Gärtnern nach dem Mond: der Leitfaden zum biodynamischen Mondkalender
Wie der Mondkalender Säen, Pflanzen, Pflegen und Ernten taktet: Tagestypen, Mondlauf, Mondphasen, ungünstige Stunden und eine Tabelle, welche Pflanze an welchen Tag gehört.
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Gärtnern nach dem Mond heißt, Säen, Pflanzen, Pflegen und Ernten auf die Tage zu legen, die der Mondkalender dafür nennt. Der biodynamische Mondkalender liest dazu am Himmel ab, vor welchem Sternbild der Mond steht, ob er höher oder tiefer läuft und wie viel Licht er zeigt. Daraus ergeben sich Wurzel-, Blatt-, Blüten- und Fruchttage, Zeiten zum Pflanzen und zum Ernten und einige Stunden, in denen man nichts sät.
Die Grundregel passt in wenige Sätze. Möhren sät man am Wurzeltag, Salat am Blatttag, Blumen und Brokkoli am Blütentag, Tomaten und Bohnen am Fruchttag. Gepflanzt, gedüngt und geschnitten wird bei absteigendem Mond, geerntet bei aufsteigendem. Mondknoten und Erdnähe bleiben frei. Das Wetter hat Vorrang: Ist der Boden zu nass oder zu kalt, wartet man auf den nächsten passenden Tag. Er kommt nach etwa neun Tagen wieder.
Dieser Leitfaden erklärt, woher die Regeln kommen, welche Pflanze zu welchem Tagestyp gehört, wie man einen Mondkalender liest und wie man die Gartenarbeit einer Woche danach plant. Welcher Tag heute ist, steht im Mondkalender für heute, alle Tage des kommenden Jahres im Mondkalender 2027.
Warum der Mond im Gartenbau eine Rolle spielt
Nach dem Mond zu säen und zu ernten, ist älter als jeder gedruckte Kalender. Bauernregeln und Hauskalender legten Aussaat, Holzschlag und Ernte seit Jahrhunderten nach dem Mond fest. Rudolf Steiner nahm den Gedanken 1924 im Landwirtschaftlichen Kurs in Koberwitz auf, mit dem die biodynamische Landwirtschaft begann. Nach Steiner wirken die erdnahen Himmelskörper Mond, Merkur und Venus über das Kalkige auf Wachstum und Fortpflanzung der Pflanze. Mars, Jupiter und Saturn sind über das Kieselige daran beteiligt, dass die Pflanze zum Nahrungsmittel für Tier und Mensch wird.
Den Gartenkalender, wie ihn heute die meisten kennen, hat Maria Thun geschaffen. Über Jahrzehnte führte sie Anbauversuche durch und verglich Aussaaten an verschiedenen Tagen mit der Stellung des Mondes vor den Sternbildern des Tierkreises. Von ihr stammt die Einteilung in Wurzel-, Blatt-, Blüten- und Fruchttage. 1963 erschien ihr erster Aussaatkalender, seitdem jedes Jahr. Ihr Buch „Gärtnern nach dem Mond“ erklärt die Methode für den Hausgarten.
Die Präparatekiste, aus der Dyyna hervorgegangen ist, hat hier ihre Wurzeln: 1968 stellte Wedig von Bonin den Hof Eichwerder auf biodynamische Wirtschaftsweise um und machte mit Maria Thun die ersten Versuche mit dem Fladenpräparat.
Was der Mondkalender am Himmel abliest
Der biodynamische Kalender liest ab, wie viel Licht der Mond zeigt, ob er am Himmel steigt oder sinkt und vor welchem Sternbild er steht. Die Bewegungen laufen unabhängig voneinander. Wer sie auseinanderhält, kann jeden Mondkalender lesen.
Mondphasen: zunehmender und abnehmender Mond
Von Neumond zu Neumond vergehen im Mittel 29 Tage, 12 Stunden und 44 Minuten, der synodische Monat. In dieser Zeit wächst die beleuchtete Seite des Mondes bis zum Vollmond und schwindet danach wieder. Die gärtnerische Tradition verbindet damit Arbeitsschwerpunkte:
- Zunehmender Mond, von Neumond bis Vollmond: Saft- und Keimprozesse steigen an. Die Tradition legt die Aussaat von Blatt- und Fruchtgemüse in diese Zeit.
- Vollmond: Kräuter und Heilpflanzen werden gern jetzt geerntet, weil ätherische Öle und Zucker als hoch gelten. Getreide sät Pierre Masson vor Vollmond.
