Biodynamische Präparate rühren: die Anleitung zum Dynamisieren
Krater und Brodeln, die Stunde, Wasser und Wärme, Gefäß und Rührgerät, Mengen je Technik, die häufigen Fehler und das gemeinsame Rühren. Die ausführliche Anleitung.
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Bevor Hornmist, Hornkiesel oder Fladenpräparat auf die Fläche kommen, werden sie in Wasser gerührt. Hornmist und Hornkiesel eine Stunde lang, im Wechsel von tiefem Wirbel und brodelndem Chaos, in lauwarmem Regenwasser. Ohne diese Stunde kommt das Präparat nicht ins Wasser.
Diese Anleitung zeigt, wie das Rühren geht, von Hand und mit Gerät, welches Wasser und welche Temperatur, wie viel ein Mensch schafft, welche Fehler häufig sind und wie schnell danach gespritzt wird.
Was beim Rühren passiert
Das Wasser wird am Rand entlang schnell in eine Richtung getrieben, bis sich in der Mitte ein Krater bildet, der fast bis zum Boden reicht. Dann wird die Drehrichtung mit voller Kraft umgekehrt. Der Krater bricht zusammen, das Wasser gerät ins Brodeln, Luftblasen werden bis zuunterst hinuntergerissen, und aus dieser Unordnung baut sich in der Gegenrichtung sofort der nächste Krater auf. Dieser Wechsel läuft ohne Pause bis zum Ende der Stunde durch.
Beide Zustände haben ihre Aufgabe. Der Krater ordnet das Wasser in Schichten und bewegt die ganze Masse. Das Brodeln zerstört diese Ordnung wieder und mischt ein, was sich unterdessen abgesetzt hat. Denn beim Kreisen sinken die schweren Teilchen in der Mitte nach unten. Ohne kräftiges Brodeln bleiben sie dort liegen und fallen aus der Mischung heraus.
Die Konsistenz des Wassers ändert sich dabei. Nach ungefähr einer halben Stunde sinkt die Zähigkeit, die Flüssigkeit spritzt weniger, der Ton beim Rühren wird tiefer, sie enthält mehr Luft und lässt sich leichter bewegen. Mit der Hand im Wasser ist zu spüren, dass das Wasser weicher wird. Hornmist wird braun und seidig, gerührtes Hornkieselwasser milchig-weiß.
Was Rudolf Steiner dazu gesagt hat
Die Beschreibung im Landwirtschaftlichen Kurs ist kurz und sehr konkret:
„Dann hat man nötig, diesen ganzen Inhalt des Kuhhorns aber in eine gründliche Verbindung zu bringen mit dem Wasser. Das heisst, man muss jetzt anfangen zu rühren, und zwar so zu rühren, dass man schnell rührt am Rande des Eimers, an der Peripherie herumrührt, so dass sich im Innern fast bis zum Boden herunter ein Krater bildet, so dass das Ganze in der Tat rundherum durch Drehung in Rotierung ist. Dann dreht man schnell um, so dass das Ganze nun nach der entgegengesetzten Seite brodelt. Wenn man das eine Stunde fortsetzt, so bekommt man eine gründliche Durchdringung."
Landwirtschaftlicher Kurs, vierter Vortrag
Auf eine Nachfrage schob er nach, worauf es ankommt: „Es kommt ungeheuer viel darauf an, dass man ein inniges Durchdringen herbeiführt. Es ist ja noch lange nicht, wenn man die Substanz ins Wasser giesst und umrührt, ein wirkliches Durchdringen da."
Vier Angaben stecken darin, und sie sind der Maßstab für alles Weitere: schnell, außen am Rand, Krater fast bis zum Boden, Umkehr bis es brodelt.
Für den Hornkiesel gilt dasselbe, auch die Stunde. Einen praktischen Versuch hat Steiner selbst nur einmal gemacht, 1924 in Arlesheim. Ehrenfried Pfeiffer hat ihn beschrieben: Ein Eimer wurde mit Wasser gefüllt, und weil nichts anderes zur Hand war, diente Pfeiffers Spazierstock als Rührgerät. „Rudolf Steiner kam es vor allem darauf an, das energische Rühren, die Trichterbildung und das rasche Umkehren der Drehrichtung zu zeigen."
