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Praxis · Boden

Humusgehalt messen und richtig einordnen

Etwa 15 Minuten zu lesen · mit Rechner für Probenplan, Einordnung und Kohlenstoffvorrat

Wie viel Humus ein Boden enthält, zeigt eine Laborprobe auf organischen Kohlenstoff. Diese Lektion führt durch die Probenahme, erklärt die Messwerte und ordnet dein Ergebnis mit den standorttypischen Spannen des Thünen-Instituts ein. Wer nach einigen Jahren wieder misst, sieht, ob der Humus steigt, hält oder sinkt.

Die Humusmessung in Bildern

C58 %

Was gemessen wird

Das Labor misst den organischen Kohlenstoff.

Humus besteht zu rund 58 Prozent aus Kohlenstoff. Mal 1,724 ergibt den Humusgehalt.

Was du brauchst

  • Einen Bohrstock für Proben bis 30 Zentimeter Tiefe
  • Einen sauberen Eimer zum Mischen und Beutel für die Mischproben
  • Ein Handy oder GPS-Gerät, um jede Einstichstelle festzuhalten
  • Für den Kohlenstoffvorrat zusätzlich einen Stechzylinder und ein 2-Millimeter-Sieb
  • Ein Labor, das nach DIN EN ISO/IEC 17025 akkreditiert ist

Werkzeug: deine Humusmessung

Erst die Proben planen, dann das Laborergebnis für deinen Standort einordnen, zum Schluss den Kohlenstoffvorrat rechnen. Deine Ergebnisse bleiben in diesem Browser gespeichert.

Proben planen

Der Boden auf dem Schlag ist …

Gut geeignet sind das Frühjahr vor Vegetationsbeginn und Düngung oder der Herbst nach der Ernte, mit mindestens sechs Wochen Abstand.

Rastermethode

4Mischproben

60Einstiche

4Proben für die Dichte

Teil den Schlag in Teilflächen von etwa einem Hektar. Auf jeder verteilst du mindestens 15 Einstiche gleichmäßig und mischst sie zu einer Probe.

  • 10 m Abstand zum Rand und Vorgewende
  • rund 25 m zwischen den Punkten

Ergebnis einordnen

Dein Laborwert
%

Texturklasse: leicht

Oder für deinen Ort holen:

Standorttypisch für deinen Acker

Trag das C/N-Verhältnis ein, das das Labor für leichte Böden mitliefert.

Kohlenstoffvorrat rechnen

Der Vorrat ist die Menge organischen Kohlenstoffs in Tonnen je Hektar bis zur Probentiefe. Dafür braucht es zum Gehalt die Trockenrohdichte und den Steingehalt.

Corg-Vorrat

Trag Corg-Gehalt, Trockenrohdichte und Probentiefe ein.

Spannen nach Drexler u. a. (2020), Thünen Report 75, im Merkblatt des HumusKlimaNetzes. Niederschlag: Open-Meteo-Archiv (CC BY 4.0).

Die Humusmessung Schritt für Schritt

  1. Wissen, was gemessen wird

    Humus ist die abgestorbene pflanzliche und tierische Substanz im Boden samt ihren Umwandlungsprodukten. Er speichert Kohlenstoff, Stickstoff, Phosphor und weitere Nährstoffe, hält Wasser, lockert den Boden für Wurzeln und schützt vor Erosion.

    Direkt messen lässt sich Humus nicht. Das Labor bestimmt den organischen Kohlenstoff, kurz Corg. Die organische Substanz besteht zu rund 58 Prozent aus Kohlenstoff, deshalb ergibt Corg mal 1,724 den Humusgehalt. Gemeint ist nur der organische Kohlenstoff, Kalk zählt nicht dazu.

    Der Corg-Gehalt ist ein Anteil in Prozent und zeigt, wie humusreich ein Boden ist. Der Corg-Vorrat ist die Menge in Tonnen je Hektar bis zu einer bestimmten Tiefe. Für ihn braucht es zusätzlich die Trockenrohdichte und den Steingehalt.

    Gehalt ist ein Anteil, Vorrat eine Menge.

  2. Den Zeitpunkt wählen

    Gut geeignet ist das Frühjahr vor Vegetationsbeginn und vor der Düngung oder der Herbst nach der Ernte. Zwischen der Probe und der letzten Bodenbearbeitung, Düngung oder Ernte sollten mindestens sechs Wochen liegen.

    Humus ändert sich langsam. Eine Wiederholung nach 5 bis 10 Jahren zeigt die Entwicklung, kürzere Abstände liegen oft innerhalb der Messunsicherheit. Wiederholt wird zur gleichen Jahreszeit, im gleichen Stadium der Fruchtfolge und bei vergleichbarer Witterung.