- Abnehmender Mond, von Vollmond bis Neumond: Die Wachstumskräfte ziehen nach diesem Bild in den Wurzelbereich. Pflanzen, Pikieren und Verpflanzen gelten als günstig.
Im biodynamischen Kalender ist die Phase die zweite Schicht, zuerst kommt der Tagestyp. Die Stunden um Voll- und Neumond sperrt der Kalender nicht, es gilt der Tagestyp wie an jedem anderen Tag. Mehr dazu auf der Seite Mondphasen im Garten.
Das Licht: vier Phasen in 29,5 Tagen
- Neumond bis Vollmond
Saft- und Keimprozesse steigen an: Aussaat von Blatt- und Fruchtgemüse. - Vollmond
Stärkste Lichteinwirkung: Kräuter und Heilpflanzen ernten. - Vollmond bis Neumond
Die Kräfte ziehen in den Wurzelbereich: pflanzen, pikieren, verpflanzen.
Auf- und absteigender Mond
Neben den Phasen läuft der Mond in gut 27 Tagen einmal durch den Tierkreis, der siderische Monat. Dabei steht er an manchen Tagen hoch über dem Horizont und an anderen flach darüber, so wie die Sonne im Lauf eines Jahres. Steigt er von Tag zu Tag höher, heißt er aufsteigend, sinkt er, absteigend. Aufsteigend läuft er durch Schütze, Steinbock, Wassermann, Fische und Widder, absteigend durch Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau und Waage. Die Wendepunkte liegen 2027 vor dem Stier und vor dem Skorpion und wandern über die Jahrzehnte langsam weiter. Der Kalender führt sie als Mondwende.
Auf- und Abstieg haben mit zu- und abnehmend nichts zu tun. Ein zunehmender Mond kann gerade absteigen, ein abnehmender aufsteigen. Die Verwechslung ist so verbreitet, dass mehrere Kalender in ihren eigenen Ausgaben davor warnen.
An den Mondlauf knüpft die biodynamische Praxis die meisten Arbeitsregeln:
- Aufsteigender Mond: Die Säfte streben nach diesem Bild nach oben. Zeit für die Ernte oberirdischer Teile, fürs Veredeln und für Schnittblumen.
- Absteigender Mond: Die Kräfte gehen in Boden und Wurzel. Zeit zum Pflanzen und Umpflanzen, Umtopfen, Düngen, für Kompost, Bodenarbeit und Schnitt.
Beim Winterschnitt unterscheidet Pierre Masson: Der Schnitt im absteigenden Mond kräftigt schwache Bäume und Reben, der Schnitt im aufsteigenden Mond bremst zu kräftigen Wuchs. Auf der Südhalbkugel läuft der Mondlauf umgekehrt. Wenn der Mond für Europa steigt, sinkt er für Australien. Mehr dazu auf der Seite Aufsteigender und absteigender Mond.
Die Bahn: aufsteigend und absteigend in 27,3 Tagen
aufsteigend Säfte streben nach oben: oberirdisch ernten, veredeln, wüchsige Gehölze schneiden
absteigend Kräfte gehen in Boden und Wurzel: pflanzen, lockern, düngen, Kompost
Wurzel-, Blatt-, Blüten- und Fruchttage
Der Tagestyp hängt am Sternbild, vor dem der Mond steht. Maria Thun ordnete die zwölf Sternbilder des Tierkreises den vier Elementen zu und jedes Element einem Teil der Pflanze. Die drei Sternbilder eines Elements bilden im Tierkreis ein Dreieck, das Trigon.
Wurzeltag
Erde, Stabilität · Stier, Jungfrau, Steinbock
Kulturen: Karotte, Kartoffel, Radieschen, Rote Bete
Arbeiten: Boden lockern, Kompost einarbeiten, Wurzelgemüse säen
Blatttag
Wasser, Säftefluss · Krebs, Skorpion, Fische
Kulturen: Kohl, Salat, Spinat, Mangold
Arbeiten: Blattgemüse säen und pflanzen; Brennnessel und Ackerschachtelhalm anwenden
Blütentag
Licht und Luft, Aroma · Zwillinge, Waage, Wassermann
Kulturen: Zier- und Schnittblumen, Kräuterblüten, Brokkoli
Arbeiten: Duftende Kräuter ernten, Obstgehölze veredeln
Fruchttag
Wärme, Samen und Zucker · Widder, Löwe, Schütze
Kulturen: Tomate, Bohne, Getreide, Obst
Arbeiten: Fruchtgemüse säen und ernten; Hornkiesel (501) zur Fruchtbildung
Die Reihenfolge bleibt immer gleich: Auf einen Fruchttag folgt ein Wurzeltag, dann ein Blütentag, dann ein Blatttag, dann wieder ein Fruchttag. In einem Umlauf kommt jeder Tagestyp dreimal an die Reihe. Wer einen Wurzeltag verpasst, wartet bis zum nächsten etwa neun Tage.
