Der Regenwurmtest mit Senfmehl
Etwa zwölf Minuten zu lesen · der Test dauert eine halbe Stunde, die Lösung braucht eine Stunde Vorlauf
Der Regenwurmtest zeigt in einer halben Stunde, wie lebendig dein Boden ist. Eine Senflösung treibt die Regenwürmer auf einem abgesteckten halben Quadratmeter an die Oberfläche, du zählst sie und rechnest auf den Quadratmeter hoch. Wer jedes Frühjahr oder jeden Herbst misst, sieht, wie sich Bearbeitung, Kompost und Bodenbedeckung auf das Bodenleben auswirken.

Der Regenwurmtest in Bildern
Vorbereiten
Die Senflösung eine Stunde vor dem Test ansetzen.
30 Gramm braunes Senfmehl in zehn Liter Wasser, höchstens 24 Stunden vorher.
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Was du brauchst
- Braunes Senfmehl, 30 Gramm je Teststelle, dazu eine Küchenwaage und einen Löffel
- Zehn Liter Wasser je Teststelle und eine Gießkanne mit Brause
- Zwei Zollstöcke für den Rahmen
- Eine Schale oder einen Eimer mit kaltem Wasser für die Würmer
- Eine Schere, wenn der Bewuchs hoch steht
- Eine Uhr zum Stoppen, das Werkzeug unten hat eine
- Wenn vorhanden: ein Bodenthermometer
Wann der Test gelingt
Im Frühjahr und im Herbst arbeiten die Würmer nah an der Oberfläche. Im Sommer und im Winter ruhen sie in der Tiefe, die Lösung erreicht sie dann nicht.
- Jan
- Feb
- Mär
- Apr
- Mai
- Jun
- Jul
- Aug
- Sep
- Okt
- Nov
- Dez
Bodentemperatur
Werkzeug: dein Regenwurmtest
Erst prüfen, ob der Tag passt, dann die Lösung ansetzen und die halbe Stunde stoppen, zum Schluss zählen und einordnen. Deine Ergebnisse bleiben in diesem Browser gespeichert.
Passt heute?
Mit deinem Standort zeigt das Werkzeug die Bodentemperatur für heute und die kommende Woche. Ohne Standort hilft ein Bodenthermometer.
Ansetzen und beobachten
Das setzt du an · 1 Stelle
30 gbraunes Senfmehl
10 lWasser
Je Stelle eine eigene Portion, 30 g in 10 l. Mindestens eine Stunde einweichen lassen, höchstens 24 Stunden vorher ansetzen.
Die halbe Stunde
Starte die Uhr, sobald die Lösung ausgegossen ist.
Zählen und einordnen
Zu erwarten auf dieser Bodenart: mittel bis hoch.
Dein Ergebnis
–
Bodentemperatur, Bodenfeuchte und Regen: Open-Meteo (CC BY 4.0). Einstufung nach dem HumusKlimaNetz, abgeleitet aus LfL Bayern (2019) und Umweltbundesamt (2007).
Der Regenwurmtest Schritt für Schritt
Den richtigen Tag wählen
Regenwürmer können ihre Körpertemperatur nicht selbst regeln. Wird der Boden kalt, heiß oder trocken, ziehen sie sich in die Tiefe zurück, und die Senflösung erreicht sie nicht mehr. Im Winter liegen sie starr in frostfreien Schichten, im Sommer halten sie eine Ruhe gegen Hitze und Austrocknung.
Gut zählen lässt es sich im Frühjahr, von März bis Mai, und im Herbst, von September bis November. Der Boden sollte 10 bis 15 °C warm und ausreichend feucht sein. Das Werkzeug zeigt die Bodentemperatur an deinem Ort für die kommende Woche.
Kein Test bei Frost, Hitze oder Trockenheit.
Die Senflösung ansetzen
30 Gramm braunes Senfmehl abwiegen und in zehn Liter Wasser einrühren, bis keine Klumpen mehr schwimmen. Das Mehl braucht mindestens eine Stunde zum Einweichen. Älter als 24 Stunden sollte die Lösung nicht werden, frisch angesetzt wirkt sie am stärksten.
Jede Teststelle bekommt eine eigene Portion. Das Werkzeug rechnet die Menge für mehrere Stellen aus.