Die Stunde
Eine Stunde ist die Zeit, bis etwas vollendet ist. So wird die Angabe in der biodynamischen Praxis verstanden, und so wird sie gehalten.
Zwei alte Versuche stützen sie. Hans Heinze stellte 1940 fest, dass eine volle Stunde gerührter Hornmist mehr Wachstum brachte als Präparat, das nur 45 Minuten gerührt worden war. Enzo Nastati und Maria Thun kamen unabhängig voneinander zum selben Ergebnis, dass eine Stunde das Optimum ist. Ehrenfried Pfeiffer wurde deutlicher: „Wer etwa aus Bequemlichkeit kürzere Zeit oder weniger intensiv rührt, muss sich einen Misserfolg selber zuschreiben."
Manche teilen die Stunde innerlich ein, in drei Abschnitte zu zwanzig Minuten oder in vier Viertel. Das ist Gewohnheit, keine Vorschrift.
Zwei Präparate machen eine Ausnahme. Das Fladenpräparat wurde bei der Herstellung bereits eine Stunde dynamisiert und braucht vor dem Ausbringen nur noch 15 bis 20 Minuten. Pflanzentees und Kräuterauszüge werden ebenfalls rund 20 Minuten gerührt.
Ein Wecker ist die bessere Uhr. Wer auf die Uhr schaut, unterbricht die Konzentration; wer den Wecker stellt, kann die Stunde durchrühren, ohne einmal aufzusehen.
Das Wasser
Herkunft
Steiner sprach von „gewöhnlichem Wasser". Gesagt hat er das in Koberwitz, wo das Wasser stark eisenhaltig war. In der Praxis hat sich seither die alte Gärtnerreihenfolge gehalten: weiches Regenwasser zuerst, dann Teich- oder Flusswasser, hartes kaltes Brunnenwasser zuletzt. Brunnen- und Grundwasser lässt sich an der Luft abstehen, damit es Lufttemperatur annimmt.
Regenwasser braucht etwas Pflege. In der Tonne bilden sich Algen, es kann bei langer Lagerung faulig werden, und Stechmückenlarven siedeln sich an. Fliegengitter, dunkle geschlossene Behälter und Wasserbewegung helfen. Spülmittel gehört nicht hinein.
Wo Luft und Dächer belastet sind, ist Regenwasser die schlechtere Wahl. Und wo Leitungswasser gechlort ist, lohnt sich der Umweg über die Regentonne.
Wärme
Steiner sagte, das Wasser solle „vielleicht etwas erwärmt" sein. Was daraus in der Praxis geworden ist, lässt sich an den Angaben ablesen, die über hundert Jahre zusammengekommen sind. Sie liegen fast alle in einem Fenster:
| Angabe | Wer so arbeitet |
|---|---|
| 20 bis 25 Grad | ältere skandinavische Praxis |
| 25 bis 30 Grad | verbreitet in Neuseeland und Australien |
| 30 bis 40 Grad | italienische Praxis |
| 35 bis 37 Grad | die häufigste Angabe im deutschsprachigen Raum |
| knapp unter 37 Grad | französische Beratungspraxis |
| bis höchstens 40 Grad | alte Apothekerregel, weil das Bluttemperatur ist |
„Handwarm" heißt in der Literatur zwischen 25 und 38 Grad, je nachdem, wen du fragst. Wer sich an 35 bis 37 Grad hält und Regenwasser nimmt, liegt auf der sicheren Seite.
Eiskalt gerührt wird nicht. Ein praktischer Prüfsatz: Wenn dir beim Hineingreifen vor der Kälte graust, ist es zu kalt.