Die Abschnitte sind verschieden lang, weil die Sternbilder am Himmel verschieden breit sind. Die Jungfrau misst 44 Grad der Ekliptik, der Krebs 20. Durch die Jungfrau braucht der Mond gut drei Tage, durch den Krebs etwa anderthalb. Deshalb hat das Jahr 2027 nach dem Dyyna-Kalender 107 Wurzeltage und nur 78 Blütentage. Das Sternbild wechselt selten um Mitternacht. Der Kalender nennt deshalb die Uhrzeit, ab der der nächste Tagestyp gilt.
Welche Pflanze an welchen Tag gehört
Gesät, gepflanzt und gepflegt wird am Tag des Pflanzenteils, für den man die Pflanze anbaut. Die Tabelle folgt der Pflanzenliste der Dyyna-Kalender-App.
| Tagestyp | Gemüse | Kräuter und Blumen | Obst, Getreide, Gründüngung |
|---|---|---|---|
| Wurzeltag | Möhre, Pastinake, Radieschen, Rettich, Rote Bete, Knollensellerie, Schwarzwurzel, Kartoffel, Süßkartoffel, Topinambur, Zwiebel, Schalotte, Knoblauch, Fenchelknolle, Meerrettich | Baldrian, Beinwell, Ingwer | Ölrettich |
| Blatttag | Kopfsalat, Feldsalat, Rucola, Endivie, Spinat, Mangold, Weißkohl, Rotkohl, Wirsing, Grünkohl, Rosenkohl, Chinakohl, Pak Choi, Kohlrabi, Porree, Stangensellerie, Spargel, Rhabarber | Petersilie, Schnittlauch, Dill, Basilikum, Koriander, Minze, Zitronenmelisse, Salbei, Thymian, Rosmarin, Oregano, Liebstöckel, Bärlauch | Futtergräser |
| Blütentag | Brokkoli, Blumenkohl, Romanesco, Artischocke | Ringelblume, Kapuzinerkresse, Sonnenblume, Kornblume, Zinnie, Dahlie, Rose, Lavendel, Tulpe, Narzisse, Kamille, Schafgarbe, Johanniskraut | Klee, Phacelia, Luzerne, Lein, Raps |
| Fruchttag | Tomate, Paprika, Chili, Aubergine, Gurke, Zucchini, Kürbis, Buschbohne, Stangenbohne, Erbse, Mais, Melone | Kümmel | Erdbeere, Beerensträucher, Obstbäume, Weinrebe, Nüsse, Weizen, Roggen, Dinkel, Hafer, Gerste |
Bei einigen Pflanzen entscheidet, was man von ihnen isst. Brokkoli, Blumenkohl und Artischocken gehören zu den Blüten, weil man ihre Knospen erntet. Porree und Kohlrabi zählen zum Blatt, Rhabarber ebenfalls, denn gegessen werden die Blattstiele. Zwiebeln und Knoblauch sind Wurzelpflanzen, Erdbeeren gehören zur Frucht. Die meisten Küchenkräuter sind Blattpflanzen, Kamille und Schafgarbe baut man wegen ihrer Blüten an.
Knotentage und andere ungünstige Zeiten
Neben den guten Tagen kennt der Mondkalender Stunden, in denen man nichts sät, pflanzt oder am Boden arbeitet, gleich welcher Tagestyp gerade gilt.
Die wichtigsten sind die Mondknoten. Die Mondbahn ist gegen die Ekliptik, die scheinbare Bahn der Sonne, um rund fünf Grad geneigt und kreuzt sie zweimal im Umlauf. Von Knoten zu Knoten und wieder zurück vergehen gut 27 Tage, der drakonitische Monat. Pierre Masson empfiehlt, einige Stunden vor und nach den Knoten des Mondes und der Planeten sowie bei Finsternissen nicht zu säen, den Boden nicht zu bearbeiten, keinen Kompost umzusetzen und keine Präparate zu spritzen. In diese Stunden legt man Arbeiten in Werkstatt und Schuppen.