Einen halben Quadratmeter abstecken
Mit zwei Zollstöcken ein Rechteck von 100 mal 50 Zentimetern auf den Boden legen. Steht der Bewuchs hoch, mit der Schere kürzen, damit du später jeden Wurm siehst.
Bei jeder Wiederholung ein Stück daneben gehen. Genau dieselbe Stelle verfälscht das Ergebnis.
Die Lösung ausgießen
Die Lösung in die Gießkanne mit Brause füllen und gleichmäßig über die abgesteckte Fläche verteilen. In mehreren Gaben gießen und dazwischen versickern lassen, damit nichts über den Rand läuft. So zieht die Lösung in die Gänge der Würmer.
Das Senfmehl setzt die Löcher der Brause zu. Die Kanne zwischendurch schütteln.
Eine halbe Stunde beobachten
Die Schale mit kaltem Wasser bereitstellen und die Uhr starten. Der scharfe Senf reizt die Würmer, sie kriechen aus ihren Gängen an die Oberfläche. Die ersten erscheinen oft nach wenigen Minuten, auch Tiefgräber aus den unteren Schichten: sehr groß, bis 45 Zentimeter lang, rotbraun, mit dunklem Kopf.
Einen Wurm erst einsammeln, wenn er ganz aus seinem Gang heraus ist. Wird er gezogen, solange er noch halb im Boden steckt, zieht er sich zurück und kommt oft nicht wieder.
Warten, bis der Wurm ganz draußen ist.
Zählen und hochrechnen
Die Würmer in der Schale vom Senf abspülen und zählen. Die Zahl mal zwei ergibt die Regenwürmer je Quadratmeter, denn die Fläche misst einen halben Quadratmeter.
Danach die Würmer an eine schattige, geschützte Stelle setzen.
Einordnen und wiederholen
Die Zahl je Quadratmeter zuerst mit dem allgemeinen Maßstab vergleichen, dann mit dem, was auf deiner Bodenart zu erwarten ist. Sandböden tragen von Natur aus weniger Würmer als Lehm und Ton.
Ein Test im Jahr, im Frühjahr oder im Herbst, zeigt die Richtung. Wer im Frühjahr und im Herbst misst, erkennt die Schwankung über das Jahr und sieht deutlicher, was eine Änderung in der Bewirtschaftung bewirkt.
Jedes Jahr zur selben Jahreszeit messen, dann lassen sich die Zahlen vergleichen.
Was die Zahl bedeutet
Der allgemeine Maßstab für Regenwürmer je Quadratmeter, extreme Standorte ausgenommen. Danach ordnest du dein Ergebnis mit der Tafel für deine Bodenart ein.
- 0 bis 10sehr gering
Kaum Würmer. Das deutet auf ein Problem im Boden oder in der Bewirtschaftung: Verdichtung, Mangel an Luft, zu wenig organische Substanz als Nahrung, ein zu saurer Boden, Bearbeitung zur falschen Zeit oder zu oft.Was du tun kannst: Verdichtung lockern, organische Substanz zuführen (Mist, Kompost, Zwischenfrüchte), den pH-Wert prüfen und einstellen, den Boden nie bei Nässe bearbeiten.
- über 10 bis 50gering
Wenige Würmer, aber eine Grundlage, die wachsen kann. Je mehr Würmer schon da sind, desto schneller vermehren sie sich. Die Ursachen sind dieselben wie bei sehr geringem Besatz.Was du tun kannst: Mehr organisches Material zuführen, die Bearbeitung anpassen, etwa mit Mulchsaat, den Boden ständig bedeckt halten, die Fruchtfolge vielfältig machen.
- über 50 bis 100mittel
Eine gute Ausgangslage. Die Würmer finden Nahrung und gute Bedingungen und können sich weiter vermehren.Was du tun kannst: Die Bewirtschaftung beibehalten, regelmäßig organische Substanz zuführen, abwechslungsreich anbauen und dem Boden Ruhe gönnen. Dazu die Tiefgräber fördern, die bis zwei Meter tief arbeiten: wenig Bearbeitung, dauerhafte Bedeckung, genug organische Substanz, keine Verdichtung, ein ausgeglichener pH-Wert.
- über 100 bis 200hoch
Der Boden ist in gutem Zustand, und die Würmer leben gut darin.Was du tun kannst: Weitermachen wie bisher, den Humusgehalt weiter erhöhen, die Vielfalt fördern und regelmäßig messen.