Wärme die ganze Menge gleichmäßig, statt heißes Wasser ins kalte zu mischen. Wasser erwärmt sich über der Flamme von unten her, also entweder während des Erwärmens fleißig umrühren oder sehr langsam heizen. Während der Rührstunde muss die Temperatur nicht gehalten werden, ein leichtes Absinken ist normal. Wo es kühl und windig ist, hilft ein Sack um das Fass.
Zum Rechnen: 100 Liter von 15 auf 35 Grad zu bringen braucht 8,4 Megajoule, also gut zwei Kilowattstunden. Über einem offenen Feuer, das nur einen kleinen Teil der Wärme ins Wasser bringt, sind das mehrere Kilo Holz. Eine besonnte Südwand, ein Sonnenkollektor oder ein Gasdurchlauferhitzer arbeiten sparsamer. Elektrisch gewärmtes Wasser wird in der Literatur durchgehend nicht empfohlen.
Menge
Die Wassermenge richtet sich nach der Fläche und nach der Spritztechnik. Die Empfehlungen der letzten hundert Jahre liegen weit auseinander, was daran liegt, dass Düsen und Geräte sich verändert haben:
| Wassermenge je Hektar | Zusammenhang |
|---|---|
| 25 bis 35 Liter | heutige französische Beratungspraxis |
| 30 bis 40 Liter | verbreiteter Mittelwert |
| 40 bis 60 Liter | Hornmist nach deutscher Praxis |
| 100 bis 150 Liter | Hornkiesel auf stark belaubte Obstbäume |
| 15 bis 20 Liter | zu Fuß mit Rückenspritze und 1,5-Millimeter-Düse |
| 3 bis 10 Liter | Großbetriebe mit Nebelblaser, damit von Hand gerührt werden kann |
Im Hausgarten gilt eine einfachere Regel: Nimm ein Gefäß, in dem du gut rühren kannst, also mit zehn bis dreißig Litern Gesamtinhalt, fülle es halb, rühre und verteile das Ergebnis gleichmäßig.
Dass die Präparate eine volle Stunde gerührt werden, begrenzt die Menge mehr als alles andere. Deshalb geht die Entwicklung eher zu sparsamerer Ausbringung als zu größeren Fässern.
Das Gefäß
Form. Im Querschnitt rund, zylindrisch, mit glatten Wänden. Bauchige Weinfässer sehen schön aus, taugen aber schlecht: unten wird der Boden zu klein, du kommst nicht weit genug nach außen, und der Wirbel bricht früh zusammen. Gefäße mit ausgeprägten Schultern haben dasselbe Problem. Ein leicht konisches Fass, das unten weiter ist, rührt sich leicht und schwappt kaum über.
Proportion. Eher hoch als breit. Gebräuchlich sind Durchmesser zu Höhe im Goldenen Schnitt, also etwa 1 zu 1,6, oder Höhe zu Durchmesser 1,4 zu 1, oder Durchmesser zu Höhe 2 zu 3. Ein hohes Gefäß hat den Vorteil, dass das Wasser beim intensiven Rühren nicht dauernd überschwappen will.
Füllhöhe. Höchstens zwei Drittel. Der Wasserstand steigt beim Rühren am Rand hoch. Einen Eimer füllst du nur zur Hälfte, weil kleine Mengen leicht in Schwung kommen, der Krater tiefer wird und das Wasser höher steigt. Markiere den Wasserstand als Kerbe in der Fasswand oder auf einem Stock, dann musst du nicht jedes Mal neu messen.
Material. Holz, Steinzeug, Glas, Kupfer, Edelstahl und Emaille sind gebräuchlich. Verzinkt und Aluminium werden abgelehnt, rostende Ölfässer ebenfalls. Kunststoff wird geduldet, wo nichts anderes da ist. Wichtig ist außerdem, dass das Gefäß sauber ist und nie mit Chemie oder mit ätherischen Ölen in Berührung war.
Boden. Gerade Böden sind verbreitet, gewölbte gelten als günstiger, weil sie keine Kante haben, an der sich Sediment sammelt.