Wo die Knotentage herkommen
Weitere Zeiten, die nach Pierre Masson Vorsicht verlangen:
Weitere Fenster, die nach Masson Vorsicht verlangen
Erdnähe (Perigäum), besonders nahe Vollmond
Gilt als günstig für Pilzkrankheiten.
Praxis: Vorbeugend Schachtelhalm statt Schnitt oder Blütenernte.
Planetenknoten
Merkur, Venus und weitere stören ähnlich wie die Mondknoten.
Praxis: Empfindliche Arbeiten vertagen.
Finsternisse
Ausgeprägte Störung des Rhythmus.
Praxis: Keine Feldarbeit, beobachten.
Hohe Mittagssonne
Die Pflanzen ruhen, Spritzungen verlieren an Wirkung.
Praxis: Morgens oder abends spritzen.
Der biodynamische Kalender führt außerdem die Bedeckung eines Planeten durch den Mond als ungünstig, dazu die Tage von Karfreitag bis zum Sonnenaufgang am Ostersonntag. Mehr zur Erdnähe und zu den Planetenknoten steht im Lexikon. Tage ohne solche Störung und ohne Wechsel des Sternbilds sind im Kalender als Gunsttage markiert. An ihnen gilt der Tagestyp von morgens bis abends.
Gartenarbeit nach dem Mond: welche Arbeit an welchen Tag
Fast jede Gartenarbeit hat im biodynamischen Kalender ihren Mondlauf und ihren Tagestyp. Die Tabelle fasst zusammen, was auf den verlinkten Seiten ausführlich steht. Dort stehen auch die nächsten passenden Tage mit Uhrzeit.
| Arbeit | Mondlauf | Tagestyp | Die nächsten Tage |
|---|---|---|---|
| Säen | Wurzelgemüse bevorzugt absteigend | nach dem Pflanzenteil | Aussaatkalender 2027 |
| Pflanzen, Umpflanzen, Pikieren | absteigend | nach dem Pflanzenteil | Pflanzen nach dem Mond |
| Umtopfen | absteigend | Grünpflanzen Blatt, Blühpflanzen Blüte, Zitrus und Chili Frucht | Umtopfen nach dem Mond |
| Schneiden | absteigend, stark wachsende Gehölze aufsteigend | Obst Frucht, Rosen Blüte, Hecken Blatt | Schneiden nach dem Mond |
| Düngen, Kompost, Boden lockern | absteigend | Wurzeltag | Düngen nach dem Mond |
| Ernten | aufsteigend, Wurzelgemüse absteigend | nach dem Erntegut | Ernten nach dem Mond |
| Veredeln | aufsteigend | Blütentag | Veredeln nach dem Mond |
| Gießen | nach dem Tagestyp; Vollmond und Erdnähe gelten als Wasserzeiten | Blatttag | Gießen nach dem Mond |
| Rasen mähen, säen, vertikutieren | absteigend für dichten Wuchs, aufsteigend für langsames Nachwachsen | Blatttag, Vertikutieren am Wurzeltag | Rasen nach dem Mond |
| Hecke schneiden, pflanzen | absteigend, eingewachsene Formhecken aufsteigend | Blatttag, Blütenhecken Blüte | Hecke schneiden nach dem Mond |
| Unkraut jäten, hacken | absteigend | Wurzeltag, am besten im Steinbock | Unkraut jäten nach dem Mond |
| Zimmerpflanzen umtopfen, düngen | absteigend | Grünpflanzen Blatt, Blühpflanzen Blüte, Zitrus Frucht | Zimmerpflanzen nach dem Mond |
Beim Ernten achtet Pierre Masson auch auf die Tageszeit. Oberirdische Pflanzenteile erntet er morgens, am besten bei aufsteigendem Mond, unterirdische gegen Abend, am besten bei absteigendem Mond. Wurzelgemüse, das eingelagert werden soll, erntet er nicht bei Vollmond, nicht in Erdnähe und nicht am Blatttag.
Für die Bodenarbeit beschreibt Masson eine Beobachtung aus der Praxis: Nach einer Bearbeitung bei Mond im Steinbock keimt weniger Beikraut, eine Bearbeitung bei Mond im Löwen weckt dagegen viele Samen im Boden. Wer Unkraut kleinhalten will, hackt deshalb lieber an einem Wurzeltag im Steinbock. Die nächsten passenden Tage stehen auf der Seite Unkraut jäten nach dem Mond.
