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Hornkiesel 501: Herstellung, Ausbringung, Zeitpunkte je Kultur

Hornkiesel 501 ist das Lichtpräparat der Biodynamik: für Reife, Geschmack, Haltbarkeit und gesunde Blätter, Pflicht für Demeter. Wie du ihn herstellst, lagerst, rührst und wann du ihn bei jeder Kultur spritzt.

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Hornkiesel, das Präparat 501, ist das Lichtpräparat der Biodynamik. Eingesetzt wird er, um Reife, Geschmack und Haltbarkeit der Ernte zu fördern, das Wachstum zu ordnen und die Blätter widerstandsfähig gegen Pilze zu machen. Für Demeter-Betriebe ist er Pflicht, mindestens einmal im Jahr auf allen Kulturen.

Gespritzt wird er frühmorgens als feiner Nebel auf die grünen Pflanzen, meist zwei- bis dreimal im Jahr. Vier Gramm reichen für einen Hektar.

Dieser Artikel zeigt, wie du Hornkiesel herstellst, lagerst und rührst und wann du ihn bei Obst, Wein, Grünland, Getreide und Gemüse spritzt.

Was Hornkiesel ist

Quarz, chemisch Siliziumdioxid, ist der Hauptbestandteil der Erdkruste. In seiner schönsten Form ist er Bergkristall: hart, klar, im Wasser unlöslich, und er lässt das Licht ungehindert durch. Christian von Wistinghausen beschreibt, wie der Kiesel trotzdem in die Lebewesen gelangt, in Gräser und Schachtelhalm, in Haut, Augen und Nerven von Tier und Mensch. Im Boden bildet er als Sandkorn das Gerüst, im Ton steckt er als Silikat, in feinster Verteilung schwebt er in der Luft.

Sehr fein gemahlen hat Quarz eine große, lichtaktive Oberfläche. In dieser Form kommt er ins Kuhhorn und in den Boden, wo er den Licht- und Wärmewirkungen des Sommers ausgesetzt ist. Eine Stunde in Wasser gerührt und auf die Pflanze gesprüht, vermittelt das Präparat nach Wistinghausen diese im Boden verwandelten Lichtwirkungen. Sie fördern und ordnen den Stoffwechsel der Pflanze.

Pierre Masson nennt das Ausbringen von Hornkiesel ein „Besprühen mit Licht". Je nach Lage kräftigt es die Pflanzen oder bremst ein zu üppiges Wachstum. Es gibt ihnen eine kristallklare Lichtqualität, fördert den aufrechten Wuchs und bringt Geschmack und Duft der Ernte zur Geltung. Unter Glas und in geschützten Kulturen gleicht es Lichtmangel aus und dämpft die feuchte Wärme, in der Pilze gedeihen.

Das Gegenstück zum Hornmist

Die beiden Feldspritzpräparate bilden eine Polarität und gehören in der Anwendung zusammen. Steiner beschreibt es im Landwirtschaftlichen Kurs so: Der Kuhhornmist stößt von unten herauf, das andere zieht von oben, „weder zu schwach, noch zu stark".

Die Polarität zieht sich durch alles, was mit den beiden Präparaten geschieht:

Hornmist 500 Hornkiesel 501
Stoff Kuhmist Quarz, Bergkristall
Im Boden über den Winter über den Sommer
Lagerung dunkel, kühl, feucht, in Torf hell, trocken, am Fenster
Gespritzt nachmittags, abends, in großen Tropfen frühmorgens, als feiner Nebel
Wohin auf den Boden, an die Wurzel auf Blatt, Blüte und Frucht
Wirkt auf Wurzel, Bodenleben, Wachstum Licht, Gestalt, Reife, Qualität

Hornmist legt die Grundlage, auf der Hornkiesel richtig wirken kann. Erst beide zusammen ergeben nach Wistinghausen die vollständige, harmonisierende Wirkung. In der Praxis heißt das: Hornmist geht voran, Hornkiesel folgt, wenn der Bestand grün und wüchsig ist.