Die überall herumstehenden 200-Liter-Fässer haben rund 58 Zentimeter Durchmesser. Das ist für die meisten Menschen zu groß, um darin noch dynamisch zu rühren.
Das Rührgerät
Es muss dem Wasser Widerstand bieten. Ein zu dünner Stab weicht dem Wasser aus: Das Wasser leistet plötzlich Widerstand, das Gerät geht in die falsche Richtung, und der Schwung ist weg. Der Spazierstock von 1924 war eine Notlösung, keine Empfehlung.
Bewährt haben sich fest gebundene Reisigbündel aus Birke, gedrechselte Holzgeräte und aus Latten zusammengesetzte sternförmige Rührer. Als Faustzahl für den aufgehängten Rührbesen gilt: Dicke etwa ein Viertel des Fassdurchmessers, oben gerade noch aus dem Wasser ragend, unten fünf Zentimeter über dem Fassboden gerade abgeschnitten.
Die Eintauchtiefe ist der Punkt, an dem am meisten schiefgeht. Wer nur in der oberen Hälfte rührt, bringt die untere nicht in Schwung, und was sich unten absetzt, kommt nicht mehr in die Mischung.
Mit der bloßen Hand zu rühren hat einen eigenen Vorzug: Du spürst die Temperatur, du merkst, wenn sich der Hornmist schlecht verteilt, weil er zu hart ist oder Steinchen enthält, und du kannst jeden Fehler sofort korrigieren.
So wird gerührt
- Gefäß aufstellen. Waagrecht, stabil, rutschfest. Steht es schief, steigt das Wasser auf der tieferen Seite und schwappt über. Prüfen kannst du es, indem du rundum vom oberen Rand bis zur Wasserlinie misst: gleiches Maß rundum, dann steht es im Lot.
- Wasser einfüllen und wärmen. Bis zur Marke, also höchstens zwei Drittel.
- Präparat zugeben. Hornmist und Fladenpräparat vorher in wenig Wasser anlösen, damit sie sich verteilen. Hornkiesel kann direkt hinein.
- Kreisen. Am Rand entlang, tief unten angesetzt, zügig auf Geschwindigkeit bringen. Als Richtwert gelten 150 Umdrehungen pro Minute; darunter entsteht kein tiefer Krater und beim Umkehren kein richtiges Brodeln. Nach oben ist bei etwa 200 Umdrehungen Schluss, dann wird es hektisch und verliert den Rhythmus. Bleib mit dem Gerät knapp neben der Wand, nicht in der Mitte.
- Umkehren. Mit voller Kraft, aus dem ganzen Körper. Bei größeren Mengen stemmst du dich beidhändig gegen den Rührer, als würdest du einen Wagen anschieben, und setzt die Beine ein. Der günstigste Moment ist, wenn der Rührer seitlich steht, nicht ganz nah und nicht ganz weit weg. Erst das Wasser stoppen, brodeln lassen, dann sofort mit voller Geschwindigkeit in die Gegenrichtung.
- Wiederholen, bis die Stunde voll ist. Im kleinen Eimer steht der Krater nach zehn Umdrehungen, du kehrst also alle zweieinhalb Sekunden um. Bei 150 Litern sind vier Umkehrungen pro Minute möglich, gegen Ende der Stunde noch drei.
Nicht nach der Uhr umkehren, sondern nach dem Wasser. Feste Intervalle von einer Minute, wie sie in älteren Anleitungen stehen, bedeuten in der Praxis, dass du leer im Kreis drehst, und das ist eine Pause.
Ein gutes Zeichen: Das Wasser trägt. Wenn du dauernd anschieben musst, bist du entweder noch nicht auf Geschwindigkeit, zu langsam gestartet, oder du hast zu viel Wasser im Fass.