Kompost setzt Masson im Frühjahr von März bis Mai bei absteigendem Mond auf. Ausgebracht wird er am besten im Herbst, ab dem absteigenden Mond im August bis Ende November.
Das Timing der Präparate: Hornmist 500 und Hornkiesel 501
Im biodynamischen Garten kommen zu Aussaat und Pflege die Feldspritzpräparate. Für sie gelten zwei Faustregeln:
- Hornmist (500) wird bevorzugt bei absteigendem Mond und an Wurzeltagen ausgebracht, am späten Nachmittag oder Abend auf den Boden. Eingesetzt wird er für Bodenleben und Wurzelbildung.
- Hornkiesel (501) wird eher bei aufsteigendem Mond gespritzt, frühmorgens als feiner Nebel auf die Pflanzen. Eingesetzt wird er für Lichtaufnahme, Reife und Qualität der Ernte.
Hornmist und Hornkiesel im Vergleich
Hornmist
Bodenimpuls
- Wirkt auf
- Wurzelbereich und Bodenleben
- Mond
- absteigend oder abnehmend
- Jahreszeit
- Herbst und ab Vegetationsbeginn im Frühjahr
- Tageszeit
- nachmittags bis abends
- Wetter
- bedeckter Himmel
- Wohin
- auf bearbeiteten oder bewachsenen Boden
Hornkiesel
Licht- und Fruchtimpuls
- Wirkt auf
- Lichtaufnahme, Reife und Qualität
- Mond
- eher aufsteigend
- Tageszeit
- morgens, ab Beginn der Reife nachmittags
- Wetter
- klar, ohne heiße Mittagszeit
- Wohin
- auf den wüchsigen Bestand
Jahreszeit und Wetter kommen vor dem Mond. Das Arbeitsheft von Christian von Wistinghausen und seinen Mitautoren legt Hornmist in den Herbst und an den Beginn der Vegetation im Frühjahr, möglichst nachmittags und abends bei etwas bedecktem Himmel, auf frisch bearbeiteten oder bewachsenen Boden. Hornkiesel kommt frühmorgens, am besten noch im Tau, auf die grünen Pflanzen, ab Beginn der Reife nachmittags. Bei Salat und Kohl spritzt man ihn zur Ausbildung des Kopfes. Bei extremer Trockenheit hat sich bewährt, abends Hornmist und am nächsten Morgen Hornkiesel zu spritzen.
Pierre Masson rät, Hornmist erst in den Abendstunden zu rühren, nicht vor 17 Uhr, während der Winterzeit nicht vor 16 Uhr. Das Spritzen bei absteigendem Mond, vor allem an Wurzeltagen, nennt er vorteilhaft, aber nicht zwingend: Wer nur auf diese kurzen Fenster wartet, kommt oft gar nicht zum Spritzen. Im Obst- und Weinbau verweist er darauf, Hornkiesel dreimal im Abstand von etwa acht Tagen anzuwenden, jeweils wenn der Mond vor den Sternbildern steht, die die Fruchtbildung fördern.
Wie Hornmist und Hornkiesel hergestellt, gerührt und ausgebracht werden, steht in den Artikeln Hornmist 500 ausbringen, Hornkiesel 501 und Präparate rühren.
Praktischer Aussaat- und Pflanzkalender für häufige Kulturen
Der folgende Auszug verbindet Tagestyp, Mondlauf und Mondphase für einige häufige Kulturen im mitteleuropäischen Klima. Die Monate nennen die üblichen Aussaatzeiten, der Kalender liefert darin die passenden Tage.
