Bodenleben schonen: welche Bearbeitung wann passt
Etwa 20 Minuten zu lesen · mit Verfahrensvergleich, Zeitpunkt-Check und pH-Check
Das Bodenleben macht Nährstoffe verfügbar, baut stabilen Humus auf und hält den Boden krümelig. Jede Bearbeitung greift in diese Lebensgemeinschaft ein, mal kaum, mal tief. Diese Lektion zeigt, wer im Boden lebt, was die Organismen brauchen und wie sich die gängigen Verfahren vom Pflug bis zur Direktsaat auswirken. Dazu kommt, wann ein Eingriff am wenigsten schadet.
Bodenleben in Bildern
Das Nahrungsnetz
Jede Ebene frisst die vorige und gibt Nährstoffe zurück.
Pflanzen und Streu, darunter Zersetzer, ihre Jäger und deren Jäger.
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Wer im Boden lebt
Zur Bodenflora zählen alle nicht-tierischen Lebewesen: Bakterien, Pilze, Algen und Flechten. Sie zersetzen, bilden Humus und Gefüge und setzen Nährstoffe frei. Die Bodenfauna, alle Bodentiere, wird nach Größe eingeteilt.
- Mikrofaunaunter 0,2 mmEinzeller (Protozoen), sehr kleine Fadenwürmer
- Mesofauna0,2 bis 2 mmMilben, Springschwänze, Fadenwürmer, Kleinringelwürmer, Larven
- Makrofauna2 bis 20 mmRegenwürmer, Käfer, Asseln, Schnecken, Tausendfüßer, Spinnen
- Megafaunaüber 20 mmMaulwürfe, Wühlmäuse
Wie viele es sind
Die Bodenlebewesen kommen in sehr unterschiedlicher Zahl vor. Die Achse ist logarithmisch: Jede Linie bedeutet zehnmal so viele.

Werkzeug: Bearbeitung, Zeitpunkt, pH
Vergleiche zwei Verfahren in ihrer Wirkung aufs Bodenleben, prüf, ob der Zeitpunkt passt, und sieh nach, welche Organismen sich bei deinem pH-Wert wohlfühlen.
Verfahren vergleichen
Pflügen
- Tiefe:
- 20–30 cm, wendend · ganze Fläche
- Eingriff ins Bodenleben
- stark, die ganze Krume wird umgebrochen
- Wozu
- Lockern und durchlüften, Ernterückstände einarbeiten, Unkraut und Schädlinge regulieren, Saatbett bereiten
- Typische Kulturen
- Getreide, Mais, Raps, Zuckerrübe; wie viel gepflügt wird, hängt stark an Region und Fruchtfolge
Gut fürs Bodenleben
- Mehr Sauerstoff und ein rasch erwärmter Oberboden regen die Mikroorganismen kurzfristig an; organische Substanz wird schnell abgebaut.
- Eingearbeitete Ernterückstände sind Futter für die Bodenorganismen.
Schlecht fürs Bodenleben
- Lebensräume werden stark gestört und zerstört, vor allem für Regenwürmer, Pilzgeflechte und andere größere Bodentiere.
- Masse und Vielfalt des Bodenlebens gehen zurück, besonders wenn oft gepflügt wird.
- Es kann eine Pflugsohle entstehen, die Durchmischung und Leben in tieferen Schichten auf Dauer bremst.
- Der Boden trocknet leichter aus und erodiert leichter.
Reduzierte, konservierende Bearbeitung
- Tiefe:
- 5–15 cm, nicht wendend · ganze Fläche
- Eingriff ins Bodenleben
- gering bis mittel, flach
- Wozu
- Struktur erhalten, Rückstände und Zwischenfrüchte einarbeiten, Boden schützen
- Typische Kulturen
- Getreide, Soja, Raps, Mais
Gut fürs Bodenleben
- Die Bodenstruktur bleibt, Regenwürmer, Pilze und Mikroorganismen behalten ihre Lebensräume.
- Ernterückstände an der Oberfläche halten die Aktivität hoch.
- Mehr Masse und Vielfalt im Bodenleben als unter dem Pflug.
Schlecht fürs Bodenleben
- Die flache Störung kann empfindliche Organismen treffen.
- Falsch umgesetzt drohen Verdichtung und Verschlämmung in Bearbeitungstiefe.
Passt der Zeitpunkt?