- über 200 bis 400sehr hoch
Ein hervorragender, fruchtbarer Boden. Die Zahl spricht für eine Bewirtschaftung, die Humus aufbaut.Was du tun kannst: Weitermachen wie bisher, die Vielfalt erhalten, die Erfahrung weitergeben.
- über 400äußerst hoch
Solche Zahlen sind typisch für Dauergrünland. Auf dem Acker kommen sie selten vor.Was du tun kannst: Dem Boden dauerhaft Ruhe lassen, die Vielfalt erhalten, die Erfahrung weitergeben.
Was auf deiner Bodenart zu erwarten ist
Wie viele Würmer ein Boden tragen kann, hängt stark an der Bodenart. Auf sehr sandigem Boden ist schon eine kleine Zahl ein gutes Ergebnis.
- Reiner Sand, Grundwasser tiefer als 1 mZu erwarten: sehr geringHält wenig Wasser und bietet wenig Nahrung.
- Reiner Sand, Grundwasser höher als 1 mZu erwarten: gering bis mittelDas Grundwasser hält den Boden feuchter. Wenig Nahrung und ein loses Gefüge begrenzen den Bestand trotzdem.
- Schluffiger Sand (Su2, Su3)Zu erwarten: gering bis mittelMehr Feinanteile, mehr Wasser im Boden, solange er nicht stark verdichtet ist.
- Schwach lehmiger Sand (Sl2)Zu erwarten: mittel bis hochAusgewogene Körnung, hält Wasser und Nährstoffe besser.
- Mittel bis stark lehmiger Sand (Sl3, Sl4)Zu erwarten: mittel bis hochGute Versorgung mit Wasser und Nährstoffen. Wenig Luft im Boden kann die Tiefgräber bremsen.
- Lehm und Ton (Ls4, Lt2, Lt3, Tu2)Zu erwarten: hoch bis sehr hochHalten Wasser und Nährstoffe gut und haben meist viel organische Substanz. Örtliche Verdichtung kann verschieben, welche Arten vorkommen.
Woran der Test hakt
- Kalter, heißer oder trockener Boden: Die Würmer sitzen zu tief, die Zahl fällt zu niedrig aus.
- Lösung zu alt oder zu kurz eingeweicht: Sie reizt schwächer.
- Zu schnell gegossen: Die Lösung läuft über den Rand der Fläche.
- Würmer zu früh gezogen: Sie verschwinden wieder im Gang.
- Immer genau dieselbe Stelle: Das Ergebnis wird verfälscht.
Selbstprüfung
1.Warum gießt du die Lösung in mehreren Gaben?
Damit sie in den Boden und in die Gänge der Würmer sickert und nicht über den Rand der Fläche läuft.
2.Du hast auf dem halben Quadratmeter 37 Würmer gezählt. Wie viele sind es je Quadratmeter, und wie stuft man das ein?
74 je Quadratmeter. Das liegt über 50 und bis 100, also „mittel“: eine gute Grundlage, auf der die Würmer sich weiter vermehren können.
3.Bei welcher Bodentemperatur gelingt der Test am besten?
Zwischen 10 und 15 °C, bei ausreichend feuchtem Boden. Im Frühjahr und im Herbst trifft man das am ehesten.
4.Auf reinem Sand, weit über dem Grundwasser, findest du wenige Würmer. Ein schlechtes Zeichen?
Nicht unbedingt. Solche Böden halten wenig Wasser und bieten wenig Nahrung, dort sind von Natur aus sehr geringe Zahlen zu erwarten.
Häufige Fragen zum Regenwurmtest
Wie funktioniert der Regenwurmtest mit Senf?
Senfmehl wird in Wasser gelöst und auf einen abgesteckten halben Quadratmeter gegossen. Der scharfe Senf reizt die Regenwürmer, und sie kommen innerhalb einer halben Stunde an die Oberfläche, auch die Tiefgräber aus den unteren Schichten. Man sammelt sie, zählt sie und nimmt die Zahl mal zwei.
Wie viele Regenwürmer je Quadratmeter sind gut?
Über 50 bis 100 je Quadratmeter gelten als mittlerer Besatz, über 100 bis 200 als hoher. Mehr als 400 kommen meist nur unter Dauergrünland vor. Die Bodenart verschiebt den Maßstab: Sand trägt weniger Würmer, Lehm und Ton tragen mehr.
