Biodynamische Imkerei
Die biodynamische Imkerei hält Bienen wesensgemäß – am Bienenvolk als Organismus orientiert, mit Naturwabenbau, Schwarmvermehrung und kräuterangereichertem Winterfutter.
Was ist biodynamische Imkerei?
Die biodynamische Imkerei überträgt den Grundgedanken der Biodynamik auf die Bienenhaltung: Das Bienenvolk — der „Bien" — wird als ein einziger Organismus verstanden, vergleichbar dem Hoforganismus, dessen natürliche Lebensvorgänge möglichst wenig gestört werden sollen. Rudolf Steiner hielt 1923 eine Reihe von Vorträgen über das Wesen der Bienen, in denen er vor einer einseitig auf Ertrag und Zucht ausgerichteten Bienenhaltung warnte und langfristige Folgen für die Bienengesundheit voraussah. Diese Vorträge gelten als ein Ausgangspunkt der wesensgemäßen Imkerei.
Wesensgemäße Praxis
Kennzeichnend sind Praktiken, die dem natürlichen Verhalten des Volks folgen statt es maximal zu steuern:
Naturwabenbau — die Bienen bauen ihre Waben selbst, statt auf industriell vorgeprägten Mittelwänden; die Wabengröße und -gestalt überlässt man dem Volk. Schwarmvermehrung — die Vermehrung erfolgt über den natürlichen Schwarmtrieb statt über künstliche Königinnenzucht und Ablegerbildung. Zurückhaltung bei Eingriffen — kein Beschneiden der Flügel der Königin, möglichst schonende Völkerführung, Verzicht auf routinemäßige Chemie. Für die Demeter-Imkerei gelten dazu eigene Richtlinien, die diese Prinzipien verbindlich machen. Die wesensgemäße Imkerei ist heute auch über die anthroposophische Szene hinaus als Strömung etabliert.
Winterfutter und biodynamische Kräuter
Eine Verbindung zur Präparatewelt zeigt sich beim Winterfutter. Wo dem Volk für den Winter Futter zugesetzt wird, können dem Futtersirup getrocknete biodynamische Heilkräuter beigegeben werden — als sogenannter Winterfutter-Tee. Verwendet werden dieselben Pflanzen, die auch in den Kompostpräparaten eine Rolle spielen: Schafgarbe, Kamille, Löwenzahn und Baldrian sowie Brennnessel, Eichenrinde und Ackerschachtelhalm. Daneben ist das wichtigste „Präparat" der Bienen ein gutes Trachtangebot — das Anpflanzen nektar- und pollenreicher Blühpflanzen schafft die Lebensgrundlage des Volks.
Häufige Fragen zur biodynamischen Imkerei
Was unterscheidet biodynamische von konventioneller Imkerei?
Die biodynamische Imkerei orientiert sich am Bienenvolk als Organismus: Naturwabenbau, Schwarmvermehrung und zurückhaltende Eingriffe statt ertragsoptimierter Zuchtmethoden.
Was ist Winterfutter-Tee?
Ein mit getrockneten biodynamischen Kräutern (Schafgarbe, Kamille, Löwenzahn, Baldrian, Brennnessel, Eichenrinde, Ackerschachtelhalm) angereichertes Bienen-Winterfutter.
Hat Steiner über Bienen gesprochen?
Ja, 1923 in einer Vortragsreihe über das Wesen der Bienen, die als Ausgangspunkt der wesensgemäßen Imkerei gilt.