Mit deinem Standort kommen Bodentemperatur und Regen dazu.
Hochzeit des Bodenlebens
Im Frühjahr und Herbst sind Regenwürmer und viele Mikroorganismen besonders aktiv. Eine intensive Bearbeitung zerstört jetzt Lebensräume und kann die Bestände stark dezimieren. Arbeite so schonend und flach wie möglich.
pH-Wert und Bodenleben
Den pH-Wert liefert die Bodenuntersuchung im Labor.
Zwischen pH 6,0 und 7,0 arbeiten viele Bodenlebewesen am wirksamsten.
Bei pH 6,5 in ihrem Optimum: Enchyträen (Kleinringelwürmer), Bakterien, Protozoen (Einzeller), Regenwürmer
Verfahren, Zeitpunkte und pH-Ansprüche nach dem Merkblatt „Bodenleben“ des HumusKlimaNetzes (Juni 2026), pH-Ansprüche dort nach Stöven (2002). Bodentemperatur und Regen: Open-Meteo (CC BY 4.0).
Bodenleben schonen, Schritt für Schritt
Wissen, wer im Boden arbeitet
Zum Bodenleben gehören alle Bakterien, Algen, Pilze, Würmer, Insekten und weitere Kleinstlebewesen im Boden. Sie leben von abgestorbener organischer Substanz und machen dabei nach und nach Nährstoffe für die Pflanzen verfügbar. Ohne sie gäbe es keine natürlichen Nährstoffkreisläufe.
Indem die Organismen Bodenteilchen mit Ton und Humus verkleben, entsteht stabiler Humus und ein stabiles Gefüge. Fachleute nennen das Lebendverbauung. Ein reiches Bodenleben stärkt außerdem die Kulturen gegen Schädlinge und Krankheiten.
Die Bodenflora umfasst die nicht-tierischen Lebewesen: Bakterien, Pilze, Algen und Flechten. Die Bodenfauna, also alle Bodentiere, wird nach Größe eingeteilt: Mikrofauna unter 0,2 Millimetern, Mesofauna von 0,2 bis 2, Makrofauna von 2 bis 20 und Megafauna über 20 Millimeter.
Das Nahrungsnetz verstehen
An der Basis stehen die Pflanzen und das abgestorbene organische Material. Davon leben die Erstverbraucher: Bakterien, Pilze, Regenwürmer, Springschwänze und Fadenwürmer fressen und zersetzen es.
Von ihnen leben Hundertfüßer, Raubmilben, Laufkäfer, Asseln und Spinnen, von diesen wiederum noch größere Tiere. Jede Ebene nimmt Energie und Nährstoffe von der vorigen auf und gibt beim Stoffwechsel Nährstoffe an den Boden zurück.
Jede Bearbeitung verändert die physikalischen, chemischen und biologischen Eigenschaften des Bodens und trifft damit das ganze Netz.
Wer ein Glied stört, trifft das ganze Netz.
Die Wurzelzone kennen
Wurzeln zählen nicht zur Bodenflora, sie gehören zur Pflanze. Der Bereich direkt um sie herum heißt Rhizosphäre. Hier liefern Wurzelausscheidungen Nahrung für Mikroorganismen, und Pflanzen und Bodenleben arbeiten eng zusammen.
Mykorrhizapilze gehen eine Symbiose mit den Wurzeln ein. Das Netz aus Pilz und Pflanze nimmt Wasser und Nährstoffe besser auf, fördert das Wachstum und spart Dünger. Knöllchenbakterien an den Wurzeln von Leguminosen binden Stickstoff aus der Luft. Und die Wurzelausscheidungen füttern Bakterien und Pilze, die ihrerseits Nährstoffe für die Pflanze freisetzen.
Den pH-Wert im Blick behalten
Im leicht sauren bis neutralen Bereich, etwa zwischen pH 6,0 und 7,0, arbeiten viele Bodenlebewesen am wirksamsten.
Die Gruppen haben unterschiedliche Ansprüche. Pilze kommen mit saureren Böden unter pH 5,5 gut zurecht, Bakterien von 6 bis 9, Regenwürmer von 6,5 bis 8,0. Der pH-Check im Werkzeug zeigt, wer bei deinem Wert in seinem Optimum ist.