    Wer ohnehin regelmäßig Grundnährstoffe untersuchen lässt, kann die Corg-Probe dort einbinden, solange die Probenahme den Regeln hier folgt.

  3. Den Probenplan festlegen

    Gemessen wird an Mischproben aus mindestens 15 Einstichen, alle in derselben Tiefe. Jede Einstichstelle wird per GPS festgehalten, damit die Wiederholung an denselben Stellen stattfinden kann.

    Auf Schlägen unter 1 Hektar reicht bei gleichmäßigem Boden eine Mischprobe. Gibt es deutliche Unterschiede, braucht es mehr Einstiche oder zusätzliche Mischproben. Ab 1 Hektar ist eine Mischprobe je Hektar ein guter Richtwert; je größer und unterschiedlicher der Schlag, desto mehr.

    Wie genau es sein muss, hängt am Zweck. Für Humuszertifikate im Carbon Farming oder für die Forschung braucht es viele Proben. Für die eigene Beobachtung über die Jahre reichen weniger.

    Je unterschiedlicher der Boden, desto mehr Einstiche und Mischproben.

  4. Raster oder Zonen wählen

    Rastermethode, für gleichmäßige oder kleine Flächen: Den Schlag in Teilflächen von etwa 1 Hektar teilen und auf jeder mindestens 15 Einstiche gleichmäßig verteilen. Alle Punkte liegen mindestens 10 Meter von Schlaggrenze und Vorgewende entfernt, rund 25 Meter auseinander. Fahrwege, Düngerumladeplätze, frühere Siloplätze, Tränken und stark beschattete Stellen mit mindestens 5 Metern Abstand meiden.

    Zonenmethode, für sehr unterschiedliche oder sehr große Flächen: Den Schlag vorher in Zonen mit einheitlicher Bodenart, Feuchte und Struktur gliedern, gern mit Ertragskarten oder Satellitenbildern. In jeder Zone einen zentralen Punkt wählen, im Umkreis von etwa 1,5 Metern sechs Einzelproben stechen und zu einer Mischprobe zusammenführen. So zeigen sich Unterschiede im Boden genauer.

  5. Die Proben ziehen

    Gestochen wird von 0 bis 30 Zentimeter, so tief reicht meist die Bearbeitung. In diesem Oberboden zeigen sich im Mittel rund 80 Prozent dessen, was die Bewirtschaftung am Humus ändert. Bei flacher Bearbeitung oder dünnem Oberboden kann die Tiefe geringer sein.

    Eine zusätzliche Probe von 30 bis 50 Zentimetern ist möglich, wird aus Kostengründen aber nicht empfohlen.

  6. Steine und Dichte bestimmen

    Den Steingehalt bestimmt man an jeder Probe: getrocknet und durch ein Sieb mit 2 Millimetern gesiebt, bleibt die Grobfraktion zurück. Auf Ackerböden liegt sie meist unter 5 Volumenprozent und fällt dann kaum ins Gewicht. Bei steinigen Böden oder wenn es genau sein soll, gehört sie in die Rechnung.

    Die Trockenrohdichte wird mit einem Stechzylinder im Feld gewonnen, mindestens eine Probe je Hektar. Sie schwankt meist weniger als der Corg-Gehalt. Bleiben Jahreszeit und Bodenruhe bei der Wiederholung gleich, kann der erste Wert weiter gelten. Nach einer großen Umstellung, etwa vom Pflug auf Direktsaat, wird sie neu bestimmt.

  7. Ins Labor geben

    Das Labor verbrennt die Probe bei kontrollierter Temperatur im Sauerstoffstrom und misst das entstehende CO₂. Diese Elementaranalyse ist das Standardverfahren.

    Das Labor sollte nach DIN EN ISO/IEC 17025 akkreditiert sein und regelmäßig an Ringversuchen teilnehmen. Für jede Wiederholung dasselbe Labor beauftragen, dann bleiben die Werte vergleichbar.

    Gleiches Labor, gleiche Jahreszeit, gleiche Tiefe.

  8. Das Ergebnis einordnen

    Derselbe Wert kann an zwei Orten Verschiedenes bedeuten, weil Bodenart, Klima und Niederschlag den Humusgehalt mitbestimmen. Das Thünen-Institut hat deshalb aus der Bodenzustandserhebung Landwirtschaft mit über 3.000 Messstellen standorttypische Spannen für Ackerböden abgeleitet.

    Zuerst die Texturklasse aus der Bodenart bestimmen, dann bei leichten Böden das C/N-Verhältnis und überall den Jahresniederschlag dazunehmen und die Spanne ablesen. Das Werkzeug macht das für dich.

    Liegt der Wert in der Spanne, ist er standorttypisch. Darunter deutet er auf eine zu geringe Humusversorgung, darüber auf erfolgreiches Humusmanagement oder besondere Bedingungen am Standort. Die Spannen sind eine Orientierung; was zählt, ist die Entwicklung über die Jahre.