Das Rezept Rudolf Steiners

Im vierten Vortrag des Landwirtschaftlichen Kurses von 1924 gibt Steiner das Rezept im Anschluss an den Hornmist:

„Man nimmt wiederum Kuhhörner, füllt sie aber jetzt aus nicht mit Mist, sondern füllt sie aus mit bis zu Mehl zerriebenem Quarz oder Kiesel, oder auch Orthoklas, Feldspat, und bildet aus diesem einen Brei, der etwa die Dicke eines ganz dünnen Teiges hat, und füllt damit das Kuhhorn aus. Jetzt, statt dass man das Kuhhorn überwintern lässt, lässt man es übersommern, nimmt es alsdann, nachdem es übersommert hat, im Spätherbst heraus, bewahrt nun den Inhalt bis zum nächsten Frühjahr …"

Rudolf Steiner, Landwirtschaftlicher Kurs, 4. Vortrag (GA 327)

Das ist bis heute die Grundlage. Alles Weitere ist die Erfahrung aus hundert Jahren Praxis, die Wistinghausen, Masson und Walter Stappung zusammengetragen haben.

Herstellung

Das Ausgangsmaterial

Verwendet wird Quarz mit über 98 Prozent Kieselanteil: kristallin als Bergkristall oder Quarzit, amorph als Achat oder Flint, dazu der Kalifeldspat Orthoklas, den Steiner ausdrücklich nennt. Die meisten Höfe nehmen Bergkristall. Ehrenfried Pfeiffer empfahl ihn 1938, Pierre Masson sammelt ihn selbst in den Alpen und nimmt nur Stücke mit erkennbarer Form und Transparenz. Klare, gut geformte Kristalle, Kristallbruch aus der Schleiferei oder Gangquarz sind gebräuchlich. Bezugsquellen sind Strahler, Mineralienbörsen und Fachgeschäfte.

Dazu kommen wohlgeformte Kuhhörner mit mehreren Kälberringen. Für Hornkiesel braucht man weit weniger Hörner als für Hornmist, deshalb lohnt es sich, die schönsten auszuwählen. Wistinghausen verwendet jedes Horn für Hornkiesel nur ein einziges Mal. Hörner, in denen Hornmist war, kommen nicht dazu.

Mahlen

Das Mehl muss staubfein sein. Steiner selbst wurde danach gefragt und antwortete: zuerst im Mörser mit eisernem Schlegel „bis zu einer dünnen Mehligkeit", beim Quarz dann weiter „auf einer Glasfläche". Daran hat sich wenig geändert. So geht die Arbeit:

  1. Grob zerschlagen. Große Steine werden mit dem Hammer auf einer Stahlplatte zerkleinert, bis sie in den Mörser passen. Ein Holzrahmen um die Platte fängt die Splitter.
  2. Zerstampfen. Im eisernen Mörser werden die Bruchstücke zu Grieß gestoßen. Bewährt hat sich eine abgesägte Stahlflasche, etwa eine alte Sauerstoff- oder Feuerlöscherflasche, mit einem schweren Rundstahl als Stößel. Vor dem ersten Gebrauch zerstampft man darin Kies oder eine Glasflasche, um den Rost zu lösen.
  3. Zerreiben. Der Grieß wird durch ein Küchensieb in eine Reibschale gegeben und mit dem Pistill verrieben, dann auf einer dicken Glasplatte mit einem gläsernen Reiber in kreisenden Bewegungen zu Mehl gerieben. Wenig Material auf einmal geht schneller: ein Teelöffel ist schon fast zu viel. Wer feine Laborsiebe hat, kann zwischendurch absieben und sich einen Teil des Reibens sparen. Kugelmühlen mit Achatgefäß und Achatkugeln sind ebenfalls geeignet.

Die meisten mahlen im Winter, wenn draußen wenig zu tun ist. Stappung arbeitet am liebsten in den Tagen zwischen Weihnachten und Dreikönig, das Josephine Porter Institute in den USA an Lichtmess. In Gruppen wird das Mahlen gern gemeinsam gemacht. Franz Dreidax schlug schon 1930 vor, es als Gesellschaftsarbeit im Winter zu erledigen, mit Vorlesen.