Feuchte, Temperatur und Bodenart beachten
Bodenorganismen brauchen Wasser für ihren Stoffwechsel. Zu nasser Boden nimmt ihnen dagegen den Sauerstoff. In Trockenphasen hilft es, den Boden vor Verdunstung zu schützen und die Struktur zu erhalten.
Die Bodentemperatur bestimmt das Tempo. Unter etwa 5 °C wird es deutlich langsamer. Sehr heißer, unbewachsener Boden im Hochsommer bremst viele Organismen, besonders bei Trockenheit.
Tonige Böden speichern mehr Wasser und Nährstoffe, haben aber weniger Sauerstoff. Sandige Böden sind luftiger und nährstoffärmer. Bearbeitung und Fruchtwahl richten sich nach diesem Lebensraum.
Das Verfahren wählen
Je tiefer und wendender, desto stärker der Eingriff. Der Pflug wendet die Krume von 20 bis 30 Zentimetern und zerstört dabei vor allem Lebensräume von Regenwürmern und Pilzgeflechten; darunter kann eine Pflugsohle entstehen. Direktsaat öffnet nur die Saatrille und erhält die höchste Masse und Vielfalt im Bodenleben.
Dazwischen liegen Grubber, Eggen, reduzierte Bearbeitung und die Verfahren, die nur Streifen lockern. Nicht wendende und reduzierte Verfahren fördern das Bodenleben in der Regel. Sie bringen aber eigene Aufgaben mit, etwa mehr Unkraut- oder Schädlingsdruck und bei Direktsaat die Verdichtung.
Die Übersicht unter dem Werkzeug zeigt alle Verfahren mit Tiefe, Zielen und Wirkung; im Werkzeug lassen sich zwei davon nebeneinanderlegen.
Nicht wendend und flach schont am meisten.
Die Regenwürmer zählen
Regenwürmer sind ein guter Anzeiger für das Bodenleben, weil ihre Zahl viel über die Lebensbedingungen anderer Organismen verrät. Intensive Bearbeitung mit rotierenden Geräten kann bis zu rund 70 Prozent der Regenwürmer kosten, mittelintensive mit gezogenen Geräten bis zu rund 25 Prozent.
Am stärksten trifft es die Streubewohner an der Oberfläche und die Horizontalgraber im Oberboden. Die Vertikalgraber halten sich im Frühjahr und Herbst im Oberboden auf und ziehen sich im Sommer und Winter in den Unterboden zurück.
Wer vor und nach einer Umstellung zählt, sieht, was die Bearbeitung bewirkt. Wie das geht, zeigt die Lektion zum Regenwurmtest.
Den Zeitpunkt wählen
Im Frühjahr und Herbst sind Regenwürmer und viele Mikroorganismen besonders aktiv. Eine intensive Bearbeitung zerstört jetzt ihre Lebensräume und kann die Bestände stark dezimieren. In dieser Zeit so schonend wie möglich arbeiten.
Im Juli und August ist das Bodenleben am wenigsten aktiv. Muss tiefer oder intensiver bearbeitet werden, dann in diesen Monaten.
Auf nassem Boden wird gar nicht bearbeitet. Es entstehen Verdichtungen und Verschlämmungen, Luft und Wasser kommen kaum noch durch, und die Struktur leidet auf lange Sicht.
Zeitpunkt und Intensität nach dem Bodenleben und der Bodenfeuchte richten.
Den Boden bedeckt halten
Eine möglichst ganzjährige Bedeckung durch Hauptkultur, Zwischenfrucht oder Untersaat ist eine Grundlage für aktives Bodenleben. Sie schützt vor Erosion und Überhitzung, verringert die Verdunstung, fördert die Humusbildung und bietet Lebensraum und Nahrung.
Nach der Ernte deshalb rasch wieder begrünen. Die Auswahl braucht Sorgfalt: In trockenen Jahren kann eine sehr wüchsige Begrünung Bodenwasser zehren, ungeeignete Arten oder ein später Termin können Schnecken, Drahtwürmer, Mäuse oder Virusüberträger fördern. Der Boden soll so wenig wie möglich offen liegen, aber immer passend zu Standort und Fruchtfolge.
Abwägen
Reduzierte Bearbeitung, ein angepasster Zeitpunkt und ganzjährige Bedeckung fördern das Bodenleben, soweit Standort, Kultur und Betrieb es zulassen. Nicht jeder Zielkonflikt lässt sich lösen, und was die Technik verlangt, ist nicht immer das Beste für das Bodenleben.