Aussaat- und Pflanzkalender, Auszug für Mitteleuropa
| Kultur | J | F | M | A | M | J | J | A | S | O | N | D | Mondfenster |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| KarotteWurzeltag | Februar | März | April | Juli | August | absteigend, abnehmend | |||||||
| absteigend, abnehmend. Flach säen, Lichtkeimer. 500 vor der Saat, 501 ab Bleistiftdicke der Wurzel. | |||||||||||||
| RadieschenWurzeltag | März | April | August | September | absteigend, abnehmend | ||||||||
| absteigend, abnehmend. 500 zur Saat, 501 sobald die Rosette steht. | |||||||||||||
| KopfsalatBlatttag | Februar | März | April | Mai | August | September | zunehmend, Blatttag | ||||||
| zunehmend, Blatttag. 501 erst zur Herzbildung, zu früh fördert es das Schossen. | |||||||||||||
| SpinatBlatttag | März | April | August | September | Oktober | zunehmend, Blatttag | |||||||
| zunehmend, Blatttag. 500 zur Saat, 501 ab dem dritten Blattpaar. | |||||||||||||
| Tomate (Vorkultur)Fruchttag | Februar | März | zunehmend, aufsteigend | ||||||||||
| zunehmend, aufsteigend. 501 nach dem Auspflanzen, dann zu Blüte und Fruchtansatz. | |||||||||||||
| BuschbohneFruchttag | Mai | Juni | aufsteigend, zunehmend | ||||||||||
| aufsteigend, zunehmend. Wärmekeimer, Saatbett über 10 °C. 501 vor der Blüte. | |||||||||||||
| RingelblumeBlütentag | April | Mai | aufsteigend, Blütentag | ||||||||||
| aufsteigend, Blütentag. Blüten mittags ernten, dann ist die Wirkstoffdichte hoch. | |||||||||||||
So wird daraus ein Arbeitsplan: Zuerst sucht man den nächsten Tag mit dem passenden Tagestyp. Dann prüft man Mondlauf und Phase, die zur Arbeit passen. Zuletzt entscheidet das Wetter. Ist der Boden zu nass oder zu kalt, wird verschoben, auch bei gutem Mondfenster. Wer Präparate spritzt, legt Hornmist in den Bodenimpuls und Hornkiesel in den Lichtimpuls.
So wird ein Arbeitsplan daraus
- 1
Tagestyp
Den nächsten passenden Tag für die Kultur suchen.
- 2
Mondphase
Die Phase prüfen, die zur Arbeit passt.
- 3
Wetter und Boden
Zu nass oder zu kalt? Dann verschieben, auch bei gutem Mondfenster.
- 4
Präparate
500 in den Bodenimpuls, 501 in den Lichtimpuls eintakten.
So liest man einen Mondkalender
Ein biodynamischer Mondkalender führt je Tag mehrere Angaben. Meist stehen dort:
- das Sternbild und der Tagestyp, mit der Uhrzeit, ab der das nächste Sternbild gilt
- auf- oder absteigender Mond
- die Mondphase, Voll- und Neumond mit Uhrzeit
- die ungünstigen Stunden: Knoten, Erdnähe, Bedeckungen, Finsternisse
Ein Beispiel aus dem Dyyna-Kalender für Oktober 2026, Zeiten für Berlin: Freitag, der 9. Oktober, ist ein Wurzeltag bei absteigendem Mond, ohne ungünstige Stunden. Ein guter Tag, um Knoblauch zu stecken. Am Montag, dem 12. Oktober, gilt bis 8:49 Uhr noch Wurzel, danach Blüte. Wer an diesem Tag Tulpenzwiebeln setzen will, fängt nach 9 Uhr an.
Die Uhrzeiten gelten für eine Zeitzone. Gedruckte Kalender rechnen in der Regel für Mitteleuropa, einige nennen, ob die Sommerzeit eingerechnet ist. Der Dyyna-Kalender rechnet die Zeiten für die Zeitzone des Geräts und auf der Südhalbkugel mit umgekehrtem Mondlauf.
Warum Mondkalender verschiedene Tage zeigen
Wer zwei Mondkalender nebeneinanderlegt, findet oft verschiedene Tagestypen am selben Tag. Der Grund ist die Rechenbasis. Biodynamische Kalender wie der von Maria Thun rechnen mit den Sternbildern, vor denen der Mond am Himmel tatsächlich steht. Andere Kalender, etwa die von Johanna Paungger und Thomas Poppe, arbeiten mit den Tierkreiszeichen der Astrologie. Durch die Präzession liegen beide heute rund 30 Grad auseinander. Demeter Schweiz beschreibt die Folge: Der Mond steht in einem Kalender „im Zeichen der Zwillinge“, im anderen zur selben Zeit „im Sternbild Stier“.
Ausführlich erklärt das der Artikel Warum Mondkalender verschiedene Sternbilder zeigen. Welche Kalender es gibt und wie sie rechnen, zeigt der Vergleich der Mondkalender für den Garten.
Den Mondkalender im Gartenalltag nutzen
Der Kalender hilft am meisten, wenn man ihn einmal pro Woche ansieht und die Arbeit danach sortiert. Bewährt hat sich:
- Wochenblick: Einmal pro Woche die nächsten sieben Tage ansehen, die anstehenden Arbeiten den Tagestypen zuordnen und morgens mit dem Wetter abgleichen. Fertig gerechnet steht das im Mondkalender für diese Woche, mit den Arbeiten, die an jedem Tag passen.