Atemschutz ist Pflicht. Feiner Quarzstaub dringt bis in die Lungenbläschen und kann Silikose auslösen. Deshalb gilt beim Zerschlagen, Stampfen, Sieben und Reiben:

  • eine Feinstaubmaske der Klasse FFP2 oder FFP3 tragen,
  • Schutzbrille und Handschuhe gegen scharfe Splitter,
  • Mörser und Siebe erst öffnen, wenn sich der Staub gelegt hat,
  • geschlossene Siebsätze verwenden und nur waagrecht rütteln,
  • auf der Glasplatte feucht reiben, das bindet den Staub,
  • beim Putzen nichts aufwirbeln oder dafür ins Freie gehen.

Füllen

Kurz nach Ostern wird das Mehl mit Regenwasser zu einem gerade noch fließenden Brei angerührt. Die Hörner stehen dabei aufrecht, in einer Getränkekiste oder in Sand, die Öffnung waagrecht, und werden bis zum Rand gefüllt. Nach 24 Stunden hat sich das Kieselmehl gesetzt, oben steht etwas Wasser. Es wird abgegossen, das Horn mit Brei nachgefüllt. Ist die Masse angetrocknet und fest, streicht man die Öffnung mit feuchter Erde zu.

Rechne mit 150 bis 200 Gramm Quarzmehl je Horn. Das reicht, je nach Zahl der Spritzungen, für 10 bis 20 Hektar. Wistinghausen gibt dafür eine einfache Rechnung:

Hektar × Spritzungen × 5 = Gramm Hornkiesel Gramm Quarzmehl ÷ 150 = Zahl der Hörner

Ein Betrieb mit 20 Hektar und zwei Spritzungen braucht also 200 Gramm, ein bis zwei schöne Hörner.

Vergraben

Die Hörner kommen zwischen Ostern und Pfingsten in die Erde, zur selben Zeit, zu der die Hornmisthörner ausgegraben werden. Der Kalender, der dem Landwirtschaftlichen Kurs 1924 beilag, nennt Anfang April. Peter Züblin vergrub am Ostermorgen bei Sonnenaufgang.

Die Grube gleicht der für den Hornmist. Sie liegt abseits davon, an einem Platz, den die Sonne den ganzen Tag bescheint. Die Hörner werden mit der Öffnung nach unten gelegt oder, wenn das Mehl noch feucht ist, senkrecht mit der Öffnung nach oben gestellt, damit nichts ausläuft. Eine Flocke Schafwolle auf der Öffnung trennt das Präparat von der Erde, ohne es luftdicht abzuschließen. Maria Thun vergrub ihre Kieselhörner nur 20 Zentimeter tief. Dieselbe Grube dient Jahr für Jahr.

Bergen

Steiner sagt: im Spätherbst. Wistinghausen gräbt Ende September oder Anfang Oktober aus, Helga Wagner zu Michaeli. Die älteren Autoren, Dreidax und Voegele, holten den Hornkiesel im Spätherbst heraus, und Maria Thun grub an einem Blütentag in der ersten Novemberhälfte. Beides ist bewährte Praxis. Wichtig ist, dass die Hörner nicht über den Winter im Boden bleiben.

Die Hörner werden aufrecht getragen, außen abgewaschen oder abgekratzt und getrocknet. Getrocknet löst sich das Präparat leichter aus dem Horn. Man klopft es heraus oder holt es mit einem Messer und, für die Spitze, mit einem gebogenen Draht. Frisch ausgegraben riecht Hornkiesel oft nach humoser Erde. Seine Farbe hängt vom Gestein ab: Quarzmehl bleibt weiß bis grau, Orthoklas gibt ein rötliches Braun.

Lagerung am Licht

Hornkiesel ist das einzige Präparat, das ins Licht gehört. Steiner fand dafür deutliche Worte: Den übersommerten Hörnern schade es nicht, „irgendwo" zu liegen. „Die dürfen von der Sonne beschienen werden. Das kann ihnen sogar nützen."