Wie viel ein Mensch rühren kann
| Technik | Übliche Menge |
|---|---|
| Hand im Wasser | etwa sieben bis 55 Liter |
| kurzstieliges Gerät, einhändig | bis 15 Liter, 30 Liter sind keine Stunde durchzuhalten |
| langstieliges Gerät, beidhändig ohne Aufhängung | bis etwa 35 Liter |
| Kurbelrührer | über 100 Liter |
| aufgehängtes Rührwerkzeug | 120 bis 160 Liter, mit Übung bis 200 |
Für die meisten Menschen sind 120 Liter die obere Grenze, wenn wirklich intensiv gerührt werden soll. Ein anschauliches Maß für alles darüber: 500 Liter zu rühren ist ungefähr so, wie einen Kleinwagen eine Stunde lang über den Hof zu schieben, hin und zurück, hin und zurück.
Das Kriterium ist nicht, ob du das Wasser irgendwie bewegt bekommst, sondern ob du es sofort so in Schwung bringst, dass du mitgetragen wirst. Sonst ist es zu viel Wasser.
Die häufigen Fehler
Fast alle Fehler laufen darauf hinaus, dass zu wenig intensiv gerührt wird.
- Zu viel Wasser im Fass. Der häufigste Fehler überhaupt. Weniger Wasser, dafür richtig.
- Zu großer Durchmesser. Bei jedem Umlauf musst du dich weit nach vorn beugen, die Kraft geht verloren.
- Zu dünnes oder zu instabiles Rührgerät. Damit lässt sich nicht energisch ins Wasser eingreifen.
- Zu flach eingetaucht. Die untere Hälfte führt ein Eigenleben.
- In der Mitte rühren. Dort dreht es sich schnell, aber die Hauptmasse des Wassers außen bleibt fast stehen. Der Krater wird schmal und trichterförmig statt breit und gerade.
- Pause vor dem Umkehren. Rührer herausziehen, nachschwingen lassen, warten, bis das Wasser ruhig ist, und dann langsam einen neuen Krater aufbauen: So brodelt es nicht.
- Nach der Uhr statt nach dem Wasser umkehren.
- Die Drehbewegung langsam steigern, statt zügig auf Geschwindigkeit zu gehen.
- Zu hoher Wasserstand. Oben dreht es noch in die alte Richtung, während unten schon die neue läuft, und die Umkehr verpufft.
Ein brauchbares Diagnosezeichen: Wenn sich die Wasserfläche nach dem Umkehren erst beruhigt, dann plötzlich aufwallt und langsam in die neue Richtung dreht, war die Umkehr zu schwach.
Der Rührplatz
Angenehm zum Arbeiten, mit allem in Reichweite. Schatten, wo es warm ist, Windschutz, wo es kühl und feucht ist. Eine schöne Lösung ist ein Platz, der morgens Sonne und nachmittags Schatten hat, weil Hornkiesel morgens und Hornmist am Nachmittag gerührt wird.
Für Rückenspritzen stellst du das Fass etwa 90 Zentimeter über den Boden, dann lässt sich die Spritze bequem an- und abhängen. Tischhöhe ist zu niedrig. Wer mit dem Auslasshahn arbeitet, stellt das Fass so hoch, dass die Spritze darunterpasst.
Wer öfter rührt, baut das als Kette auf: Wasservorrat oben, darunter das Wärmen, darunter das Rührgefäß, darunter die Spritze. Das Wasser läuft dann von Stufe zu Stufe von selbst.
Sag der Umgebung vorher Bescheid, dass du eine Stunde lang am selben Platz beschäftigt bist. Gespräche stören nicht, wenn die Leute das Rühren respektieren. Das Telefon bleibt weg, weil es Fremde mitten in die Stunde hineinbringt.
Und ein Testlauf vor der Saison lohnt sich: Rühreinrichtung aufstellen, mit klarem Wasser füllen, ein paar Minuten rühren, nachbessern. Eine ganze Stunde mit einem Gerät zu kämpfen, das nicht passt, ist keine gute Stunde.
Durchseihen und ausbringen
Die Frage nach dem Sieben kam schon 1924 auf. Steiners Antwort: „Durchseihen kann man es, das schadet nicht."