Wer beides im Blick behält, Bodenleben und Technik, sorgt für stabile Nährstoffkreisläufe, gute Durchwurzelung und Humus auf lange Sicht.
Die Verfahren im Überblick
Von der tiefsten zur schonendsten Bearbeitung. Nicht wendende und reduzierte Verfahren fördern das Bodenleben in der Regel. Wie stark, hängt an Standort, Klima, Fruchtfolge und Management, und nicht jede Organismengruppe profitiert gleich.
Pflügen
20–30 cm, wendendganze Flächestark, die ganze Krume wird umgebrochen- Wozu
- Lockern und durchlüften, Ernterückstände einarbeiten, Unkraut und Schädlinge regulieren, Saatbett bereiten
- Typische Kulturen
- Getreide, Mais, Raps, Zuckerrübe; wie viel gepflügt wird, hängt stark an Region und Fruchtfolge
- Gut fürs Bodenleben
- Mehr Sauerstoff und ein rasch erwärmter Oberboden regen die Mikroorganismen kurzfristig an; organische Substanz wird schnell abgebaut.
- Eingearbeitete Ernterückstände sind Futter für die Bodenorganismen.
- Schlecht fürs Bodenleben
- Lebensräume werden stark gestört und zerstört, vor allem für Regenwürmer, Pilzgeflechte und andere größere Bodentiere.
- Masse und Vielfalt des Bodenlebens gehen zurück, besonders wenn oft gepflügt wird.
- Es kann eine Pflugsohle entstehen, die Durchmischung und Leben in tieferen Schichten auf Dauer bremst.
- Der Boden trocknet leichter aus und erodiert leichter.
Tiefenlockerung
30–50 cm, nicht wendendganze Flächemittel, punktuell- Wozu
- Verdichtungen aufbrechen, tieferes Wurzelwachstum ermöglichen
- Typische Kulturen
- Getreide, Mais, Kartoffel, Rüben
- Gut fürs Bodenleben
- Gelockerte Verdichtungen verbessern Luft- und Wasserhaushalt und bringen Leben in tiefere Schichten.
- Wurzeln dringen tiefer ein und ziehen das Bodenleben mit.
- Die Gemeinschaften nahe der Oberfläche werden weniger gestört als beim Pflug.
- Schlecht fürs Bodenleben
- Tiefe Strukturen wie Gänge werden zerstört, tief lebende Bodentiere kurzfristig gestört.
- Ohne anschließende Lebendverbauung, also ohne Wurzeln und Bodenleben, die den gelockerten Boden festigen, droht erneute Verdichtung.
Reduzierte, konservierende Bearbeitung
5–15 cm, nicht wendendganze Flächegering bis mittel, flach- Wozu
- Struktur erhalten, Rückstände und Zwischenfrüchte einarbeiten, Boden schützen
- Typische Kulturen
- Getreide, Soja, Raps, Mais
- Gut fürs Bodenleben
- Die Bodenstruktur bleibt, Regenwürmer, Pilze und Mikroorganismen behalten ihre Lebensräume.
- Ernterückstände an der Oberfläche halten die Aktivität hoch.
- Mehr Masse und Vielfalt im Bodenleben als unter dem Pflug.
- Schlecht fürs Bodenleben
- Die flache Störung kann empfindliche Organismen treffen.
- Falsch umgesetzt drohen Verdichtung und Verschlämmung in Bearbeitungstiefe.
Strip-Till (Streifenbearbeitung)
15–30 cm, nur im Saatstreifennur Streifensehr gering, punktuell- Wozu
- Saatbett bereiten, gezielt lockern, Dünger als Depot ablegen
- Typische Kulturen
- Mais, Zuckerrübe
- Gut fürs Bodenleben
- Zwischen den Reihen bleibt das Bodenleben fast ungestört; Makro- und Mikrofauna bleiben auf dem größten Teil des Feldes erhalten.
- Im unbearbeiteten Zwischenraum gedeihen Regenwürmer, Pilze, Mikro- und Mesofauna.
- Schlecht fürs Bodenleben
- Im Saatstreifen werden Pilzgeflechte und Bodenkanäle örtlich unterbrochen.
No-Till (Direktsaat)
0–5 cm, nur die Saatrillenur Saatrilleminimal- Wozu
- Boden schonen und schützen
- Typische Kulturen
- Getreide, Soja, Raps, Mais
- Gut fürs Bodenleben
- Struktur und Lebensräume bleiben so weit wie möglich erhalten.
