Anbaupraxis im biodynamischen Betrieb
Fruchtfolge, Gründüngung und mechanische Beikrautregulierung sind die ackerbaulichen Grundlagen des biodynamischen Betriebs – über die Präparate hinaus, geregelt in der Demeter-Richtlinie.
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Was gehört zur biodynamischen Anbaupraxis?
Die Präparate sind das Markenzeichen der Biodynamik, aber sie wirken nur im Rahmen einer soliden ackerbaulichen Praxis. Ein lebendiger Boden, gesunde Pflanzen und ein funktionierender Hoforganismus entstehen vor allem durch das, was über das ganze Jahr auf dem Acker geschieht — Fruchtfolge, Bodenbearbeitung, Düngung und Pflanzenschutz. Diese Grundlagen sind in der Demeter-Richtlinie verbindlich geregelt und gehen über den allgemeinen Bio-Standard hinaus.
Fruchtfolge und Gründüngung
Eine vielfältige Fruchtfolge ist Pflicht: Die Demeter-Richtlinie verlangt mindestens drei Hauptkulturen aus zwei verschiedenen botanischen Familien. Leguminosen (Hülsenfrüchte wie Klee, Erbsen, Bohnen) müssen Teil der Folge sein — als Haupt- oder Zwischenfrucht, Untersaat oder Gründüngung; sie binden Luftstickstoff im Boden und ersetzen so einen Teil der Düngung. Gründüngung und begrünte Flächen halten den Boden bedeckt, lebendig und vor Erosion geschützt. Im Freiland-Gartenbau soll etwa ein Drittel der Fläche mit Gründüngung oder Futterbau belegt sein; ertragsfreie Flächen werden in der Vegetationszeit begrünt. Monokulturen sind das Gegenbild zu dieser Vielfalt.
Düngung im Kreislauf
Gedüngt wird organisch und möglichst aus dem eigenen Betriebskreislauf — mit Kompost, Mist und Gülle, behandelt mit den Kompostpräparaten. Für die Stickstoffdüngung gelten Obergrenzen (im landwirtschaftlichen Schnitt rund 112 kg N/ha), die unter den allgemeinen Vorgaben liegen. Mineralischer Stickstoffdünger ist ausgeschlossen; Gesteinsmehle wie Basaltmehl dienen als langsame Mineralquelle.
Pflanzenschutz und Beikrautregulierung
Der biodynamische Pflanzenschutz setzt zuerst auf Vorbeugung und Stärkung. Beikraut wird bevorzugt mechanisch reguliert — durch Striegeln und Hacken, vor thermischen Verfahren wie Abflammen. Gegen Pilzdruck und zur Pflanzenstärkung kommen Schachtelhalmtee, Brennnesselauszüge und rhythmische Hornkiesel-Spritzungen vorbeugend zum Einsatz. Direkte Pflanzenschutzmittel sind nur eingeschränkt und nach einer Positivliste zugelassen — und erst dann, wenn die vorbeugenden biodynamischen Maßnahmen nicht ausreichen; die Nützlingspopulation darf dabei nicht gefährdet werden. PVC-Mulchfolien sind verboten, bevorzugt werden nachwachsende Materialien.
Wer biodynamische Sorten züchtet
Biodynamische Sorten entstehen unter biodynamischen Bedingungen und bleiben samenfest: Aus der Ernte lässt sich wieder säen. Getragen wird die Arbeit von kleinen Züchtungsinitiativen, Vermehrungsbetrieben und Spenden.
Auf dem Acker
mehr als 50 zugelassene Getreidesorten und Populationen
Züchtung: Cultivari gGmbH · Forschung & Züchtung Dottenfelderhof · Keyserlingk-Institut · Getreidezüchtung Peter Kunz
Basissaatgut: BioSaat GmbH · Ökokorn Nord
Im Garten
120 biodynamische Neuzüchtungen, dazu 19 erhaltene samenfeste Sorten
Kultursaat e.V.: Sortenentwicklung, Anmeldung, Forschung und Fortbildung
Vermehrung auf mehr als 50 Verbandsbetrieben
Saatgut aus biodynamischer Züchtung, u. a. bei Bingenheimer Saatgut · Dreschflegel · Culinaris · Sativa Rheinau (CH) · ReinSaat (AT) · Germinance (FR) · Essem’bio (FR) · Seed Co-operative (UK) · Sementes Vivas (PT) · Arcoiris (IT)
Fördern, kennzeichnen, zulassen
- BioveritaRegeln und Kennzeichen für Biozüchtung
- Open Source Seedsneue Sorten als Gemeingut
- BundessortenamtZulassung von Sorten
- DemeterRichtlinien zur Pflanzenzüchtung
- Dachverband Ökologische PflanzenzüchtungDachverband
- Saatgutfonds der Zukunftsstiftung LandwirtschaftSpenden für Züchter
Das Geld kommt aus Spenden, Stiftungen, dem Verkauf von Saatgut und öffentlichen Projekten.
Quelle
Zusammengestellt nach Wissensgrafik Nr. 23 der Lebendigen Erde (5/2022).
Häufige Fragen zur biodynamischen Anbaupraxis
Welche Fruchtfolge verlangt Demeter?
Mindestens drei Hauptkulturen aus zwei botanischen Familien, mit Leguminosen als Pflichtbestandteil.
Wie wird im biodynamischen Betrieb Unkraut reguliert?
Bevorzugt mechanisch (Striegeln, Hacken) und vorbeugend; chemische Mittel sind weitgehend ausgeschlossen.
Wie funktioniert biodynamischer Pflanzenschutz?
Über Vorbeugung und Pflanzenstärkung (Schachtelhalm, Hornkiesel, Vielfalt) statt über das Abtöten von Schädlingen; direkte Mittel nur eingeschränkt und nach Positivliste.
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