Heute lagert man das Präparat entweder im Horn, aufgehängt mit der Öffnung nach oben, oder ausgeklopft in einem durchsichtigen Glas. Das Glas wird nicht luftdicht verschlossen. Ein gläserner Deckel ohne Metallbügel oder ein nur lose aufgelegter Schraubdeckel lässt etwas Luft herein. Masson stellt es auf einen Fenstersims nach Osten oder Nordosten, wo es Morgensonne bekommt, aber keine pralle Mittagssonne, und schüttelt es von Zeit zu Zeit. Er achtet darauf, dass keine Kabel, Router und Telefone in der Nähe sind. Findet sich im Haus kein ruhiger Platz, stellt er das Glas auf eine kleine Plattform an einem Pfosten draußen in der Hecke.

So gelagert hält Hornkiesel mehrere Jahre. Als einziges Präparat eignet er sich auch in Kleinstmengen gut zur Aufbewahrung.

Rühren

Hornkiesel wird genau eine Stunde lang gerührt, wie Hornmist: kräftig einen Wirbel bis zum Grund des Gefäßes bilden, dann die Richtung wechseln, sodass ein brodelndes Chaos entsteht, dann den nächsten Wirbel. Die ganze Technik steht im Artikel Präparate rühren.

Einige Regeln aus der Hornmistarbeit gelten hier lockerer. Wasserqualität und Temperatur sind nach Masson weniger heikel, handwarmes Regenwasser bleibt trotzdem die beste Wahl. Gerührt wird in der Morgendämmerung. Nachts zu rühren, vor allem mit Maschinen, ist ungünstig. Wer mit demselben Fass Hornmist und Hornkiesel rührt, reinigt es dazwischen gründlich.

Oft wird Ackerschachtelhalmtee oder -jauche zusammen mit Hornkiesel ausgebracht. Wistinghausen empfiehlt das zur Unterstützung der Kieselprozesse in der Pflanze.

Mengen

Fläche Hornkiesel Wasser Quelle
Garten bis 1.000 m² etwa 0,25 g 5 bis 10 Liter Masson
2.500 m² 1 g 10 bis 15 Liter Wistinghausen
1 Hektar Acker und Grünland 4 g 40 bis 60 Liter Wistinghausen
1 Hektar, Sprühgerät mit Gebläse 2 bis 4 g 25 bis 35 Liter Masson
1 Hektar Obst- und Strauchanlagen etwa 8 g 100 bis 150 Liter Wistinghausen

Die Tabelle bei Wistinghausen nennt einen halben Kubikzentimeter als Maß für eine Portion, höchstens ein Gramm. Bei dichtem Laub, etwa in Obstanlagen, geht Masson auf 50 bis 100 Liter je Hektar, damit alle Blätter erreicht werden. Auf großen Flächen lässt sich die Wassermenge mit geeigneter Technik deutlich senken.

Ausbringen

Tageszeit

Hornkiesel wird frühmorgens gespritzt, am besten noch im Tau. Masson legt sich genau fest: gleich nach Sonnenaufgang, nicht vorher, möglichst vor acht Uhr. Die Luft soll beim Spritzen höchstens 22 Grad haben. Günstig sind reicher Tau, Sonnenschein und Windstille. An einem bedeckten oder leicht nebligen Morgen darf man auch spritzen, wenn eine lange nasse, lichtarme Zeit auszugleichen ist. Die heiße Mittagszeit und Tage mit trocknendem oder kaltem Wind sind zu meiden.

Mit Beginn der Reife wechselt die Tageszeit. Dann wird am Nachmittag gespritzt, um die Ausreifung zu fördern. Und es gibt die Abendspritzung für besondere Fälle, siehe unten bei Wurzelgemüse und Reben.

Das Präparat wird sofort nach dem Rühren ausgebracht, spätestens drei Stunden danach. Ein Schauer in den Minuten nach dem Spritzen mindert die Wirkung nicht. Bei starkem Regen wird nicht gespritzt.