Praktisch ist es fast immer nötig, sobald Düsen und Pumpen im Spiel sind. Verstopfte Leitungen mitten auf dem Feld kosten mehr Zeit als das Sieben. Das Sieb soll feiner sein als der Düsendurchlass; bei Membranpumpen wird auf einen halben Millimeter gesiebt. Hornmist bringt mehr Grobes mit als Hornkiesel, deshalb sind getrennte Filter für beide üblich.
Bewährte Lösungen reichen vom Filterschlauch mit 0,2 Millimeter Maschenweite über zylindrische Edelstahlsiebe, die sich beim Einfüllen selbst frei spülen, bis zum alten Damenstrumpf für kleine Mengen. Kunstfaser ist besser als Naturfaser, die quillt und dichtmacht. Führe die Flüssigkeit von außen nach innen durch das Sieb, dann bleibt der Rückstand außen und lässt sich abspülen.
Ausgebracht wird zügig. Hornmist innerhalb von zwei bis drei Stunden, besser sofort. Beim Fladenpräparat hast du etwa drei Tage Zeit.
Gemeinsam rühren
Steiner hat das Rühren von Anfang an als etwas gedacht, das mehrere machen:
„Man wird dazu kommen, dass man das ganz einfach an Sonntagen zum Nachtisch machen wird. Dann wird schon einfach dadurch, dass man viele Gäste einzuladen hat, und das an Sonntagen macht, und die nötige Unterhaltung dabei hat, das Allerschönste dabei erreicht werden."
Gräfin Johanna von Keyserlingk hat seinen Rat vom selben Tag überliefert: „Sie haben so viel Gäste immer hier, wenn sie ihre Kaffeetassen ausgetrunken haben, dann bekommt eben Jeder erst einen Napf zum Rühren vorgesetzt."
Das funktioniert bis heute, und es löst nebenbei das Mengenproblem. Colin Ross bringt auf 164 Hektar Reben und Olivenbäumen in Neuseeland den Hornmist an drei Nachmittagen aus, vier Fünftel davon mit Eimer und Handfeger. Sein Schlüssel: An jede Rührstation drei Personen, damit niemand allein ist. Die drei wechseln sich alle fünf Minuten ab, so bleibt der Schwung bis zum Schluss erhalten.
In der Westschweiz läuft seit 2009 ein offener Rührtag, zu dem zweimal im Jahr eingeladen wird. Ablauf: ab 15 Uhr Wasser wärmen, dazu eine kurze Einführung, von 16 bis 17 Uhr gemeinsam rühren mit ständigem Wechsel, danach nimmt jede und jeder gerührtes Präparat mit nach Hause und bringt es dort aus. Nötig sind nur Regenwasser und etwas zum Ausspritzen.
Was so ein Anlass braucht: genug sichere Rühreinrichtungen, eine Person, die auf die Zeit schaut und dafür sorgt, dass immer jemand rührt, und eine Einführung vorher. Und die Präparate sollten im Mittelpunkt stehen, nicht als Programmpunkt am Rand eines Hoffests laufen.
Kinder sind leicht zu begeistern. Eine Kiste neben das Fass, damit sie hineinschauen können, eine Sanduhr, damit die Zeit anschaulich wird, und lieber das Fladenpräparat rühren, das braucht nur 20 Minuten. Die Erklärung darf ganz einfach sein: Zuerst drehen wir immer schneller, bis das Wasser ganz schnell im Kreis läuft. Und dann kommt der große Moment, dann stoppen wir das schnelle Wasser, es wehrt sich und brodelt und schäumt, und dann drehen wir wieder los.
Mit der Maschine
Ab einer gewissen Betriebsgröße wird maschinell gerührt. Rührfässer mit Motor haben oft einen Schwimmer oder eine Sonde, die die Drehrichtung umkehrt, sobald der Krater eine bestimmte Tiefe erreicht hat. Eine solche Maschine einzustimmen, also Drehgeschwindigkeit, Höhe und Stellung der Rührflügel und den Moment der Umkehr, ist Feinarbeit.