- Regenwürmer, Pilze, Mikro- und Mesofauna werden gefördert.
- Die höchste Masse und Vielfalt im Bodenleben, vor allem in den oberen Schichten.
- Schlecht fürs Bodenleben
- Ernterückstände werden langsamer umgesetzt; das kann bestimmte Zersetzer bremsen.
- Ohne vielfältige Fruchtfolge können sich Krankheitserreger und Schädlinge anreichern.
- Der Boden verdichtet leichter, das kann die Lebensbedingungen verschlechtern.
Eggen
3–10 cm, flach, nicht wendendganze Flächegering, flach- Wozu
- Saatbett bereiten, Unkraut regulieren
- Typische Kulturen
- nach Pflug oder Grubber, in allen Kulturen
- Gut fürs Bodenleben
- Tiefere Schichten bleiben ungestört, ihre Lebensräume erhalten.
- Schlecht fürs Bodenleben
- Organismen nahe der Oberfläche werden gestört und verletzt, vor allem Springschwänze, Milben und Insektenlarven.
- Häufiges Eggen kann die Humusdecke und die kleinen Lebensräume an der Oberfläche beeinträchtigen.
Grubbern
5–20 cm, flach bis mittel, nicht wendendganze Flächegering bis mittel- Wozu
- Saatbett, Stoppelbearbeitung, lockern, Unkraut regulieren
- Typische Kulturen
- nach der Ernte und vor der Aussaat, in allen Kulturen
- Gut fürs Bodenleben
- Eingearbeitete Ernterückstände geben den Bodenorganismen Nahrung.
- Weniger Störung als der Pflug; in tieferen Schichten bleibt das Bodenleben erhalten.
- Schlecht fürs Bodenleben
- Organismen nahe der Oberfläche werden gestört, Lebensräume können verloren gehen.
- In Bearbeitungstiefe kann sich eine Verdichtung bilden, die die Aktivität hemmt.
Kreiselegge, Scheibenegge
3–10 cm, flach, nicht wendendganze Flächemittel- Wozu
- Saatbett bereiten, fein krümeln, rückverfestigen
- Typische Kulturen
- vor allem auf schweren Böden, in allen Kulturen
- Gut fürs Bodenleben
- Die feine Krümelung durchlüftet und regt Mikroorganismen kurzfristig an.
- Die Rückverfestigung schafft gute Lebensbedingungen für das Bodenleben.
- Schlecht fürs Bodenleben
- Organismen nahe der Oberfläche werden kurzfristig gestört.
- Zu häufig oder falsch eingesetzt, leidet die Mikrofauna.
Dammkultur
variabel, meist 15–30 cm, als DammDammmittel, schont die Struktur- Wozu
- Durchlüftung, Spezialkulturen
- Typische Kulturen
- Gemüse, Kartoffeln
- Gut fürs Bodenleben
- Bessere Durchlüftung und Wasserführung fördern das Bodenleben.
- Das Kleinklima im Damm kann Aktivität und Vielfalt steigern.
- Schlecht fürs Bodenleben
- Beim Dammziehen werden Lebensräume gestört, vor allem für Regenwürmer, Pilzgeflechte und andere größere Bodentiere.
- Trocknet der Damm stark aus oder verschlämmt er, sinkt die Aktivität.
Streifenlockerung
15–30 cm, nur in Streifennur Streifenmittel, punktuell- Wozu
- Lockern unter der Saatreihe
- Typische Kulturen
- Spezialkulturen, Gemüse, Mais
- Gut fürs Bodenleben
- Unter der Saatreihe wachsen Wurzeln besser, Durchlüftung und Aktivität steigen.
- Im Zwischenraum bleibt das Bodenleben nahezu ungestört.
- Schlecht fürs Bodenleben
- Mykorrhiza und Bodenkanäle werden im Bearbeitungsstreifen örtlich unterbrochen.
Was Geräte mit den Regenwürmern machen
Regenwürmer zeigen gut, wie es dem Bodenleben insgesamt geht. Wie viele eine Bearbeitung kostet, hängt an der Intensität.