Technik

Vor dem Einfüllen wird das Präparat gefiltert, damit die feinen Düsen frei bleiben. Hornkiesel wird vernebelt: mit einem Gebläse oder einer Rückenspritze unter hohem Druck, mindestens zwei bis drei Bar, bis zwölf Bar. Der Nebel steigt nach oben und senkt sich dann auf das Laub. Das Ziel ist ein feiner Schleier, den das Sonnenlicht durchdringt. Die Blätter werden dabei kaum nass. Der Nebel treibt beim leisesten Wind ab. Deshalb beobachtet man, wohin er fällt, und läuft die Fläche entsprechend ab. Im Garten reicht eine Handspritze mit feiner Düse. Beim Spritzen stellt man sich nicht in den eigenen Nebel.

Wie oft

Die Demeter-Richtlinie verlangt Hornkiesel mindestens einmal im Jahr auf den Pflanzen aller Flächen, passend zur jeweiligen Kultur (Kapitel II.2.4). Die Praxis geht meist darüber hinaus: zwei Spritzungen im Jahr sind die Regel, im Garten drei bis vier, im Weinbau in nassen Jahren mehr.

Für die Widerstandskraft der Blätter gegen Pilze und Insekten empfiehlt Wistinghausen die rhythmische Spritzung: an drei aufeinanderfolgenden Tagen zur selben Tageszeit, also im 24-Stunden-Abstand, und das nach zwei bis drei Wochen wiederholt. Mehrfache Anwendung erhöht nach seiner Erfahrung Ertrag, Ausreifung, Haltbarkeit und die ausgeglichene Qualität der Früchte. Die Demeter-Richtlinie nennt rhythmisches Spritzen von Hornkiesel ausdrücklich als biodynamische Maßnahme, die vor jedem zugelassenen Pflanzenschutzmittel steht.

Mit derselben Kultur nicht öfter als drei- bis viermal im Jahr und niemals zweimal innerhalb weniger Stunden, rät Masson.

Der Mondrhythmus

Wer mit dem Kalender arbeitet, legt Hornkiesel bevorzugt in den aufsteigenden Mond und auf die Tage, die zur Kultur passen: Blatttage für Blattgemüse, Fruchttage für Obst, Wein und Fruchtgemüse, Wurzeltage für die Rübe vor der Ernte. Im Obst- und Weinbau beschreibt Masson die Praxis, dreimal im Abstand von etwa acht Tagen zu spritzen, wenn der Mond durch die Sternbilder des Fruchttrigons läuft. Welcher Tag heute welcher ist, zeigt der Mondkalender.

Der richtige Zeitpunkt je Kultur

Die Grundregel: Hornkiesel kommt, sobald genug grünes Blatt da ist oder der Fruchtansatz sich zeigt, und am stärksten wirkt er in der Zeit des kräftigsten Wachstums. Charlie Sievers sagt es für jede Pflanze: bereit, wenn sie den ersten Kranz von Blättern hat. Ein zweites Mal zur Frucht- und Samenbildung.

Obstbau

  • Erste Spritzung vor der Blüte, wenn die Bäume gut ausgebildete Blätter tragen, vom Beginn bis zur Mitte des Frühlings.
  • Zweite Spritzung auf die noch kleinen Früchte.
  • Zur Reife noch einmal, wenn die Früchte ausgewachsen sind, jetzt am Nachmittag.
  • Nach der Ernte, im Herbst zwischen Ernte und Laubfall, nachmittags, zur Holzreife.

Nicht in die offene Blüte spritzen. Wistinghausen fasst es für Obst zusammen: nach der Ernte und nach der Blüte morgens, zur Fruchtausreifung nachmittags bis abends.

Weinbau

  • Im Frühjahr eine bis drei Spritzungen, sobald fünf Blätter entfaltet sind, und vor der Blüte.
  • In einem regnerischen Sommer oder bei Neigung zu Pilzkrankheiten weitere Spritzungen vom Fruchtansatz bis zum Beginn der Reife.
  • Drei Wochen bis acht Tage vor der Lese, wenn es nicht zu heiß und trocken ist. Masson hat erlebt, dass sich die Weinqualität dadurch deutlich verbessert und die Trauben widerstandsfähiger gegen Fäulnis werden.
  • Nach der Lese und vor dem Laubfall am Abend, wenn die Triebe schlecht verholzen oder die Spritzungen im Sommer ausfallen mussten. Das fördert die Holzreife und die Einlagerung der Reserven in die Wurzeln, der Austrieb im nächsten Frühjahr wird gleichmäßiger.

