbröckelt und im luftigen Schatten schnell getrocknet. Die Hüllenreste mit anhaftenden Kamille- und Erdresten sind selbst noch präparatewirksam und finden in Jauche-, Gülle- oder Komposthaufen Verwendung.

Mengen und Bedarf

Pro Hektar Düngerbedarf rechnet Wistinghausen mit rund 250 g frischen bzw. 25–50 g getrockneten Kamillenblüten. Für einen Betrieb von 20–30 ha genügen etwa 4–5 kg frische oder ½–1 kg getrocknete Blüten und 1–2 m Mitteldarm. Erfahrungsgemäß ist das Kamillenpräparat „immer zu knapp" — es lohnt, reichlich davon herzustellen. Eine fertige Portion misst nur 1–2 cm³.

Wirkung im Kompost

Nach Steiner macht das Kamillenpräparat den Dünger „stickstoffbeständiger als anderer Dünger" und belebt die Erde „in außerordentlich anregender Weise" — vor allem aber erzeuge man damit „gesündere Pflanzen". In der biodynamischen Tradition gilt 503 als das Präparat, das den Calciumhaushalt ordnet und den Rotteprozess stabilisiert. Ehrenfried Pfeiffer ordnete die Kompostpräparate 502–507 insgesamt der Wuchskräftigung der Pflanze zu. Die funktionale Calcium-Zuordnung ist biodynamische Sichtweise, keine chemische Wirkungsanalyse.

Anwendung

Wie die übrigen Kompostpräparate wird 503 als Klümpchen in ein Bohrloch des Komposthaufens eingebracht und gemeinsam mit den anderen fünf (502, 504, 505, 506 und dem flüssigen Baldrian 507) als Serie angewendet. Eine Portion reicht für rund zehn Kubikmeter Dünger. Aufbewahrt wird getrennt, in Torf oder Kokosfaser, kühl und frostfrei (siehe Lagern der Präparate).

Einordnung

Die Kamille ist als Heilpflanze bekannt — im Lexikon geht es jedoch um ihre Rolle im Kompostpräparat, nicht um Heilversprechen für den Menschen. Steiners Begründung (Calcium-Verarbeitung, Schwefel als „Träger des Geistigen", kosmisch-astralische Wirkungen) ist ein referiertes geisteswissenschaftliches Konzept; die Prozess-Zuordnung ist biodynamische Tradition. Für Demeter-Betriebe ist die Anwendung Pflicht (siehe Demeter-Zertifizierung).

Häufige Fragen zum Kamillenpräparat

Woraus besteht das Präparat 503?

Aus Blüten der echten Kamille, gereift in einem Rinderdünndarm, über Winter eingegraben.

Welche Funktion hat Kamille (503) im Kompost?

Es verarbeitet nach biodynamischem Verständnis das Calcium, hält den Stickstoff im Dünger und fördert gesunde Pflanzen.

Welche Kamille wird verwendet?

Die echte Kamille (Matricaria chamomilla), erkennbar am hohlen Blütenboden und am Duft — nicht die Gartenkamille, die Steiner ausdrücklich als unbrauchbar bezeichnete.

Warum ein Rinderdarm statt einer Blase?

Weil nach Steiner bei der Kamille die Substanz der Darmwände entscheidend ist, nicht der Niere-Blase-Prozess. Darum „Würste" aus Rindsdärmen.

Warum ein Platz, an dem der Schnee liegt?

Steiner wollte, dass die kostbaren „Würstchen" lange unter liegendem, sonnenbeschienenem Schnee in humusreicher Erde liegen, damit „die kosmisch-astralischen Wirkungen" möglichst gut einwirken.

Biodynamisches Lexikon