- Saatgut sortieren: Samentüten nach Tagestyp in vier Kästen legen. Am Wurzeltag greift man in den Wurzelkasten.
- Ungünstige Stunden nutzen: Knotentage eignen sich für Werkzeugpflege, Saatgutbestellung und Beetplanung.
- Aufschreiben: Pierre Masson rät, zu jeder Arbeit das Sternbild zu notieren und die Wirkung zu beobachten. Im Winter lässt sich daraus Bilanz ziehen.
Die nächsten sieben Tage
Einmal pro Woche sichten, morgens mit dem Wetter abgleichen.
Die Regeln gelten auch für die Vorkultur auf der Fensterbank, für Hochbeet, Balkonkasten und Zimmerpflanzen. Gesät wird nach dem Tagestyp, pikiert und umgetopft bei absteigendem Mond. Eigene Seiten: Zimmerpflanzen nach dem Mond und Gießen nach dem Mond.
Wer den Kalender lieber auf Papier hat: Das Präparate-Handbuch für das Gartenjahr 2026/27 enthält den biodynamischen Aussaatkalender taggenau von August 2026 bis Dezember 2027, dazu Monat für Monat die Präparatearbeit und Platz für eigene Beobachtungen. Die Dyyna-Kalender-App ist im Bau. Sie zeigt, welche der eigenen Pflanzen heute dran sind, was im Beet gut nebeneinander wächst und was im nächsten Jahr auf welchen Platz gehört.
Was Langzeitversuche zur biodynamischen Wirtschaftsweise zeigen
Was Versuche zum Vollmond gefunden haben
Ergebnisse aus der biodynamischen und chronobiologischen Forschung.
Kartoffeln
Zu Vollmond gelegt, brachten sie weniger Ertrag.
Möhren
Zu Vollmond gesät, brachten sie mehr Ertrag.
Roggen
Zu Vollmond gesät, lieferte er vitaleres Saatgut.
Blätter
Um Vollmond bildeten die Pflanzen mehr Blattfläche und mehr neue Blätter.
Holz
Bei Vollmond gefällt, hatte es die bessere Qualität.
Quellen
- Spieß, H. (1994): Chronobiologische Untersuchungen mit besonderer Berücksichtigung lunarer Rhythmen im biologisch-dynamischen Pflanzenbau. Schriftenreihe des Instituts für Biologisch-Dynamische Forschung, Bd. 3 und 4.
- Fritz, J. (1994): Untersuchungen zum Einfluß des synodischen Mondrhythmus auf das Pflanzenwachstum von Rettich (Raphanus sativus) und Efeuaralie (Fatshedera lizei). Diplomarbeit, Witzenhausen.
- Zürcher, E. (2010): Fällzeitpunkt und Holzeigenschaften. Mondbezogene Variation im Verhältnis zu Wasser. Lebendige Erde 1/2010.
Zusammengestellt nach der Wissensgrafik Nr. 43 der Lebendigen Erde (1/2026)
Der DOK-Versuch in Therwil bei Basel vergleicht seit 1978 biodynamische, organisch-biologische und konventionelle Anbausysteme auf demselben Feld. Die biodynamischen Parzellen zeigen dort eine höhere mikrobielle Biomasse und Bodenaktivität als die konventionellen (Mäder et al., Science 2002). Eine Übersicht über die Forschung zur biodynamischen Land- und Lebensmittelwirtschaft haben Christoph Brock und Kollegen 2019 in der Zeitschrift Open Agriculture veröffentlicht (Research in biodynamic food and farming – a review). Mehr dazu im Lexikon unter Biodynamik und Wissenschaft.
Häufige Fragen zum Gärtnern nach dem Mond
Was bedeutet Gärtnern nach dem Mond?
Säen, Pflanzen, Pflegen und Ernten werden auf die Tage gelegt, die der Mondkalender dafür nennt. Der biodynamische Kalender richtet sich nach dem Sternbild, vor dem der Mond steht (daraus Wurzel-, Blatt-, Blüten- und Fruchttage), nach dem Auf- und Abstieg des Mondes und nach seinen Phasen. Dazu nennt er Stunden, in denen man nichts sät und pflanzt.
Welcher Tag ist heute: Wurzel, Blatt, Blüte oder Frucht?
