Die tierischen Hüllen der Präparate
Für Hornmist, Hornkiesel und vier der Kompostpräparate reifen die Ausgangsstoffe in einem tierischen Organ: im Kuhhorn, in der Hirschblase, im Rinderdarm, im Haustierschädel oder im Gekröse des Rindes.
Welche Präparate eine tierische Hülle brauchen
Die Ausgangsstoffe der meisten biodynamischen Präparate reifen in einem tierischen Organ, der Hülle. Nach der Reifezeit wird das Präparat herausgelöst, die Hülle getrennt.
| Präparat | Hülle |
|---|---|
| Hornmist 500 | Kuhhorn |
| Hornkiesel 501 | Kuhhorn |
| Schafgarbenpräparat 502 | Blase des Rothirsches |
| Kamillenpräparat 503 | Dünndarm des Rindes |
| Brennnesselpräparat 504 | keine tierische Hülle, nur Torf |
| Eichenrindenpräparat 505 | Schädel eines Haustieres |
| Löwenzahnpräparat 506 | Gekröse oder Netz des Rindes |
| Baldrianpräparat 507 | keine, vergorener Blütensaft |
| Ackerschachtelhalm 508 | keine, Tee aus dem Kraut |
Der Grundsatz: im Lebendigen bleiben
Die Hüllen dienen allein der Herstellung der Präparate. Grundsatz ist Steiners Hinweis im Landwirtschaftlichen Kurs, dabei „im Lebendigen“ zu bleiben. Deshalb werden die Organe ohne denaturierende Vorbehandlung verwendet: nicht gekocht, nicht desinfiziert, nicht gefroren. Während der Reife sollen sie eine Art Organfunktion übernehmen, entsprechend ihrer Aufgabe im Tier (Wistinghausen u. a., Herstellung).
Am besten stammen die Organe von Tieren des eigenen Hofes. Organe von benachbarten Bio-Betrieben sind möglich. Organe aus konventioneller Haltung werden gemieden, wegen der anderen Fütterung und Haltung (Wistinghausen u. a., Herstellung).
Die Hirschblase für die Schafgarbe
Für das Schafgarbenpräparat wird die Blase des Rothirsches gebraucht, also vom männlichen Rotwild. Die frische Blase wird nach dem Aufbruch mit einem Grashalm, Strohhalm oder einer Luftpumpe aufgeblasen, im schattigen Luftzug oder in der Sonne getrocknet und bis zum Füllen motten- und fliegensicher aufbewahrt, nicht gefroren. Vor dem Füllen wird sie wenige Minuten eingeweicht. Die gefüllte Blase hängt den Sommer über an einem sonnigen, luftigen Ort und kommt im Herbst in den Boden (Wistinghausen u. a., Herstellung).
Der Darm für die Kamille
Für das Kamillenpräparat wird der Dünndarm der Kuh gebraucht; empfohlen wird auch der erste Teil des Dickdarms. Die Därme stammen möglichst aus hofeigener Schlachtung. Weil die Schlachtung selten zur richtigen Zeit ist, werden sie ausgedrückt, ungewaschen und ungewendet aufgeblasen, abgebunden und getrocknet. Zum Füllen werden sie eingeweicht und mit Wursttrichter und Stopfstab stramm mit Kamillenblüten gefüllt, in Stücken von 20 bis 50 Zentimetern. Die Würste trocknen einige Tage, bevor sie in den Boden kommen (Wistinghausen u. a., Herstellung).
Der Schädel für die Eichenrinde
Für das Eichenrindenpräparat dient der Schädel eines Haustieres: Rind, Schaf, Ziege, Schwein oder Pferd. Vorteilhaft sind Schädel aus eigener Hofschlachtung oder vom biodynamischen Nachbarn. Das Hirn wird mit Druckluft, Wasserstrahl oder Haken entfernt, Fleischreste lassen sich in Kompost und Sägemehl von Würmern und Mikroben reinigen. Ende August bis Ende September wird die Eichenrinde durch das Hinterhauptsloch eingefüllt. Ein Schädel wird meist nur einmal genutzt und dann der Knochenverwertung zugeführt (Wistinghausen u. a., Herstellung).
Gekröse und Netz für den Löwenzahn
Für das Löwenzahnpräparat wird das Gekröse (Mesenterium) oder das große Netz des Rindes gebraucht, beide Teile des Bauchfells. Beim Gekröse wird der Dickdarm herausgeschnitten, bevor es als Hülle dient. Beide Organe sollen mager sein, was bei Milchkühen ohne Maisfütterung in der Regel der Fall ist (Wistinghausen u. a., Herstellung).
Nach der Reife
Die Hüllen werden vom fertigen Präparat getrennt. Reste der Darmhüllen lassen sich mit anhaftender Kamille und Erde zerkleinern und in Jauche, Gülle, Birkengrube oder Kompost geben.
Wistinghausen u. a. halten die Herstellung für unbedenklich: Die Hüllen haben Lebensmittelqualität (Schädel, Darm, Bauchfell) oder sind als Dünger zugelassen (Hörner), sie werden nach der Reife abgetrennt, die Präparate rotten mindestens ein halbes Jahr, die Mengen sind sehr klein, und die Kompostpräparate kommen über den Dünger in den Boden, nicht auf die Pflanze.
Präparate ohne tierische Hülle
Das Brennnesselpräparat reift ohne tierische Hülle, nur in Torf. Baldrian ist ein vergorener Blütensaft, Ackerschachtelhalm ein Tee. Maria Thun hat mit den vegetabilen Präparaten eine Form entwickelt, die in Holzbehältern statt in tierischen Organen reift; nach den Demeter-Richtlinien sind sie nicht anerkannt.
Wer die Hüllen nicht selbst beschaffen kann, bezieht die fertigen Präparate oder stellt sie in einer regionalen Präparategruppe her.
Häufige Fragen zu den tierischen Hüllen
Warum brauchen die Präparate tierische Hüllen?
Die Ausgangsstoffe reifen in einem Organ, das nach Steiners Bild eine ähnliche Aufgabe übernimmt wie im Tier. Die Hüllen werden deshalb unbehandelt verwendet, möglichst vom eigenen Hof.
Welche Hülle gehört zu welchem Präparat?
Kuhhorn für Hornmist und Hornkiesel, Hirschblase für Schafgarbe, Rinderdarm für Kamille, Haustierschädel für Eichenrinde, Gekröse oder Netz des Rindes für Löwenzahn.
Darf man die Hüllen einfrieren?
Nein. Die Organe werden getrocknet und trocken aufbewahrt. Kochen, Desinfizieren und Einfrieren entfallen.
Gibt es biodynamische Präparate ohne tierische Hülle?
Ja: Brennnessel (504), Baldrian (507) und Ackerschachtelhalm (508). Die vegetabilen Präparate nach Maria Thun sind nach den Demeter-Richtlinien nicht anerkannt.