Hornkiesel fördert den aufrechten Wuchs und macht die Triebe kräftig und biegsam zugleich. Das erleichtert das Heften.

Wiesen und Weiden

Nach jedem Schnitt und nach jeder Beweidung kommen Hornmist und Hornkiesel. Hornkiesel folgt dem Hornmist nach acht bis zehn Tagen, wenn die jungen Triebe etwa zehn Zentimeter lang sind. Im Frühjahr regt er auf Wiesen und Weiden die Bestockung an. Masson beobachtet in der Rinderhaltung, dass die Tiere gesünder sind, wenn ihr Futter mit Hornkiesel behandelt wurde, und dass Menge und Qualität von Milch und Fleisch zunehmen. Bei Trockenheit wird verschoben, spätestens zwei Wochen vor der nächsten Nutzung.

Getreide

  • Wintergetreide kann schon im Herbst gespritzt werden, auf die gut entwickelten jungen Pflanzen.
  • Im Frühjahr nach der Bestockung, ab dem Zweiblattstadium bis zum Schossen.
  • Beim Schossen, dann ein weiteres Mal zur Ährenbildung.
  • Zur Kornbildung, wenn der Bestand noch befahrbar ist. Masson sieht dann einen höheren Eiweißgehalt im Korn.

Immanuel Voegele erzielte in seinen Getreideversuchen den höchsten Ertrag mit Hornkiesel während der Bestockung.

Gemüse und Garten

Im Garten richtet man sich nach den Hauptkulturen und den Sätzen. Georg Merckens hat daraus einen Jahresplan gemacht, der sich bewährt hat:

  1. Mai bis Juni: frühe Gemüse wie Salat, Rettich, Radieschen, Kresse, dazu Äpfel im Ballonstadium der Blüte.
  2. Juni bis Juli: die mittleren Sätze wie Kohlrabi, Frühkraut, Erbsen, Möhren, Gurken, Tomaten, Bohnen, dazu Johannisbeeren, walnussgroße Äpfel und Kirschen.
  3. Juli bis August: späte Sätze, Winter- und Lagergemüse, Erdbeeren nach der Ernte, Äpfel bei beginnender Färbung.
  4. September bis Oktober: Wintergemüse vor der Ernte, Erdbeeren, Brombeeren, reifende Äpfel, jetzt am Nachmittag.

Dazu die Regeln für einzelne Kulturen:

  • Salat und Kohl werden gespritzt, wenn sie Köpfe zu bilden beginnen. Frisch mit nackter Wurzel verpflanzte Setzlinge bekommen erst Hornkiesel, wenn sie angewachsen sind und die Blätter sich einrollen. Sonst schießen sie leicht.
  • Radieschen und Rettich erst, wenn die Knollenbildung einsetzt.
  • Bohnen, Erbsen, Gurken, Kürbisse nicht zu früh. Fruchtgemüse wie Paprika, Gurken, Tomaten, Bohnen und Erbsen sprechen besonders gut auf Hornkiesel an. Maria Lohrmann spritzte die wärmebedürftigen Kulturen dreimal im Jahr: Bohnen, Gurken, Tomaten, Mais, Basilikum.
  • Tomaten, Erdbeeren und Kürbisgewächse dürfen auch in der Blüte gespritzt werden. Sie blühen fortlaufend und setzen dann mehr Blüten und Früchte an.
  • Wurzelgemüse wie Möhren, Rote Bete und Sellerie wird zwei bis drei Wochen vor der Ernte am Abend gespritzt. Die Kraft geht dann aus dem Laub in die Wurzel, sie wird süßer, aromatischer und haltbarer. Matthias Thun spritzt Möhren und Sellerie ab 20 Zentimetern Laubhöhe. Maria Thun empfahl für Wurzelfrüchte Spritzungen alle 14 Tage.
  • Unter Glas ist Hornkiesel besonders wertvoll, weil er Lichtmangel ausgleicht. Jungpflanzen im Topf oder mit Ballen kann man vor dem Auspflanzen besprühen, wenn sie aus Lichtmangel dünn werden oder zu Pilzbefall neigen.