Steiner hat sich zu Rührwerken zurückhaltend geäußert und stattdessen vorgeschlagen, mit Gästen zu rühren. Viele Betriebe halten es heute gemischt: Hornmist von Hand, weil daran mehrere mitmachen können, Hornkiesel am frühen Morgen maschinell, weil um diese Zeit schwer Leute zu finden sind.
Unbeaufsichtigt laufende Rührmaschinen sind die gefährlichste Einrichtung im ganzen Präparatebereich. Ein Deckel, der beim Öffnen den Motor abstellt, ist das Mindeste.
Häufige Fragen
Was heißt dynamisieren?
Das rhythmische Rühren des Präparats in Wasser, bei dem sich Krater und Brodeln abwechseln. Gebräuchlich sind beide Wörter, Rühren und Dynamisieren.
Wie lange wird gerührt?
Hornmist und Hornkiesel eine Stunde. Fladenpräparat 15 bis 20 Minuten, weil es bei der Herstellung schon dynamisiert wurde. Pflanzentees und Kräuterauszüge ebenfalls rund 20 Minuten.
Wie schnell muss ich drehen?
Etwa 150 Umdrehungen pro Minute, also zweieinhalb pro Sekunde. Langsamer entsteht kein tiefer Krater, und beim Umkehren brodelt es nicht.
Wie warm soll das Wasser sein?
35 bis 37 Grad sind die gebräuchlichste Angabe. Eiskalt wird nicht gerührt.
Wie viel Wasser kann ich allein rühren?
Mit der Hand bis etwa 55 Liter, mit aufgehängtem Rührgerät 120 bis 160 Liter. Für die meisten sind 120 Liter die sinnvolle Grenze.
Muss ich das Präparat vorher auflösen?
Hornmist und Fladenpräparat werden in wenig Wasser angelöst, damit sie sich verteilen. Hornkiesel kann direkt ins Wasser.
Darf ich die Hand aus dem Wasser nehmen?
Kurz, um sie in den Krater zu setzen und die Gegenbewegung tief unten anzusetzen, ist das Teil der Technik. Sie herauszunehmen und zu warten, bis sich das Wasser beruhigt, ist etwas anderes: Dann fehlt das Brodeln.
Muss eine Person die ganze Stunde rühren?
Nein. Abwechseln ist üblich und bei großen Mengen sinnvoll, nur eine Pause soll dabei nicht entstehen. Bei der Übergabe rühren beide einen Moment gemeinsam weiter.
Woran merke ich, dass ich richtig rühre?
Das Wasser trägt dich. Beim Umkehren wallt es sofort auf, es brodelt bis nach unten, Luftblasen kommen bis zum Boden, und innerhalb weniger Umdrehungen steht der neue Krater.
Muss ich sieben?
Sobald Düsen und Pumpen im Spiel sind, ja. Das Sieb soll feiner sein als der Düsendurchlass.
Wie schnell muss ich nach dem Rühren spritzen?
Hornmist innerhalb von zwei bis drei Stunden. Fladenpräparat hält rund drei Tage.
Quellen
- Rudolf Steiner: Landwirtschaftlicher Kurs (GA 327), vierter Vortrag und die zugehörige Fragenbeantwortung.
- Walter Stappung: Die Düngerpräparate Rudolf Steiners. Herstellung und Anwendung, Kapitel 15 (Wasser) und Kapitel 16 (Rühren) samt Anhängen 16A1 bis 16A20.
- Pierre und Vincent Masson: Landwirtschaft, Garten- und Weinbau biodynamisch (2015), S. 29 bis 41.
- Christian von Wistinghausen u. a.: Anwendung der Feldspritz- und Düngerpräparate.
- Ehrenfried Pfeiffer (1938 und 1955) zur Rührdauer und zur Haltung beim Rühren.
- Georg Merckens (1960) zur Einrichtung des aufgehängten Rührwerkzeugs.
- Hans Heinze (1940) zum Vergleich von 45 und 60 Minuten Rührzeit.