Wann ist die beste Zeit für den Regenwurmtest?
Im Frühjahr und im Herbst, wenn der Boden 10 bis 15 °C warm und feucht ist. Im Sommer und im Winter ziehen sich die Würmer in die Tiefe zurück.
Wie viel Senfmehl brauche ich?
30 Gramm braunes Senfmehl auf zehn Liter Wasser, für jede Teststelle eine Portion. Mindestens eine Stunde einweichen lassen und nicht länger als 24 Stunden stehen lassen.
Was passiert mit den Würmern?
Sie kommen gleich in eine Schale mit kaltem Wasser, das den Senf abspült. Nach dem Zählen werden sie an einer schattigen, geschützten Stelle freigelassen.
Was tun, wenn ich wenige Würmer finde?
Mehr organisches Material auf und in den Boden bringen, etwa Mist, Kompost oder Zwischenfrüchte. Den Boden möglichst bedeckt halten, schonend und nie bei Nässe bearbeiten, vielfältig anbauen, den pH-Wert prüfen und Verdichtungen lockern.
Worauf diese Lektion steht
Auf dem Praxismerkblatt „Anleitung zum Regenwurmtest“ aus der Reihe HumusPraxisWissen des HumusKlimaNetzes (April 2026), verfasst von Marlene Gerken und Jonathan Krink. Im HumusKlimaNetz erproben 150 ökologisch und konventionell wirtschaftende Betriebe Maßnahmen zum Humusaufbau, koordiniert vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft und dem Deutschen Bauernverband, wissenschaftlich begleitet vom Thünen-Institut. Die Einstufungen stammen aus dem Merkblatt „Regenwürmer in bayerischen Ackerböden“ der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft und aus der bodenbiologischen Bewertung von Dauerbeobachtungsflächen des Umweltbundesamts.
- HumusKlimaNetz ↗
- Merkblatt „Regenwürmer in bayerischen Ackerböden“ (LfL Bayern, PDF) ↗
- Bodenbiologische Bewertung anhand von Lumbriciden (Umweltbundesamt, PDF) ↗
- HumusKlimaNetz beim Thünen-Institut ↗
- Regenwürmer in der Wikipedia ↗
Fundstellen
- HumusKlimaNetz: Anleitung zum Regenwurmtest. HumusPraxisWissen, April 2026 (Marlene Gerken, Jonathan Krink)
- Senflösung: 30 Gramm braunes Senfmehl in 10 Liter Wasser, mindestens eine Stunde eingeweicht, höchstens 24 Stunden vor dem Test angesetzt. (Seite 3, Vorbereitungen und Materialien)
- Bodentemperatur 10 bis 15 °C bei ausreichender Bodenfeuchte; Frühjahr (März bis Mai) und Herbst (September bis November). (Seite 3, Durchführungszeitpunkt)
- Teststelle ein halber Quadratmeter, 100 × 50 cm, mit 2 Zollstöcken abgesteckt; 30 Minuten beobachten; gezählte Würmer mal 2 ergibt Regenwürmer je m². (Seite 4, Durchführung)
- Tiefgräber: sehr groß, bis 45 cm lang, rotbraun, dunkler Kopf; aktiv bis 2 m Tiefe. (Seite 5, Abbildung 4; Seite 6, Tabelle 1)
- Einstufung je m²: 0 bis 10 sehr gering, über 10 bis 50 gering, über 50 bis 100 mittel, über 100 bis 200 hoch, über 200 bis 400 sehr hoch, über 400 äußerst hoch. (Seite 6, Tabelle 1)
- Zu erwartender Besatz nach Bodenart. (Seite 7, Tabelle 2)
- Walter, R. und Burmeister, J.: Regenwürmer in bayerischen Ackerböden. Merkblatt, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, 2019
- Grundlage der Einstufung je m² (Tabelle 1 des HumusKlimaNetzes). (gesamtes Merkblatt)
- Umweltbundesamt (Hrsg.): Bodenbiologische Bewertung von Boden-Dauerbeobachtungsflächen anhand von Lumbriciden, 2007
- Grundlage der Einstufung je m² und der Erwartung nach Bodenart (Tabellen 1 und 2 des HumusKlimaNetzes). (Workshopbericht Weimar 2006)