Wann kein Hornkiesel

Hornkiesel ist ein starkes Präparat. Er fördert die Verdunstung und bringt viel Licht in die Pflanze. Daraus ergeben sich klare Regeln:

  • Nicht auf Pflanzen, die unter Trockenheit, Hitze oder Kälte stillstehen. Die Pflanze muss das Wasser, das sie verdunstet, nachholen können. Wo gegossen werden kann, gießt man vorher.
  • Bei Trockenheit geht Hornmist voran. Wistinghausen hat sich bewährt, abends Hornmist und am nächsten Morgen Hornkiesel zu spritzen, um das Wachstum anzuregen.
  • Nicht auf zu junge oder zu schwache Pflanzen. Flächen mit ganz jungen Saaten lässt man aus oder deckt sie ab.
  • Nicht in die offene Blüte von Obstbäumen, Reben und den meisten Gemüsen, außer den Dauerblühern oben.
  • Nicht zu spät am Morgen. In der Sonne des späten Vormittags kann der Nebel auf den Blättern brennen. Bei großer Hitze spritzt man direkt vor Sonnenaufgang.
  • Nicht zweimal in wenigen Stunden.

Und wenn es doch einmal zu viel war? Hat eine Hornkieselspritzung zur Unzeit das Wachstum gebremst, spritzt man Hornmist in der üblichen Menge auf die Blätter. Das löst nach Masson die Blockade.

Selbst herstellen oder beziehen

Für den eigenen Ansatz brauchst du ein paar schöne Bergkristalle, einen eisernen Mörser, eine dicke Glasplatte, eine gute Staubmaske, zwei bis drei Kuhhörner und einen sonnigen Platz für die Grube. Das Mahlen kostet einige Winterabende. Vergraben und Bergen sind in einer Stunde erledigt. Weil ein Horn für viele Hektar reicht, ist Hornkiesel das Präparat, mit dem sich der Einstieg in die eigene Herstellung am meisten lohnt. Viele Präparatekreise mahlen und füllen gemeinsam.

Wer nicht selbst herstellt, bezieht es fertig. Die Präparatekiste führt Hornkiesel als Einzelpräparat, lose je Gramm für größere Betriebe und im Feldspritz-Set zusammen mit Hornmist und Fladenpräparat.

Häufige Fragen

Was ist Hornkiesel?

Das Feldspritzpräparat 501: fein gemahlener Quarz oder Bergkristall, der in einem Kuhhorn über den Sommer im Boden reift. Es wird in Wasser gerührt und frühmorgens als feiner Nebel auf die grünen Pflanzen gesprüht.

Wofür wird Hornkiesel verwendet?

Die Biodynamik setzt es ein, um die Verbindung der Pflanze zum Licht zu stärken, das Wachstum zu ordnen und Reife, Geschmack, Haltbarkeit und Widerstandskraft zu fördern. Es ist der Gegenpol zum Hornmist, der am Boden und an der Wurzel arbeitet.

Woraus besteht Hornkiesel?

Aus Quarz mit über 98 Prozent Kieselanteil, meist Bergkristall. Steiner nennt auch Kiesel und den Kalifeldspat Orthoklas.

Wann wird Hornkiesel hergestellt?

Das Mehl wird im Winter gemahlen, zwischen Ostern und Pfingsten ins Horn gefüllt und vergraben, im Herbst, zwischen Ende September und Anfang November, wieder ausgegraben.

Wie viel Hornkiesel brauche ich?

Vier Gramm in 40 bis 60 Liter Wasser für einen Hektar, im Garten etwa ein Viertelgramm in fünf bis zehn Liter für bis zu 1.000 Quadratmeter.

