Biodynamische Pioniere
Nach Rudolf Steiner prägten Pioniere wie Ehrenfried Pfeiffer, Maria Thun und Peter Proctor die biodynamische Praxis – und Autoren wie Wistinghausen, Masson und Stappung dokumentierten sie.
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Wer prägte die Biodynamik nach Steiner?
Rudolf Steiner gab 1924 den Anstoß, aber die biodynamische Methode wurde erst durch die Generationen nach ihm zur erprobten Praxis. Steiner verstand seinen Landwirtschaftlichen Kurs ausdrücklich als Anregung zur Forschung — die eigentliche Ausarbeitung, Erprobung und weltweite Verbreitung leisteten andere. Einige Persönlichkeiten stehen dafür besonders.
Die Pioniere der Praxis
Ehrenfried Pfeiffer (1899–1961) war Steiner-Schüler, Bodenforscher und einer der wichtigsten frühen Pioniere. Er gehörte zu denen, die — gemeinsam mit Ita Wegman und Gunther Wachsmuth — die erste Charge Hornmist 500 herstellten, noch vor dem Landwirtschaftlichen Kurs von 1924. Pfeiffer entwickelte die Methode der „Sensitiven Kristallisation", schrieb 1938 die erste allgemeinverständliche Darstellung der biodynamischen Landwirtschaft für ein breites Publikum und brachte die Methode nach seiner Emigration 1940 in die USA, wo er die dortige biodynamische Bewegung mitbegründete.
Maria Thun (1922–2012) entwickelte über jahrzehntelange Anbauversuche den Aussaatkalender (seit 1963) und die Einteilung in Wurzel-, Blatt-, Blüten- und Fruchttage. Auf sie geht auch das Fladenpräparat zurück.
Peter Proctor (1928–2018) aus Neuseeland trug die Biodynamik ab den 1990er-Jahren nach Indien und half dort, die ersten Demeter-zertifizierten Betriebe aufzubauen — etwa Teegärten in Darjeeling. Er entwickelte den „Cow Pat Pit" (CPP), eine für tropische Klimazonen gedachte Variante des Fladenpräparats, und wurde durch den Film „One Man, One Cow, One Planet" einem breiten Publikum bekannt.
Die Autoren des Fachwissens
Die heutige Präparatepraxis ist vor allem dank dreier Autoren gut dokumentiert:
Eckard von Wistinghausen verfasste die Standardwerke zur Herstellung und Anwendung der Feldspritz- und Düngerpräparate — die detaillierteste Schritt-für-Schritt-Referenz der Präparatepraxis im deutschsprachigen Raum. Pierre Masson schrieb ein umfassendes Handbuch für Landwirtschaft, Garten- und Weinbau aus dem französischen Kernland der Biodynamik; es ist besonders im Weinbau einflussreich. Walter Stappung legte eine außerordentlich materialreiche Darstellung der Düngerpräparate vor, die Herstellung, Anwendung und Forschungsstand zusammenführt.
Die ältesten Höfe, die noch biodynamisch arbeiten
Nach dem Kurs von 1924 stellten Höfe in ganz Europa und bald in Übersee um. Manche gibt es nicht mehr, diese arbeiten bis heute biodynamisch.
- 1926
Zeeland, Niederlande
Mit Ehrenfried Pfeiffer als Aktiengesellschaft umgestellt. Heute ein Gemischtbetrieb mit Rindern, Streifenanbau, Obst- und Nussbäumen, Bäckerei, Café und Hofladen.
- 1927
Kärnten, Österreich
Von den Töchtern des Besitzers umgestellt. Heute eine Lebensgemeinschaft mit Sozialtherapie, Kindergarten, Gärtnerei und 100 Hektar Wald, Acker und Grünland.
- 1927
Hessen, Deutschland
Die Gärtnerei einer Frauen-Siedlung stellt um. Heute Mutterkühe, Gemüse, Obst und eine Gemüsekiste, daneben Schule und Tagungshaus.
- 1927
New York, USA
Von der Threefold Group gegründet. Heute eine Betriebsgemeinschaft mit Gärtnerei, Solawi, Samenbau, Milchvieh und Rohmilchkäserei.
- 1930
Thurgau, Schweiz
Oswaldhof
Von der Familie Oswald umgestellt. Heute ein Familienbetrieb von 33 Hektar mit Milch, Acker und Streuobst, getragen von einem Verein.
- 1946
Schottland
Heute eine Camphill-Gemeinschaft mit Café, Bäckerei und 95 Hektar Landwirtschaft, vor allem Milchvieh und Schafe.
- 1964
Victoria, Australien
Von der Familie Greenwood umgestellt. Heute Weiderinder auf 250 Hektar und ein Obstgarten mit Äpfeln und Birnen auf 75 Hektar.
Ebenfalls aus den ersten Jahrzehnten und noch biodynamisch: Marienhöhe (1928), Rengoldshausen (1928), Talhof (1929), Bauckhof (1932), Zinniker Farm in Wisconsin (1941), Finca Irlanda in Chiapas, Mexiko (1968).
Quelle
Zusammengestellt nach der Wissensgrafik „Die ältesten biodynamischen Höfe“ der Lebendigen Erde (1/2023).
Häufige Fragen zu den Pionieren
Wer hat die ersten biodynamischen Präparate hergestellt?
Ehrenfried Pfeiffer war mit Ita Wegman und Gunther Wachsmuth an der ersten Herstellung von Hornmist beteiligt — noch vor dem Landwirtschaftlichen Kurs von 1924.
Wer brachte die Biodynamik nach Indien?
Peter Proctor (1928–2018), der dort ab den 1990er-Jahren Betriebe aufbaute und den Cow Pat Pit entwickelte.
Auf welchen Autoren beruht die heutige Präparatepraxis?
Vor allem auf Wistinghausen (Herstellung/Anwendung), Pierre Masson (Garten-/Weinbau) und Walter Stappung (Düngerpräparate).
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