Intensive Bearbeitung, rotierende Geräte
−70 %
bis rund 70 % weniger Regenwürmer
Mittelintensive Bearbeitung, gezogene Geräte
−25 %
bis rund 25 % weniger Regenwürmer
- Streubewohner leben in der Streu an der Oberfläche und werden von jeder Bearbeitung getroffen
- Horizontalgraber graben waagrechte Gänge im Oberboden, wo rotierende Geräte arbeiten
- Vertikalgraber graben tiefe, senkrechte Röhren; im Frühjahr und Herbst sitzen sie im Oberboden, im Sommer und Winter tiefer
Wann das Bodenleben aktiv ist
Im Frühjahr und Herbst ist am meisten los, im Juli und August am wenigsten.
- Jan
- Feb
- Mär
- Apr
- Mai
- Jun
- Jul
- Aug
- Sep
- Okt
- Nov
- Dez
besonders aktiv, schonend arbeitenam wenigsten aktiv, Zeit für tiefe Eingriffe
Was dem Bodenleben schadet
- Bearbeiten, solange der Boden nass ist: Verdichtung und Verschlämmung folgen.
- Tief und wendend arbeiten, wenn das Bodenleben im Frühjahr oder Herbst am aktivsten ist.
- Den Boden nach der Ernte lange offen liegen lassen.
- Direktsaat ohne vielfältige Fruchtfolge.
- Tief lockern und danach nichts wachsen lassen, das den Boden wieder verbaut.
- In trockenen Jahren eine sehr wüchsige Zwischenfrucht, die das Bodenwasser aufzehrt.
Selbstprüfung
1.Warum zählen Pflanzenwurzeln nicht zur Bodenflora?
Sie gehören zur Pflanze. Der Bereich um sie herum heißt Rhizosphäre; dort ernähren Wurzelausscheidungen Bakterien und Pilze.
2.In welchem pH-Bereich arbeiten viele Bodenlebewesen am wirksamsten?
Leicht sauer bis neutral, etwa pH 6,0 bis 7,0. Pilze kommen auch mit saureren Böden unter pH 5,5 zurecht.
3.Eine Verdichtung muss tief gelockert werden. Wann ist der beste Zeitpunkt?
Im Juli oder August, wenn das Bodenleben am wenigsten aktiv ist, und nur auf abgetrocknetem Boden. Danach begrünen, damit Wurzeln und Bodenleben die Lockerung festigen.
4.Wie viele Regenwürmer kann eine Bearbeitung kosten?
Mit rotierenden Geräten bis zu rund 70 Prozent, mit gezogenen Geräten bis zu rund 25 Prozent.
5.Welche Verfahren schonen das Bodenleben am meisten?
Direktsaat und Strip-Till. Bei der Direktsaat wird nur die Saatrille geöffnet, beim Strip-Till nur der Saatstreifen; dazwischen bleibt das Bodenleben fast ungestört.
Häufige Fragen zu Bodenleben und Bodenbearbeitung
Was versteht man unter Bodenleben?
Alle Lebewesen im Boden: Bakterien, Pilze, Algen und Flechten als Bodenflora, dazu die Bodentiere vom Einzeller bis zum Maulwurf. Sie zersetzen organisches Material, machen Nährstoffe verfügbar und bauen Humus und Gefüge auf.
Welche Bodenbearbeitung schont das Bodenleben?
Nicht wendende, flache und reduzierte Verfahren, am meisten Direktsaat und Strip-Till. Der Pflug greift am stärksten ein.
Schadet Pflügen den Regenwürmern?
Ja, der Pflug zerstört vor allem ihre Lebensräume und die Pilzgeflechte. Rotierende Geräte können bis zu rund 70 Prozent der Regenwürmer kosten, gezogene bis zu rund 25 Prozent.
Welcher pH-Wert ist gut für das Bodenleben?
Leicht sauer bis neutral, etwa pH 6,0 bis 7,0. Regenwürmer fühlen sich von 6,5 bis 8,0 wohl, Bakterien von 6 bis 9, Pilze auch unter 5,5.
Wann sollte man den Boden bearbeiten?
Tiefe oder intensive Eingriffe im Juli oder August, wenn das Bodenleben am wenigsten aktiv ist. Im Frühjahr und Herbst schonend arbeiten. Nasser Boden wird nicht bearbeitet.
Warum ist eine Bodenbedeckung so wichtig?