Wann spritze ich Hornkiesel?

Frühmorgens nach Sonnenaufgang, möglichst vor acht Uhr, bei höchstens 22 Grad, auf den grünen, wüchsigen Bestand. Mit Beginn der Reife am Nachmittag. Wurzelgemüse zwei bis drei Wochen vor der Ernte am Abend.

Hornmist oder Hornkiesel zuerst?

Hornmist zuerst. Hornkiesel folgt einige Tage bis zwei Wochen später, wenn der Bestand grün ist und wächst. Im Grünland liegen acht bis zehn Tage dazwischen.

Wie lange muss Hornkiesel gerührt werden?

Eine Stunde, danach wird er sofort ausgebracht, spätestens nach drei Stunden.

Wie oft im Jahr?

Mindestens einmal auf allen Kulturen, so verlangt es die Demeter-Richtlinie. Üblich sind zwei Spritzungen, im Garten drei bis vier. Für die Blattgesundheit gibt es die rhythmische Spritzung an drei Tagen hintereinander.

Darf ich Hornkiesel bei Trockenheit spritzen?

Nicht auf Pflanzen, die unter Trockenheit leiden oder stillstehen. Wo es geht, erst gießen. Bewährt ist die Folge Hornmist am Abend, Hornkiesel am nächsten Morgen.

Darf ich in die Blüte spritzen?

Bei Obstbäumen, Reben und den meisten Gemüsen nicht. Tomaten, Erdbeeren und Kürbisgewächse vertragen es.

Wie lagere ich Hornkiesel?

Im Horn oder im Glas, nicht luftdicht verschlossen, an einem hellen Platz mit Morgensonne, fern von Kabeln und Funkgeräten. Von Zeit zu Zeit schütteln. So hält er mehrere Jahre.

Warum brauche ich beim Mahlen eine Maske?

Feiner Quarzstaub ist lungengängig und kann Silikose auslösen. Eine Maske der Klasse FFP2 oder FFP3 ist beim Zerkleinern Pflicht.

Kann ich Hornmisthörner für Hornkiesel verwenden?

Steiner hat es erlaubt. Die meisten Hersteller verwenden für Hornkiesel trotzdem eigene, neue Hörner, weil sich gebrauchte Hornmisthörner innen kaum rückstandslos reinigen lassen.

Quellen

  • Rudolf Steiner: Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft (Landwirtschaftlicher Kurs), GA 327, 4. Vortrag und Fragenbeantwortungen; zitiert nach Stappung, Kapitel 4.2 und 4.5.
  • Christian von Wistinghausen, Wolfgang Scheibe, Eckard von Wistinghausen, Uli Johannes König: Anleitung zur Herstellung der biologisch-dynamischen Feldspritz- und Düngerpräparate, Abschnitt „Hornkiesel-Präparat (501)", S. 25–28, „Aufbereitung und Lagerung", S. 73–74, „Bedarfsmengen", S. 76.
  • Dieselben: Anwendung der biologisch-dynamischen Feldspritz- und Düngerpräparate, Kapitel 2 „Die Feldspritzpräparate", 2.2 „Hornkiesel", S. 15–20, Kapitel 4 „Aufbewahrung", S. 45–46.
  • Pierre und Vincent Masson: Landwirtschaft, Garten- und Weinbau biodynamisch (2015), Kapitel „Hornkiesel (501)", S. 35–42.
  • Walter Stappung: Die Düngerpräparate Rudolf Steiners. Herstellung und Anwendung, Kapitel 4 (Herstellung Hornkiesel) und Kapitel 14 (Anwendung Hornmist und Hornkiesel), darin Georg Merckens (1982), Maria Lohrmann (1932), Charlie Sievers (1986), Bernd Schimmele (1980), Immanuel Voegele (1930), Matthias Thun (2001), Maria Thun (1994, S. 116), Franz Dreidax (1930).
  • Demeter e. V.: Richtlinien Erzeugung und Verarbeitung 2026, Kapitel II.2.4.