Welche Texturklasse dein Boden hat

Die Bodenart steht im Laborbefund. Ton und Schluff entscheiden über die Texturklasse: Tonreiche Böden speichern mehr Humus.

BodenartTon, Masse-%Schluff, Masse-%Texturklasse
Sandunter 5unter 10leicht
Schwach lehmiger Sand5 bis unter 12unter 50leicht
Stark lehmiger Sand12 bis unter 17unter 50mittel I
Sandiger Lehm17 bis unter 25unter 50mittel II
Schluffiger Lehm, unter 17 % Tonunter 17ab 50mittel I
Schluffiger Lehm, 17 bis unter 25 % Ton17 bis unter 25ab 50mittel II
Schwach toniger Lehm25 bis unter 35–schwer I
Toniger Lehm35 bis unter 45–schwer I
Lehmiger Ton45 bis unter 65–schwer II
Tonab 65–schwer II

Standorttypische Humusgehalte im Acker

Abgeleitet vom Thünen-Institut aus der Bodenzustandserhebung Landwirtschaft mit über 3.000 Messstellen in Deutschland. Liegt dein Wert in der Spanne, ist er standorttypisch. Mehr Niederschlag bedeutet im Mittel mehr Humus.

leicht

  • C/N bis 13 · bis 700 mm1,2–2,4 %
  • C/N bis 13 · über 700 mm1,5–3,3 %
  • C/N über 13 bis 15 · bis 650 mm1,4–2,6 %
  • C/N über 13 bis 15 · über 650 mm2,1–4,0 %
  • C/N über 15 bis 20 · bis 800 mm2,8–6,2 %
  • C/N über 15 bis 20 · über 800 mm2,9–5,7 %
  • C/N über 20 · jeder Niederschlag3,8–8,4 %

mittel I

  • bis 850 mm1,7–2,8 %
  • über 850 mm1,9–3,6 %

mittel II

  • bis 1.000 mm1,9–3,3 %
  • über 1.000 mm2,4–4,3 %

schwer I

  • bis 900 mm2,1–3,8 %
  • über 900 mm2,4–4,5 %

schwer II

  • bis 900 mm2,6–5,2 %
  • über 900 mm3,4–6,5 %

Woran die Messung hakt

  • Proben kurz nach Bodenbearbeitung, Düngung oder Ernte gezogen.
  • Zu wenige Einstiche je Mischprobe auf unterschiedlichem Boden.
  • Proben an Fahrwegen, Umladeplätzen, Tränken oder im Schatten.
  • Bei der Wiederholung eine andere Jahreszeit, ein anderes Labor oder eine andere Tiefe.
  • Nach einem oder zwei Jahren schon eine Veränderung ablesen wollen.

Selbstprüfung

  1. 1.Das Labor meldet 1,5 Prozent Corg. Wie viel Humus ist das?

    Rund 2,6 Prozent: 1,5 mal 1,724.

  2. 2.Was unterscheidet den Corg-Gehalt vom Corg-Vorrat?

    Der Gehalt ist ein Anteil in Prozent. Der Vorrat ist die Menge Kohlenstoff in Tonnen je Hektar bis zu einer Tiefe und braucht zusätzlich Trockenrohdichte und Steingehalt.

  3. 3.Du hast im Herbst nach der Ernte gemessen. Wann und wie misst du wieder?

    Nach fünf bis zehn Jahren, wieder im Herbst nach der Ernte, im gleichen Stadium der Fruchtfolge, in derselben Tiefe und beim selben Labor.

  4. 4.Dein Schlag ist stark gemischt: Sandkuppen und eine feuchte Senke. Raster oder Zonen?

    Zonen. Je Zone ein zentraler Punkt mit sechs Einstichen im Umkreis von etwa 1,5 Metern.

Häufige Fragen zur Humusmessung

Wie misst man den Humusgehalt im Boden?

Gemessen wird der organische Kohlenstoff (Corg) in einer Mischprobe aus mindestens 15 Einstichen, meist von 0 bis 30 Zentimetern Tiefe. Ein akkreditiertes Labor bestimmt ihn per Elementaranalyse. Corg mal 1,724 ergibt den Humusgehalt.

Was ist ein guter Humusgehalt im Acker?

Das hängt am Standort. Auf einem leichten Boden mit einem C/N-Verhältnis bis 13 und bis 700 Millimetern Niederschlag gelten 1,2 bis 2,4 Prozent Humus als standorttypisch, auf schwerem Ton mit über 900 Millimetern 3,4 bis 6,5 Prozent. Das Werkzeug zeigt die Spanne für deinen Boden.