Das steht auf der Startseite von dyyna.bio, zusammen mit dem Mondlauf, der Mondphase und der Uhrzeit, ab der der nächste Tagestyp gilt. Die Zeiten werden für die eigene Zeitzone gerechnet.
Kann man bei Vollmond pflanzen und säen?
Ja. Der biodynamische Kalender sperrt die Stunden um Vollmond nicht, es gilt der Tagestyp. Getreide sät Pierre Masson am liebsten vor Vollmond. Wurzelgemüse zum Einlagern erntet er dagegen nicht bei Vollmond. Fällt der Vollmond mit der Erdnähe des Mondes zusammen, rät er von Schnitt und Blütenernte ab.
Was mache ich, wenn ich den passenden Tag verpasse?
Der nächste Tag desselben Typs kommt nach etwa neun Tagen. Drängt die Zeit, weil der Boden gerade gut ist oder die Jungpflanzen zu groß werden, geht die Arbeit vor. Pierre Masson hält fest, dass der Zustand des Bodens und das Wetter für die meisten Arbeiten wichtiger sind als die Angaben des Kalenders.
Ist aufsteigender Mond dasselbe wie zunehmender Mond?
Nein. Aufsteigend beschreibt die Bahn: Der Mond steht von Tag zu Tag höher am Himmel. Zunehmend beschreibt das Licht zwischen Neumond und Vollmond. Beides läuft unabhängig voneinander, ein zunehmender Mond kann gerade absteigen.
Warum zeigen Mondkalender unterschiedliche Tage?
Biodynamische Kalender rechnen mit den Sternbildern am Himmel, andere mit den Tierkreiszeichen der Astrologie. Beide liegen heute rund 30 Grad auseinander. Derselbe Tag kann deshalb im einen Kalender ein Wurzeltag sein und im anderen ein Blütentag.
Gilt der Mondkalender auch auf der Südhalbkugel?
Ja. Das Sternbild vor dem Mond und damit der Tagestyp sind überall auf der Erde dieselben, nur die Uhrzeiten hängen an der Zeitzone. Umgekehrt ist der Mondlauf: Steigt der Mond für Europa, sinkt er für Australien oder Südamerika. Der Dyyna-Kalender rechnet das für den eigenen Ort.
Welcher Mondkalender ist der beste für den Garten?
Für den biodynamischen Garten einer, der mit den Sternbildern rechnet, die Uhrzeit der Wechsel nennt und die ungünstigen Stunden zeigt. Eine Übersicht mit Preisen und Rechenbasis steht im Vergleich der Mondkalender für den Garten.
Quellen
- Rudolf Steiner: Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft (Landwirtschaftlicher Kurs), GA 327, Koberwitz 1924.
- Maria Thun: Gärtnern nach dem Mond. Aussaattage, Pflanzzeiten, Erntetage. Kosmos, Stuttgart 2020, ISBN 978-3-440-17205-6.
- Pierre Masson, Vincent Masson: Landwirtschaft, Garten- und Weinbau biodynamisch. AT Verlag, Aarau und München 2013, Kapitel „Arbeit mit den Rhythmen und dem Kalender“ und „Biodynamischer Kompost“.
- Christian von Wistinghausen, Wolfgang Scheibe, Hartmut Heilmann, Eckard von Wistinghausen, Uli Johannes König: Anleitung zur Anwendung der Biologisch-Dynamischen Feldspritz- und Düngerpräparate. Arbeitsheft Nr. 2, 4. Auflage, Verlag Lebendige Erde, Darmstadt 2012.
- Demeter Schweiz: Gärtnern mit dem Mond.
- Paul Mäder u. a.: Soil Fertility and Biodiversity in Organic Farming. In: Science 296 (2002), S. 1694–1697, doi:10.1126/science.1071148.
- Christoph Brock u. a.: Research in biodynamic food and farming – a review. In: Open Agriculture 4 (2019), doi:10.1515/opag-2019-0064.
- Wikipedia: Synodischer Monat, Siderischer Monat, Mondknoten, Präzession.
- Tagestypen, Zahl der Tage 2027 und die Beispieltage im Oktober 2026: eigene Berechnung des Dyyna-Kalenders.
Biodynamische Präparate kaufen und anwenden
Hornmist 500ab 17,90 €Zum Präparat →
Hornkiesel 501ab 12,90 €Zum Präparat →
Ackerschachtelhalm 508ab 12,90 €Zum Präparat →
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