Sie schützt vor Erosion und Überhitzung, verringert die Verdunstung, fördert die Humusbildung und gibt dem Bodenleben Nahrung und Lebensraum. Nach der Ernte deshalb rasch wieder begrünen.
Worauf diese Lektion steht
Auf dem Praxismerkblatt „Einfluss der Bodenbearbeitung auf das Bodenleben in Ackerböden“ aus der Reihe HumusPraxisWissen des HumusKlimaNetzes (Juni 2026), verfasst von Christian Bauer und Jonathan Krink. Die pH-Ansprüche der Organismengruppen gibt das Merkblatt nach Kirsten Stöven (2002) wieder, die Regenwurmverluste nach den „Grundlagen zur Bodenfruchtbarkeit“ (2013) von Bio Austria, Bio Suisse, Bioland, Demeter, FiBL, IBLA und Naturland. Die Grafik zur Häufigkeit stammt aus dem Bodenatlas 2024 der Heinrich-Böll-Stiftung und steht unter CC BY 4.0.
- HumusKlimaNetz ↗
- Bodenatlas 2024 der Heinrich-Böll-Stiftung ↗
- Lizenz CC BY 4.0 ↗
- Bodenleben (Edaphon) in der Wikipedia ↗
- Mykorrhiza in der Wikipedia ↗
Fundstellen
- HumusKlimaNetz: Einfluss der Bodenbearbeitung auf das Bodenleben in Ackerböden. Praxismerkblatt, HumusPraxisWissen, Juni 2026 (Christian Bauer, Jonathan Krink)
- Bodenfauna nach Größe: Mikrofauna unter 0,2 mm, Mesofauna 0,2 bis 2 mm, Makrofauna 2 bis 20 mm, Megafauna über 20 mm. (Seite 3, Kapitel 2)
- Optimaler pH-Wert für ein aktives Bodenleben etwa 6,0 bis 7,0. (Seite 4, Kapitel 3)
- Unter etwa 5 °C verlangsamt sich die Aktivität von Bodenflora und -fauna deutlich. (Seite 4, Kapitel 3)
- Bearbeitungstiefen: Pflügen 20 bis 30 cm wendend, Tiefenlockerung 30 bis 50 cm, reduzierte Bearbeitung 5 bis 15 cm, Strip-Till 15 bis 30 cm im Saatstreifen, No-Till 0 bis 5 cm, Eggen 3 bis 10 cm, Grubbern 5 bis 20 cm, Kreisel- und Scheibenegge 3 bis 10 cm, Dammkultur meist 15 bis 30 cm, Streifenlockerung 15 bis 30 cm. (Seiten 5 bis 7, Tabelle der Verfahren)
- Frühjahr und Herbst: Bodenleben besonders aktiv, schonend arbeiten; Juli und August: geringste Aktivität, tiefere Eingriffe dann; bei Nässe nicht bearbeiten. (Seite 8, Kapitel 5)
- Möglichst ganzjährige Bodenbedeckung; nach der Ernte rasch begrünen; Risiken durch zu wüchsige oder ungeeignete Begrünung. (Seite 9, Kapitel 6)
- Heinrich-Böll-Stiftung u. a.: Bodenatlas 2024, Grafik „Coworking-Space“ (Eimermacher/Stockmar+Walter), CC BY 4.0
- Zahl ausgewählter Lebewesen im obersten Kubikmeter eines Bodens, von Bakterien bis Asseln. (Grafik „Coworking-Space“, im Merkblatt Abbildung 2)
- Kirsten Stöven, 2002: pH-Ansprüche von Bodenorganismen, nach der Darstellung im Merkblatt des HumusKlimaNetzes
- pH-Optimum: Bakterien 6 bis 9, Pilze unter 5,5, Protozoen 6,5 bis 7,5, Enchyträen 5,5 bis 7,5, Regenwürmer 6,5 bis 8,0. (Abbildung 4 im Merkblatt des HumusKlimaNetzes, Seite 4)
- Bio Austria, Bio Suisse, Bioland, Demeter, FiBL, IBLA, Naturland: Grundlagen zur Bodenfruchtbarkeit, 2013
- Regenwurmverluste bei intensiver Bearbeitung mit rotierenden Geräten bis zirka 70 %, bei mittelintensiver mit gezogenen Geräten bis zirka 25 %; Streubewohner, Horizontalgraber, Vertikalgraber. (Abbildung 5 im Merkblatt des HumusKlimaNetzes, Seite 8)