Wie oft sollte man den Humusgehalt messen?

Alle 5 bis 10 Jahre. Humus ändert sich langsam, kürzere Abstände liegen oft innerhalb der Messunsicherheit.

Wann ist der beste Zeitpunkt für die Bodenprobe?

Im Frühjahr vor Vegetationsbeginn und Düngung oder im Herbst nach der Ernte, mit mindestens sechs Wochen Abstand zur letzten Bearbeitung, Düngung oder Ernte.

Wie rechnet man den Corg-Vorrat aus?

Corg-Gehalt in Prozent mal Trockenrohdichte in Gramm je Kubikzentimeter mal (100 minus Steingehalt in Prozent) mal Tiefe in Zentimetern, geteilt durch 100. Heraus kommen Tonnen Kohlenstoff je Hektar.

Muss ich den Steingehalt bestimmen?

Auf Ackerböden liegt er meist unter 5 Volumenprozent und fällt dann kaum ins Gewicht. Bei steinigen Böden oder wenn es genau sein soll, wird er mit einem Sieb von 2 Millimetern bestimmt.

Worauf diese Lektion steht

Auf dem Praxismerkblatt „Humusmessung“ aus der Reihe HumusPraxisWissen des HumusKlimaNetzes (September 2026), verfasst von Konstantin Aiteew, Annette Dietmaier, Konrad Egenolf, Jonathan Krink und Frank Reinicke. Die Tafeln zur Texturklasse und zu den standorttypischen Humusgehalten stammen aus dem Thünen Report 75 von Drexler, Broll, Don und Flessa (2020). Das Merkblatt nennt außerdem Poeplau, Prietz und Don (2022) zur Streuung des Kohlenstoffs innerhalb eines Schlags und Smith u. a. (2020) zur Messung von Veränderungen im Bodenkohlenstoff.

Fundstellen

HumusKlimaNetz: Praxismerkblatt Humusmessung. HumusPraxisWissen, September 2026 (Konstantin Aiteew, Annette Dietmaier, Konrad Egenolf, Jonathan Krink, Frank Reinicke)
  • Organische Bodensubstanz besteht zu rund 58 % aus Kohlenstoff; Humus = Corg × 1,724 (= 1/0,58). Kalk zählt nicht. (Seite 2)
  • Corg-Vorrat = Corg-Gehalt × TRD × (100 − Steingehalt) × Bodentiefe / 100, in t/ha. (Seite 3, Kapitel 2.1)
  • Mischprobe aus mindestens 15 Einstichen in einheitlicher Tiefe, Einstichstellen per GPS; unter 1 ha eine Mischprobe bei gleichmäßigem Boden, ab 1 ha eine je Hektar als Richtwert (1 bis 10 ha und darüber). (Seite 3, Kapitel 2.2)
  • Raster: Teilflächen von ca. 1 ha, mindestens 15 Einstiche, mindestens 10 m von Schlaggrenze und Vorgewende, ca. 25 m Abstand, Störstellen mit mindestens 5 m Abstand aussparen. Zonen: zentraler Punkt, sechs Einzelproben im Umkreis von etwa 1,5 m. (Seite 4, Design 1 und 2)
  • Probentiefe 0 bis 30 cm, zusätzliche Probe 30 bis 50 cm möglich, aber aus Kostengründen nicht empfohlen; mit dem Oberboden im Mittel etwa 80 % der Bewirtschaftungseffekte erfasst. (Seite 5)
  • Frühjahr vor Vegetationsperiode und Düngung oder Herbst nach der Ernte; mindestens sechs Wochen Abstand; Wiederholung alle 5 bis 10 Jahre zur gleichen Jahreszeit. (Seite 5)
  • Steingehalt mit 2-mm-Sieb, meist unter 5 Volumenprozent; TRD mit Stechzylinder, mindestens eine Probe je Hektar, neu bestimmen nach drastischer Umstellung. (Seiten 5 und 6)
  • Elementaranalyse; Labor nach DIN EN ISO/IEC 17025 akkreditiert, mit Ringversuchen; für Wiederholungen dasselbe Labor. (Seite 6, Kapitel 2.3)
  • Standorttypische Wertebereiche aus über 3.000 Messstellen der Bodenzustandserhebung Landwirtschaft. (Seite 6, Kapitel 2.4)
Drexler, S., Broll, G., Don, A. und Flessa, H.: Standorttypische Humusgehalte landwirtschaftlich genutzter Böden Deutschlands. Thünen Report 75, 2020
  • Acker, leicht, C/N bis 13, bis 700 mm: 1,2 bis 2,4 % Humus; schwer II über 900 mm: 3,4 bis 6,5 % Humus (alle Zeilen im Werkzeug). (Tabelle 2 im Merkblatt des HumusKlimaNetzes, Seite 7)

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